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Kaufberatung: Billig oder teuer?

Bitte beachten Sie auch meinen Polfilter-Vergleichstest

Für einen Zirkular-Polfilter in 77 mm Durchmesser kann man 8 Euro bezahlen oder auch 180 Euro. Dass hier ein Qualitätsunterschied besteht, liegt auf der Hand. Die Frage ist, worin dieser Qualitätsunterschied besteht - und für wen sich der Aufpreis lohnt.

Leider kann man die Qualität nicht pauschal am Preis ablesen. Zwar haben alle ausgesprochenen Billig-Polfilter Probleme mit der Bildschärfe, und die Exemplare über 100 Euro sind alle ziemlich gut - aber als preisbewusster Hobbyfotograf interessiert man sich doch am meisten für den Bereich dazwischen.

Kurz zusammengefasst: Die eigentliche Polfilter-Wirkung ist bei einem teuren Filter nicht besser ist als bei einem Billigen. Allerdings können billige Polfilter die Schärfe beeinträchtigen; hinzu kommen weitere Qualitätsaspekte wie mechanische Eigenschaften, Farbneutralität und Haltbarkeit, die möglicherweise eine Mehrausgabe rechtfertigen.

Bildschärfe

In der Praxis ist die Minderung der Bildschärfe das relevanteste Unterscheidungskriterium für die Qualität von Polfiltern. Alle anderen Fehler oder Nachteile, die ein Polfilter haben kann, kann man demgegenüber als nachrangig betrachten. Wenn das Bild unscharf wird, helfen auch eine hohe Farbneutralität oder ein hoher Auslöschungsgrad nicht.

Dass ein Filter Einfluss auf die Bildschärfe hat, liegt an der Brechkraft des verwendeten Glases. Der Filter wird zu einem weiteren optischen Element, das nicht in die Objektivrechnung mit einbezogen wurde. Je ungleichmäßiger die Oberfläche ist, desto stärker ist der Einfluss. Aber selbst optisch perfekt glatte Scheiben haben eine - zumindest geringfügige - optische Wirkung. Bei Polfiltern kommt erschwerend hinzu, dass sie ein Sandwich aus zwei Gläsern mit dazwischengekitteter Polfilter-Folie darstellen; das erhöht die Fehlerwahrscheinlichkeit erheblich: Ein schlechter Polfilter reduziert die Bildschärfe viel stärker als ein schlechter UV-oder ND-Filter.

Es wird umso schlimmer, je länger die verwendete Brennweite und je offener die Blende ist. Mit einem Kit-Standardzoom, das vielleicht als längste Brennweite 70 mm bei Blende 5,6 hat, sind die möglichen Schärfedefizite noch so gering, dass sie allenfalls im Direktvergleich auffallen. Das erklärt, warum manche Besitzer solcher Billigfilter nach dem Ausprobieren erst mal zufrieden sind. Spätestens mit dem Einsatz eines Tele-Objektivs kommt aber das böse Erwachen: Wird nämlich derselbe Polfilter an einem Tele-Zoom mit 200 oder 300 mm längster Brennweite benutzt, tritt das Schärfedefizit allzu deutlich hervor.

Fahren Sie mit der Maus über das folgende Bildbeispiel, um den Qualitätsunterschied zwischen einem Standard-Polfilter und einem NoName-Billigfilter zu sehen. Links oben sehen Sie jeweils einen 100-%-Crop der Bildmitte:

Der billige Polfilter sorgt für eine deutliche Reduzierung der Bildschärfe, die selbst auf dem stark verkleinerten Gesamtbild noch zu sehen ist. Dieses Ergebnis beruht nicht auf Verwacklung (wie es auf den ersten Blick aussehen mag), sondern ist vom Stativ fotografiert und reproduzierbar. Man könnte es durch Nachfokussieren etwas verbessern, aber richtig scharf wird es nie. Ich habe mehrere Billigfilter an mehreren Tele-Objektiven ausprobiert, und die Resultate sind immer ähnlich.

Ab einem Preis von 30 Euro (für 77 mm Größe) kann man Glück haben - aber selbst ein Preis über 40 Euro ist noch keine Garantie für Qualität, denn es gibt leider auch Mogelpackungen.
Bei den großen Marken (B+W, Hoya, Heliopan, Nikon, Zeiss etc.) muss man sich keine Sorgen machen; selbst ihre jeweils günstigsten Exemplare haben kein sichtbares Schärfedefizit.
Weniger klar ist es im Fall von unbekannten Marken und Handelsmarken: Wenn der Hersteller mit "Profi-Qualität" und "Mehrschichtvergütung" wirbt, muss das in Bezug auf die Schärfe erst mal nichts heißen.

Im Zweifelsfall sollte man einen neuen Polfilter selber auf Schärfe testen und ggfs. vom Rückgaberecht Gebrauch machen.

Ein einfacher Test bei Tageslicht sieht so aus:
Man benutzt die längste Brennweite, die man zur Verfügung hat. Man schraubt die Kamera auf ein stabiles Stativ und aktiviert ggfs. die Spiegelvorauslösung. Man wählt die größtmögliche Blendenöffnung (= kleinstmögliche Blendenzahl) vor, fokussiert sorgfältig manuell (am besten im LiveView mit Lupenfunktion) und macht dann je ein Foto ohne und mit Polfilter.
Mit einem guten Polfilter sollte die Schärfe der beiden Bilder sich nicht merklich unterscheiden.

Transmission

Der "ideale Polfilter" hätte beim Fotografieren unpolarisierter Motive eine Abdunklung von 1 Blendenstufe, denn er lässt eine der Polarisationsrichtungen und somit rund die Hälfte des Lichtes komplett durch. Enthält das Motiv nur Licht der durchzulassenden Polarisationsrichtung, würde der ideale Polfilter überhaupt kein Licht schlucken.

In der Realität sind Polfilter konstruktionsbedingt nicht so ideal und schlucken schon von vornherein - zusätzlich zu ihrer eigentlichen Sperrwirkung - eine bestimmte Menge Licht. Wieviel das ist, hängt vor allem von den verbauten Filterfolien ab. Mittlerweile werben viele Hersteller mit der Verwendung von "High Transmission"- oder "High Transparency"-Folien (kurz "HT"), die weniger Lichtverlust als herkömmliche Polfilter haben. Daneben kann auch die Vergütung (siehe übernächster Abschnitt) einen zusätzlichen kleinen Einfluss auf die Transmission haben, denn entspiegelte Gläser lassen einige Prozent mehr Licht durch.

In der Praxis haben herkömmliche Polfilter einen Lichtverlust von rund 1,7 Blendenstufen und HT-Polfilter einen Lichtverlust um die 1,2 Blendenstufen - immer bezogen auf unpolarisierte Motivteile. Der Vorteil der "High Transmission" Polfilter liegt also bei ungefähr einer halben Blende. Wenn das Licht knapp wird (z. B. in der Available-Light-Fotografie), kann dieser Vorteil gelegentlich hilfreich sein; als kaufentscheidend muss man ihn nicht einstufen.
Allerdings gibt es für die HT-Ausstattung ein anderes gutes Argument: Sie deutet auf die Verwendung von Polfilterfolien der neueren Generation hin, die gleichzeitig auch eine bessere und farbneutralere Auslöschung ermöglichen - siehe nächster Abschnitt. Insofern lohnt es heute doppelt, auf "High Transmission" Polfilter zu setzen (was nicht heißt, dass die Anderen unbrauchbar wären).

Eine Preisfrage ist es inzwischen nicht mehr: Selbst viele Billigfilter haben mittlerweile die "High Transmission" Eigenschaft. Das steht gar nicht immer eigens drauf - aber man sieht es sofort, wenn man einen "alten" Polfilter neben einen "High Transmission" Filter auf den Tisch legt: Letzterer ist sichtbar heller.

Farbneutralität und Auslöschungsgrad

Die Farbneutralität von Polfiltern in Bezug auf unpolarisierte Motivteile (die ja meist den Großteil eines Bildes ausmachen) ist unkritisch. Zwar kann es insbesondere mit älteren Polfiltern eine Verschiebung in Richtung Blau geben, aber die ist normalerweise sehr gering - und sie wird vom Weißabgleich ausgebügelt. Also wenn man nicht gerade mit wissenschaftlicher Genauigkeit fotografiert und ständig Vergleichsaufnahmen macht, kann man die allgemeine Farbneutralität eines Polfilters ignorieren.

Interessanter ist, was mit Farbe und Helligkeit in den Bereichen passiert, die der Polfilter abdunkelt oder "auslöscht". Hier gibt es durchaus Unterschiede, die sichtbar werden können. Ein moderner Polfilter dunkelt die gesperrten Bereiche relativ stark ab und bleibt dabei noch halbwegs farnbeutral. An Filtern älterer Bauart ist die Abdunklung nicht ganz so stark ausgeprägt und ins Bläuliche verschoben. Das geht übrigens quer durch Marken und Preisklassen: Ein älterer Markenfilter kann schon nachgelassen haben, während ein neuer 10-Euro-Polfilter sehr gut und farbneutral abdunkeln kann.

Allein am Auslöschungsgrad kann man die Gesamtqualität eines Filters aber nicht festmachen. Für viele Motive reicht auch die Abdunklung der schlechten und alten Polfilter aus. Für den Effekt kommt es in erster Linie darauf an, dass das Motiv genug polarisiertes Licht enthält. Selbst der teuerste Polfilter kann keinen starken Effekt herbeizaubern, wenn der Anteil polarisierten Lichtes im Motiv nicht ausreicht. Auch die ungleichmäßige Wirkung, die man in Verbindung mit Weitwinkelobjektiven beobachtet, ist physikalisch bedingt und fällt daher in einer gegebenen Aufnahmesituation mit jedem Polfilter gleich stark aus.

Das bedeutet im Umkehrschluss: Wenn man in der Praxis die perfekte Polfilter-Wirkung verfehlt, liegt das fast immer an den Aufnahmebedingungen; am magelhaften Auslöschungsgrad des Filters liegt es nur in Ausnahmefällen.

Wer meint, sein Filter habe einen zu schwachen Effekt, kann folgenden Test machen: Halten Sie Ihren Polfilter vor einen LCD-Monitor. Wenn Sie durch Drehen des Filters eine weitgehende Abdunklung erreichen, wissen Sie, dass er gut funktioniert.
(Achtung: Bei zirkularen Polfiltern auf die korrekte Licht-Durchlassrichtung achten!)

Im Zweifelsfall ist ein hochwertiger älterer Filter mit nicht perfekter Auslöschung immer noch besser als ein neuer Billigfilter, der zwar perfekt sperrt, aber dafür Schärfe kostet.

Vergütung

In der Werbung für Polfilter oft dick herausgestellt ist die Vergütung (Entspiegelung). Je mehr Vergütungsschichten aufgebracht wurden (man spricht von "Multi-Coating"), desto geringer spiegelt der Filter bei senkrechter Aufsicht.

Entspiegelung hat zwei mögliche Vorteile:
1) Sie erhöht die Transmission, weil weniger Licht durch Spiegelung verloren geht. Allerdings bewegt sich dieser Vorteil gegenüber einem unvergüteten Filter nur in der Größenordnung von 0,1 EV.
2) In Gegenlicht-Situationen können Reflexe zwischen dem Filter und der Frontlinse des Objektivs auftreten; so entstehen Linsenflecke und Überlagerungen, die den Kontrast schmälern. Ein mehrfach vergüteter Filter kann diesen Effekt reduzieren, so dass das Bild nicht weiter verschlechtert wird.

Für Schutzfilter, UV-Filter und Farbfilter ist die Bedeutung einer guten Entspiegelung schon lange unbestritten: In Gegenlichtsituationen möchte man die negativen Einflüsse des Filters so gering wie möglich halten.
Speziell in Verbindung mit Polfiltern ist die Wichtigkeit der Entspiegelung allerdings nicht so klar: Beim Einsatz von Polfiltern für Landschaftsaufnahmen (Abdunklung von blauem Himmel) gilt ja die 90°-Regel für den Lichteinfall - was Gegenlicht weitgehend ausschließt.
Wird der Polfilter zum Reduzieren oder Verstärken von Spiegelungen eingesetzt, sind Gegenlichtsituationen und Streulicht theoretisch möglich. Aber auch da reden wir von Ausnahmen, die man suchen muss (z. B. eine Nachtaufnahme, in der man mittels Polfilter eine Spiegelung entfernt oder verstärkt - und gleichzeitig noch helle Lampen im Bild, die Streulicht verursachen könnten).

Lange Zeit wurden Polfilter (selbst teure Käsemann-Polfilter) ohne Vergütung hergestellt, weil niemand die Notwendigkeit sah. Erst spät gingen die Hersteller dazu über, auch Polfilter zu vergüten. Damit angefangen haben die Billiganbieter, weil sie ein Verkaufsargument suchten. Die Markenhersteller haben dann nachgezogen. Es gibt aber nach wie vor auch unvergütete Marken-Polfilter - und die sind optisch besser als vergütete Billigfilter.

Man muss sich davor hüten, die Bedeutung der Vergütung überzubewerten oder sie gar als vornehmliches Qualitätsmerkmal von Polfiltern anzuschauen, so wie es die Werbung manchmal vorgibt. Das soll aber nicht heißen, die Vergütung sei in jedem Fall sinnlos. Wer für alle Fälle optimal gerüstet sein will, wird heute auch auf das Vorhandensein einer Mehrfachvergütung achten.

Mechanische Qualität

Wie bei allen Schraubfiltern kann auch bei Polfiltern das Schraubgewinde von unterschiedlicher Qualität sein. Eine Rolle spielt dabei das Material: Messing ist gegenüber Aluminium schwerer und teurer, aber meist präziser und haltbarer.

Die Drehung des Polfilters sollte gleichmäßig und nicht zu leichtgängig sein, damit sie sich nicht von selber verstellt. Sie sollte aber auch nicht zu schwer gehen, weil man sonst beim Linksdrehen allzu leicht den Filter versehentlich abschraubt.

Teure Filter haben tendenziell eine bessere Mechanik als Billigfilter, aber es gibt auch gut drehbare Billigfilter und Ausreißer in den höheren Preisklassen. Zudem gibt es bis hinauf zu den teuren Herstellern eine gewisse Serienschwankung: Nur weil sich z. B. ein einzelner Filter etwas ungleichmäßig drehen lässt, muss das bei einem baugleichen Exemplar nicht auch der Fall sein. Es lohnt sich also, die Mechanik eines Filters nach dem Kauf gründlich auszuprobieren.

Haltbarkeit

Da die eigentliche Polarisations-Filterschicht empfindlich ist, wird sie zum Schutz zwischen zwei Gläser eingeklebt. Diese Verklebung kann durch Alterung brüchig werden, wodurch der Filter unter ungünstigen Umgebungsbedingungen (hohe Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit) eintrübt.

Bei guten Markenfiltern ist die Verklebung im Allgemeinen sauber ausgeführt, so dass auch nach Jahren noch keine Probleme auftreten. Besonders Polfilter, die nach der Methode von Erwin Käsemann versiegelt werden, sollen eine besonders hohe Haltbarkeit sicherstellen und auch unter extemen Klimabedingungen bestehen. Solche "Polfilter nach Käsemann" gab es früher von mehreren Herstellern; inzwischen werden sie nur noch von B+W (Schneider Kreuznach) angeboten. Andere Hersteller behaupten, die Versiegelung ihrer hochpreisigen Modelle sei ebenfalls sehr haltbar und allen Einsätzen gewachsen.

Aussagen zur Haltbarkeit und Klimabeständigkeit sind Vertrauenssache; wirklich nachprüfen kann man das als Kunde vor dem Kauf nicht.

Polfilter allgemein - Polfilter (B+W) - Polfilter (Hoya) - Polfilter (Heliopan) - Polfilter (Haida)

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Fazit und Kauftipps

Billig-Polfilter kann man mit kurzen Brennweiten verwenden, aber bei längeren Brennweiten beeinträchtigen sie die Bildschärfe und sind deshalb nicht zu empfehlen.
In der Mittelklasse ab etwa 40 Euro (77-mm-Version) bekommt man bereits sehr ordentliche Qualität ohne Reduzierung der Schärfe. Für die Mehrzahl der Fotoamateure dürften daher Zirkular-Polfilter aus dem Standard-Sortiment der großen Markenhersteller (B+W, Heliopan, Hoya) ein guter Kauf sein. Bei anderen Marken kann man Glück oder Pech haben; gegebenenfalls muss man die entscheidenden Eigenschaften (allen voran die Schärfe, siehe oben) selber durchtesten.
Die teuren Polfilter über 80 Euro (77-mm-Version) lohnen nicht für jedermann; man kann sie Fotografen empfehlen, die auch sonst höchste Qualitätsanforderungen an ihre Ausrüstung stellen, langfristig planen (Stichwort Haltbarkeit) und nicht auf jeden Euro achten müssen.

Weitere Info zum Thema finden Sie in meinem Polfilter-Vergleichstest.

Autor: Andreas Beitinger
April 2016

Nächster Teil

Einführung und Funktionsprinzip

Entstehung und Ausbreitung von polarisiertem Licht

Praktische Anwendung von Polfiltern

Anwendungen: Spiegelungen beseitigen oder verstärken

Anwendungen: Farben und Kontraste verbessern

Anwendungen: Glitzern auf Ölbildern beseitigen

Anwendungen: Direkten Blitz entschärfen (Guerilla-Methode)

Anwendungen: sonstige

Kaufberatung: Linear oder zirkular?

Kaufberatung: Billig oder teuer?

Kaufberatung: Größe und Bauform

Fazit: Wann braucht man Polarisationsfilter wirklich?