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Großer Polfilter-Vergleichstest

Einführung und Fazit

Bewertungen der einzelnen Filter

Test 1: Bildschärfe

Test 2: Auslöschungsgrad

Test 3: Farbneutralität

Test 4: Transmission

Test 5: Vergütung

Viele Polfilter-Tests in Zeitschriften und im Internet sind zwar mit großem Aufwand erstellt, aber sie setzen fragwürdige Prioritäten: Sie bewerten ein entscheidendes Kriterium wie die Bildschärfe nur als eines von vielen und arbeiten dafür andere messtechnische Unterschiede heraus, die für die tatsächliche Fotografie nur eine untergeordnete Rolle spielen. Aus zahlreichen praxisfremden Messwerten wird dann eine "Gesamtnote" errechnet. Wer sich daran orientiert, übersieht oft wichtige Schwächen - oder gibt unnötig Geld für theoretische Vorteile aus, die praktisch keine sind.
Wann immer ich öffentlich Kritik an solchen Tests übe, bekomme ich zu hören: "Mach's doch erst mal besser!" Genau das versuche ich hier. Mein Test will die fotografisch entscheidenden Kriterien in den Vordergrund stellen. Andere Kritiker dürfen nun gern Fehler oder Schwächen in meinem Vorgehen suchen. :)

Wenn ich einen Polfilter beurteile, will ich zunächst zwei Sachen wissen:
1) Wird die Bildqualität sichtbar beeinträchtigt?
2) Wie gut ist die Filterwirkung?
Erst wenn ich diese beiden Fragen zufriedenstellend beantworten kann, interessieren mich sekundäre Qualitätsaspekte (Lichtverlust, Farbneutralität, mechanische Eigenschaften etc.).

Alle Testfilter gestapelt

Die zwölf hier getesteten Filter habe ich zum Testzeitpunkt entweder selber besessen oder mir kurz ausgeliehen. Es ist eine bunte Mischung aus billigeren und teureren sowie aus älteren und neueren Modellen. Das Ziel war nicht, topaktuell jeden verfügbaren Polfilter zu berücksichtigen. Vielmehr wollte ich anhand der repräsentativen Auswahl einen Überblick geben, ab welcher Preisklasse ordentliche Qualität zu erwarten ist, ob auch ältere/gebrauchte Polfilter noch taugen und wie relevant die Vorteile der teuren Modelle tatsächlich sind.

Hier die vollständige Liste:

Die getesteten Exemplare hatten aufgrund der unkonventionellen Beschaffung verschiedene Durchmesser; zur Anpassung an das jeweilige Objektiv habe ich Adapter verwendet.

Insgesamt habe ich mit jedem Filter fünf reproduzierbare Tests durchgeführt: Bildschärfe, Auslöschungsgrad, Farbneutralität, Transmission und Vergütung. Dazu kommt jeweils eine Bewertung der mechanischen Eigenschaften.
Außerdem mache ich Anmerkungen zu weiteren Eigenschaften und Ausstattungsmerkmalen, die ich zwar aus den Herstellerangaben zitieren, aber im Rahmen des Tests leider nicht untersuchen kann (z. B. Haltbarkeit).

Ergänzend zu den einheitlichen Tests habe ich dort, wo es mir sinnvoll erschien, ein paar "echte" Fotos aufgenommen. So lassen sich die Erkenntnisse außerhalb eines Testaufbaus verifizieren - und man bekommt eine Vorstellung, wie stark sich die festgestellten Qualitätsunterschiede ggfs. auf Fotos auswirken. Nicht jeder Unterschied, der in einem gezielten Test zutage tritt, muss auch gleich auf jedem Foto sichtbar sein.

Gesamtpunktzahlen und Bestenlisten finden Sie bei mir nicht, denn die halte ich für Blödsinn. Gesamtnoten tun so, als könne man die Qualität eines Filters in eine einzige Zahl quetschen und dann eine allgemeingültige Qualitätsreihenfolge aufstellen - nach dem Motto: "Für 20 Euro mehr bekomme ich nochmal 3 Punkte mehr an Qualität." Das ist irreführend. In der praktischen Fotografie werden die Filter in vielen Fällen alle das gleiche Ergebnis liefern. Unterschiede betreffen allerdings Details und spezielle Aufnahmesituationen; daher sollte man genauer hinschauen, wo die Unterschiede liegen und welche Eigenschaften man tatsächlich benötigt.

Fazit und Zusammenfassung

Der Test ergab interessante Erkenntnisse - darunter schöne und weniger schöne Überraschungen.

Dass die ausgesprochenen Billig-Polfilter ein Problem mit der Bildschärfe bei langen Brennweiten haben, war nicht anders zu erwarten. Aber auch etwas teurere Modelle wie der Walimex Pro MC CPL, der Kenko Circular PL und der Praktica CPL MC zeigen noch Schwächen in Sachen Schärfe.
Speziell der Praktica CPL MC ist damit eine unschöne Überraschung, weil sein billigerer und unvergüteter Vorgänger (Praktica C-Pol) nie Schärfeprobleme hatte und in Fachkreisen als Preis-Leistungs-Tipp galt.
Dafür erweist sich der Haida Slim Pro II MC C-Pol als positive Überaschung: Während frühere Haida-Polfilter noch deutlich die Schärfe beeinträchtigten, ist dieser nun frei davon und kann uneingeschränkt empfohlen werden.

Was Auslöschungsgrad und Farbneutralität angeht, unterteilt sich das Testfeld klar in zwei Bereiche: die Polfilter mit den herkömmlichen Filterfolien und die Polfilter mit den aktuellen HT-Filterfolien ("High Transmission"). Während die alten Modelle alle farblich etwas ins Bläuliche neigen und insbesondere in ausgelöschten Bereichen einen Blaustich haben (der sich offenbar mit zunehmendem Alter des Flters verstärkt), sind die neuen HT-Filter durchgehend farbneutraler und löschen besser aus. Hinzu kommt der um ca. 1/2 Blendenstufe geringere Lichtverlust.
Im Testfeld gibt es zwei Filter, die ausdrücklich als "High Transmission oder "High Transparency" beworben werden; zusätzlich sind noch fünf weitere mit HT-Filterfolien ausgestattet - ohne, dass die Hersteller dies angeben.
Aber die anderen Filter sind deswegen nicht schlecht, und sie sind für die meisten Zwecke immer noch gut zu gebrauchen; höchstmögliche Auslöschung und Farbneutralität wird ja gar nicht so oft benötigt.

Für Neukauf erweist sich der Haida Slim Pro II MC C-Pol innerhalb des Testfeldes als Preis-Leistungs-Tipp: Er zeigt in keinem Bereich relevante Schwächen und ist ein Stück preiswerter als vergleichbare Modelle großer Marken. Der Hoya HD CIR-PL hat vielleicht noch eine etwas bessere Mechanik, bietet aber ansonsten dasselbe. Der B+W XS-Pro Digital KSM HTC-Pol MRC nano ist, was die Ergebnisse dieses Tests angeht, auf dem gleichen Niveau wie die beiden vorgenannten. Er soll laut Hersteller eine bessere Haltbarkeit in feuchter Umgebung sowie einwandfreie Schärfe auch mit sehr hochwertigen Objektiven haben, aber das kann ich mit diesem Test leider nicht überprüfen.
Wenn man den Filter nie an Brennweiten über ca. 80 mm verwendet (etwa an einem Standardzoom), kann man ohne große Abstriche auch einen der Billig-Polfilter benutzen, denn bei kurzen Brennweiten treten die Schärfeprobleme kaum in Erscheinung. Die eigentliche Filterwirkung/Auslöschung der Billigfilter ist tadellos - sogar besser als die der älteren Markenfilter.

Dass im Testfeld die drei ältesten Filter mit ihren herkömmlichen Filterfolien den stärksten Blaustich in abgedunkelten Bereichen zeigen, ist sicherlich kein Zufall. Es betrifft sogar den B+W F-Pro Circular-Pol - einen ehemals nicht ganz billigen Markenfilter. Die Alterung macht vor Polfiltern also nicht halt. Bekommt man solche alten Markenfilter günstig gebraucht, kann man sie dennoch für die meisten Zwecke einsetzen - und im Gegensatz zu den Billig-Polfiltern haben sie kein Problem mit der Schärfe bei langen Brennweiten.

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: April 2016

Nächster Teil

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