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Anwendungen: Farben und Kontraste verbessern

Himmelblau

(Achtung: Bevor Sie zur Verbesserung des blauen Himmels einen Polfilter kaufen, beachten Sie bitte auch die Hinweise in meinem Fazit.)

Das Sonnenlicht wird in der Atmosphäre an Luftmolekülen gestreut, wobei blaues Licht stärker abgelenkt wird als rotes; so entsteht der blaue Himmel, den wir alle kennen. Weniger bekannt ist, dass das Licht bei der Streuung auch polarisiert wird. Diesen Effekt können wir nutzen, um mit Hilfe eines Polarisationsfilters das Himmelblau gegenüber der Landschaft abzudunkeln.
Besonders interessant wird der Effekt, wenn auch weiße Wolken vorhanden sind: In den Wolken findet eine Streuung des Lichtes an Wassermolekülen statt, wobei keine Polarisation auftritt. Der Polfilter wirkt also nur auf das Blau im Hintergrund, und so wird der Kontrast zwischen Wolken und Himmel verstärkt.

Fahren Sie mit der Maus über das folgende Beispiel, um die Wirkung des Polfilters zu sehen:

Die stärkste Polarisation tritt (physikalisch bedingt) in einem Winkel von 90° zur Licht-Einfallsrichtung auf. Deshalb lässt sich in diesem Winkel der bestmögliche Effekt erzielen. Denkt man sich eine Achse von der Kamera zu einer Stelle am Himmel, wo man sich den größtmöglichen Effekt wünscht, erhält man einen "Halbkreis" von möglichen Richtungen für die ideale Sonnenposition. Da die Sonne sehr weit entfernt ist, gilt der Winkel von 90° näherungsweise auch vom Kamera-Standpunkt aus.
Die Achse muss übrigens nicht genau der Objektivachse entsprechen; wenn man z. B. nur im oberen Bereich des Bildes Himmel hat, der abgedunkelt werden soll, geht die ideale Achse etwas schräg nach oben.

Kommt das Licht aus der falschen Richtung, muss man abwarten, bis die Sonne im Tageslauf den gedachten Halbkreis kreuzt. Alternativ kann man die eigene Aufnahmeposition und Aufnahmerichtung so ändern, dass man ein anderes Stück Himmel in den Hintergrund bekommt, wo der Effekt stärker ausgeprägt ist. Diese Möglichkeit setzt allerdings voraus, dass Platz und Motiv eine andere Perspektive zulassen; wenn man z. B. die Südseite eines Gebäudes als Hauptmotiv will, nützt es ja nichts, zugunsten des besseren Polfilter-Effektes von Westen her zu fotografieren.

Passt der Winkel überhaupt nicht, oder ist der Himmel stark bewölkt (d. h. der blaue Himmel ist von einer weißen, unpolarisierten Schicht aus Wassertröpfchen überlagert) gibt es wenig oder gar nichts, das man mit einem Polfilter selektiv wegfiltern könnte. Auch Luftverunreinigungen reduzieren den Anteil polarisierten Lichtes am Himmel. So erklärt sich, warum Polfilter auf Landschaftsszenarien manchmal enttäuschend wenig wirken - ohne dass man in diesem Moment daran etwas ändern könnte. Wenn man sich weder Standort noch Uhrzeit noch Wetter aussuchen kann, muss man mit dem Effekt auskommen, der gerade möglich ist. Dann gehört auch etwas Glück dazu.

Aber auch unter theoretischen Idealbedingungen bleibt ein Problem: Dummerweise "stimmt" der Winkel immer nur für eine einzige Richtung; um diese Richtung herum wird der Effekt immer schwächer. Insofern wird es nie gelingen, den optimalen Polfilter-Effekt über das ganze Bildfeld zu bekommen.

Ganz besonders problematisch ist der Einsatz von Polfiltern auf Weitwinkelobjektiven (wie in diesem Beispiel): Hier wird ja mit einer einzigen Aufnahme ein sehr großer Winkelbereich erfasst. Es ist dann unmöglich, eine gleichmäßige Polfilter-Wirkung über das ganze Bildfeld zu bekommen. Ungleichmäßige Abdunklung (d. h. ein "dunkler Fleck" im Bereich der optimalen Wirkung) ist also bei kurzen Brennweiten unvermeidbar; je deutlicher der Filtereffekt aufgrund von Sonnenwinkel und Wetterbedingungen funktioniert, umso stärker fällt auch die Ungleichmäßigkeit ins Auge. Unter Fotografen ist umstritten, ob man mit (Super-)Weitwinkeln überhaupt Polarisationsfilter verwenden sollte, oder ob der Effekt hier mehr stört als nützt.
Umgekehrt wird mit langen Brennweiten der Polfilter-Effekt gleichmäßiger. Je enger der aufgenommene Bildausschnitt ist, umso geringer werden ja die Winkel-Unterschiede innerhalb des Bildes. Allerdings wird es mit langen Brennweiten von vornherein schwieriger, einen deutlichen Effekt zu erzielen. Während es auf Weitwinkel-Fotos wenigstens in einem Teilbereich des Bildes zur Polfilter-Abdunklung kommt, muss man mit dem Tele von vornherein den besten Winkel erwischen.

Blaue Berge

Wenn Teile des Motivs vom Standpunkt der Kamera sehr weit entfernt sind (Berge im Hintergrundbereich von Landschaftsaufnahmen sind hierfür das klassische Beispiel) muss das Licht durch viele Kilometer Luftschicht. Je nach Wetterlage wirkt sich dann dasselbe Phänomen aus, das wir vom Himmel kennen: Es entsteht blaues Streulicht, das auch polarisiert sein kann. Auch hier gibt es dann die Möglichkeit, dieses Licht mit Hilfe des Polarisationsfilters abzudunkeln. Fahren Sie mit der Maus über das folgende Beispiel, um den Effekt zu sehen:

Auf den ersten Blick könnte man meinen, der Einfluss der Luftschichten würde durch den Polfilter abgemildert und der bläuliche Schleier würde reduziert. Tatsächlich findet aber im Bereich der Berge nur eine Abdunklung der blauen Farbe statt. Es bleibt also blau, und die blaue Färbung kann durch die Abdunklung sogar noch intensiver wirken.
Weil "nebenbei" auch der Himmel-Wolken-Kontrast sowie die Farbsättigung der grünen Wiese von der Polfilterung profitieren, kommt es insgesamt zu einer subjektiven Verbesserung des Bildes.

Regenbogen verstärken

Das farbige Licht eines Regenbogens besteht aufgrund seiner optischen Entstehung (Brechung und Reflektion an Wassermolekülen) komplett aus polarisiertem Licht. Man kann den Regenbogen durch entsprechende Stellung des Polfilters vollständig verschwinden lassen - was normalerweise niemand will. Durch eine um 90° geänderte Position des Polfilters lässt sich der Regenbogen hingegen in Relation zur Umgebung um 1 Blendenstufe stärker machen; das funktioniert genauso wie das Verstärken einer Spiegelung. Fahren Sie mit der Maus über das Beispielbild, um den Unterschied zu sehen.

Wie im Fall der Spiegelung gilt: Der Polfilter kann die Wirkung des Regenbogens ein wenig unterstützen. Der Effekt ist aber eher dezent ausgeprägt, weil die Verstärkung prinzipbedingt nur 1 Blendenstufe umfasst.

Blattgrün und andere Farben satter machen

An grünen Blättern kann sich weißes Tageslicht spiegeln. Diese Spiegelung überlagert die Eigenfarbe der Blätter und mindert damit Farbsättigung und Kontrast.
Blätter nehmen sehr verschiedene Positionen und Neigungen ein. Trotzdem ist es möglich, einen ungefähren Reflektionswinkel zu bestimmen, weil aus Sicht der Kamera nur jene Stellen von Bedeutung sind, die das Licht direkt in Richtung Kamera leiten. Soweit die Reflektion von Wasser und ähnlich reflektierendem Material auf den Blättern stammt, erzielt man in einem Winkel von etwa 105° zur Sonne (das ist bereits leichtes Gegenlicht) den maximalen Effekt.
Passt der Lichteinfallswinkel, lässt sich das reflektierte und polarisierte Licht zu einem Großteil ausfiltern, und das Blattgrün erscheint satter. Fahren Sie mit der Maus über das folgende Beispielbild, um den Effekt zu sehen:

Nach demselben Prinzip lassen sich nicht nur Blätter, sondern auch andere glänzende oder glitzernde Oberflächen (wie im obigen Beispiel der Zaun) von Spiegelungen befreien und somit die Abbildung ihrer Eigenfarbe verbessern.

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: Februar 2013

Nächster Teil

Einführung und Funktionsprinzip

Entstehung und Ausbreitung von polarisiertem Licht

Praktische Anwendung von Polfiltern

Anwendungen: Spiegelungen beseitigen oder verstärken

Anwendungen: Farben und Kontraste verbessern

Anwendungen: Glitzern auf Ölbildern beseitigen

Anwendungen: Direkten Blitz entschärfen (Guerilla-Methode)

Anwendungen: sonstige

Kaufberatung: Linear oder zirkular?

Kaufberatung: Billig oder teuer?

Kaufberatung: Größe und Bauform

Fazit: Wann braucht man Polarisationsfilter wirklich?