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Erzielbare Bildqualität

Von der Bildqualität hängt ab, ob man sich im Einzelfall für die DSLR-Digitalisierungsmethode entscheidet, oder ob man doch lieber einen echten Diascanner beschafft. Von einer vollständigen Erfassung des Bildinhaltes (so dass man die Originaldias nach dem Digitalisieren ohne Magenschmerzen wegwerfen könnte) war ich nie ausgegangen. Dieser Anspruch wird selbst mit Spitzenscannern nur schwer zu erfüllen sein.

Natürlich ist die Beurteilung von Bildqualität ein Stück weit subjektiv und auch vom späteren Verwendungszweck abhängig. Ich habe hier einige Beispiele zusammengestellt - und zwar im Direktvergleich mit einem guten Scanner. Ich hoffe, dass dies Interessierten hilft, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Abfotografiert mit Nikon D200

Im Wesentlichen haben sich zwei Aspekte der Bildqualität herauskristallisiert, die für die Verwendung der Bilder relevant und auch halbwegs eindeutig feststellbar sind: Auflösung und Dynamik.

Bei der Auflösung geht es darum, wie gut feinste Details des Dias im Digitalbild erhalten bleiben. Hier zeigt sich, dass die verwendete 10-MP-Kamera bereits das Filmkorn sehr deutlich zeigt und den Detailreichtum normaler Dias weitestgehend erfassen kann.

Mit Dynamik ist die Fähigkeit der Kamera gemeint, mit einer einzigen Belichtung sehr helle und sehr dunkle Details des Dias durchzuzeichnen. Das ist schwierig, weil Dias einen hohen Dichteumfang aufweisen können und die Dynamik einer DSLR begrenzt ist. Aus meiner Sicht hat die Abfotografier-Methode hierbei auch ihre größte Schwäche.

Abfotografiert mit Nikon D200

An dieser Stelle noch ein paar Worte dazu, wie die hier gezeigten Vergleichs-Beispiele aufbereitet wurden. Sowohl in der Scan-Software als auch im RAW-Konverter gibt es ja unzählige Einstellmöglichkeiten.

Da ich selber keinen Diascanner mehr besitze, habe ich die Scans bei einem professionellen Scanservice machen lassen, der mit dem Nikon Coolscan 5000 arbeitet. Die Auflösung betrug 2700 ppi, und es wurden ICE (Staub-/Kratzerentfernung) sowie GEM (Filmkornreduktion) angewendet - also das volle Programm. Abgesehen von den Einstellungen der Scansoftware wurden die Dateien offenbar nachträglich noch etwas farbkorrigiert; das schließe ich aus den leichten Lücken im Histogramm. Die hier gezeigten Beispiele sind exakt so, wie ich sie vom Service bekommen habe.

Um einen halbwegs brauchbaren Vergleich zu erhalten, musste ich dann meine eigenen "Scans" entsprechend aufbereiten und anpassen. Im RAW-Konverter (Nikon Capture) wählte ich Kontrastkurve, Weißabgleich, Gammakorrektur und Farbsättigung so, dass Farbe und Helligkeit dem Vergleichsscan möglichst nahe kamen. Vollständig klappte das nicht (z. B. ist das Himmelsblau anders); aber letztlich ist die Farbgebung doch Geschmackssache.
Eine besondere Herausforderung war die Scharfzeichnung. Die Standard-Scharfzeichnung von Nikon Capture, die für originale Digitalfotos gedacht ist, ist bei der groben Filmstruktur ziemlich wirkungslos. Ich drehte daher so lange an der Unscharfmaskierung, bis der Schärfeeindruck der abfotografierten Dias in etwa dem entsprach, was der Scanservice geliefert hatte; hierfür war insbesondere ein relativ großer Schärfungs-Radius nötig.
Man darf übrigens davon ausgehen, dass innerhalb der Scan-Software eine ähnlich starke Unscharfmaskierung stattfindet; allerdings sind die Voreinstellungen der Scansoftware bereits für Dia-Vorlagen ausgelegt, weshalb es da nicht so auffällt.

Da die Originalscans mit GEM-Filmkornreduktion behandelt waren, wirkten sie besonders in den gleichmäßigen Flächen etwas glatter. Daher bearbeitete ich meine abfotografierten Varianten noch leicht mit Noiseware, um sie auch in diesem Punkt anzupassen.

Als letzten Schritt skalierte ich die Bilder minimal herunter, damit sie der Größe der 2700-ppi-Scans möglichst nahe kamen und die Crops direkt vergleichbar wurden.

Das alles hört sich vielleicht nach großem Nachbearbeitungsaufwand und einer Schönfärbung meiner Bild-Ergebnisse an, aber letztlich mache ich nur das von Hand, was die Scansoftware schon automatisch tut. Die Einstellung von Farbe und Helligkeit, Scharfzeichnung und Kornreduktion macht, wenn man sie bewusst vornimmt, in der Scansoftware kaum weniger Arbeit als nach dem Abfotografieren mit RAW-Konverter und Bildbearbeitungsprogrammen. Vorteil meiner Methode bleibt aber, dass ich die Optimierung dank RAW-Format auf später verschieben kann. Ich brauche auch keinen Prescan.

Aufwendig ist die Bearbeitung der abfotografierten Dias lediglich dann, wenn das Originaldia verkratzt oder dreckig war. Eine automatische Staubkorrektur gibt es beim Abfotografieren leider nicht.
In einem der hier gezeigten Crops ist tatsächlich ein großer Staubfaden zu sehen. Ich habe ihn zur Demonstration des Problems dringelassen; normalerweise würde man ihn natürlich ausstempeln, bevor man das Bild weiterverwendet.

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: November 2009

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