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Vorgeschichte

Ausgangssituation war, dass ich als Hobbyfotograf zwischen 1983 und 2001 eine Menge KB-Dias angehäuft hatte und diese möglichst komplett digitalisiert haben wollte, damit ich künftig bei Bedarf bequem darauf zugreifen kann. Zusätzlich wollte ich noch Teile der Diasammlung meines Vaters in den Computer bekommen, soweit sie für mich einen persönlichen Wert hat (Fotos aus meiner Kindheit). Alles in allem schätzte ich das Gesamtvolumen auf 4000 zu erfassende Dias. An dieser Zahl orientierten sich meine Überlegungen zum Zeitbedarf. (Es waren dann tatsächlich 4096 Stück.)

Es handelt sich übrigens nicht um fotografische Meisterwerke oder technisch erstklassige Archivaufnahmen, die ich noch irgendwem verkaufen könnte. Es sind in der Hauptsache rein private Jugend-Erinnerungen sowie fotografische Experimente.

Meine ersten Versuche mit Diascanner (Minolta Scan Dual II) erwiesen sich als untauglich, da das Scannen extrem lang dauerte. Insgesamt dreimal ließ ich dann eine gewisse Anzahl Dias von Firmen scannen. Jedoch waren die ersten beiden Serien qualitativ unter aller Kanone, und der dritte Anbieter lieferte zwar gute Qualität, nahm aber eine starke Farb- und Kontrastkorrektur vor, die nicht immer in meinem Sinne war. Außerdem waren alle diese Services letztlich zu teuer für meine Zwecke, da ich eine vollständige Erfassung meiner Dia-Bestände anstrebte.

Ich dachte dann an Miete oder vorübergehenden Kauf eines hochwertigen Nikon-Scanners mit automatischer Zuführung. Allerdings hätte mich das Scannen trotzdem sehr viel Zeit gekostet. Wenn man von 90 Sekunden Scan-Zeit ausgeht, sind das bei 4000 Bildern schon 100 Stunden reine Maschinenzeit. Hinzu kommt die Zeit fürs Vorbereiten und Einlegen der Dias.

Die Markteinführung der Magazin-Scanner von Reflecta und Braun machte mir kurzzeitig noch Hoffnung, aber ich hatte aufgrund des hakeligen Verhaltens meiner CS-Magazine wenig Hoffnung, ganze Magazine vollautomatisch einscannen zu können. Ich hätte also während des Scannens doch in der Nähe bleiben und aufpassen müssen, und damit wären wir wieder beim Zeitfaktor.

Noch eine weitere Überlegung schreckte mich vom Scannen ab: Scansoftware ist primär darauf ausgelegt, möglichst "fertige" Ergebnisse zu liefern. Das verlangt aber, dass man jedes Bild einzeln per Vorschauscan optimiert - was der Idee einer schnellen Erfassung ganzer Archive widerspricht (und auf eine Automatik verlassen wollte ich mich nicht, weil dann jedes Bild anders eingestellt wird und spätere Stapelbearbeitungen unmöglich werden). Werden in der Scansoftware größere Fehler gemacht (z. B. Tonwerte abgeschnitten), kann man diese auch durch spätere Nachbearbeitung nicht wiedergutmachen.

Einige Scanner bzw. deren Softwares können ein Scanner-Rohformat speichern, das es ermöglicht, die Bearbeitung zu einem späteren Zeitpunkt durchzuführen. Allerdings ist das gespeicherte Rohformat dann ein unkomprimiertes, lineares 16-Bit-TIFF, das bei 4000 ppi Auflösung pro Kleinbild-Dia rund 125 MB (!) braucht. Meine 4000 Dias kämen dann auf fast 500 GB. (Selbst mit 2700 ppi wäre es noch ca. die Hälfte.)
Zu dem Zeitpunkt, als ich die Digitalisierung durchführte, waren mir große Festplatten aber noch zu teuer, um alle 4000 Bilder doppelt (d. h. auf zwei getrennten Platten) sichern zu können. Außerdem wäre der spätere Umgang mit so großen Dateien sehr träge gewesen.

Ich hatte weder Lust noch Zeit, alle meine gescannten Dias einzeln zu bearbeiten; dafür waren die meisten einfach nicht wertvoll genug. Ich wollte sie nur "für alle Fälle" in digitaler Form auf meiner Festplatte haben. An die wenigen Bilder, die ich dann zur Verwertung herauspicke, stelle ich aber gewisse Qualitätsansprüche.

Eine Archivierung der Scanner-Rohdaten wäre also wünschenswert, aber aufgrund des Speicherbedarfs nicht praktikabel. Eine ausschließliche Archivierung fertiger JPEGs, die automatisch gescannt wurden, wäre hingegen mit zu vielen Kompromissen verbunden - selbst wenn man die Scans nur für den Bildschirm und kleinformatige Abzüge braucht.

Als eine Fachzeitschrift das Digitalisieren von Dias mit Hilfe eines umgerüsteten Diaprojektors, einer digitalen Spiegelreflexkamera und eines Macroobjektivs vorstellte, hatte ich das Gefühl, "meine" Methode gefunden zu haben. Das Abfotografieren ist von Haus aus viel schneller als jedes Scan-Verfahren und erfordert, wenn man Diaprojektor und Kamera schon besitzt, nur eine begrenzte Investition. Fotografiert man im RAW-Format der Kamera (das viel weniger Speicher braucht als ein Scanner-Rohformat), erhält man sich auch für später noch eine Menge Bearbeitungsreserven und kann den gewohnten RAW-Konverter benutzen, mit dem man auch seine anderen Digitalfotos bearbeitet. Zumindest in der Theorie klang das alles sehr gut für mich.

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: November 2009

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