Bestimmte teildurchsichtige Mineralien und andere chemische Stoffe haben die Eigenart, die Polarisation einfallenden Lichtes zu drehen bzw. zu zirkulieren. Dies wird in der Macro- und Mikroskopfotografie gern genutzt, um Stoffe deutlicher vor dem Hintergrund hervortreten zu lassen oder überhaupt erst sichtbar zu machen.
Grundlage der Methode sind abermals gekreuzte Polfilter. Zuunterst im Aufbau kommt die Lichtquelle, etwa in Form einer Leuchtplatte oder der Beleuchtung des Mikroskopes. Auf dieser Lichtquelle wird ein Stück Polfilter-Folie platziert, so dass das Licht polarisiert wird. Darüber setzt man dann entweder direkt den zu fotografierenden Stoff oder ein Objektglas des Mikroskopes mit dem präparierten Stoff darauf. Darüber kommt wieder ein Polfilter, der gegenüber dem unteren Polfilter um 90° gedreht ist. Und darüber im Aufbau kommt das Macroobjektiv oder die Optik des Mikroskopes mit adaptierter Kamera.
In Ausgangsposition dürfte in der Kamera gar kein Licht ankommen (höchstens ein bläulicher Lichtschimmer), weil ja die gekreuzten Polfilter das Licht sperren. Allerdings Stoffe, die Einfluss auf die Polarisation haben (in meinem Bildbeispiel sind es Zucker-Kristalle) drehen die Polarisation aus dem unteren Polfilter so, dass wieder Lichtanteile da sind, die vom oberen Polfilter durchgelassen werden. Die Zuckerkristalle scheinen dann auf einer dunklen Unterlage zu liegen und selbst zu leuchten.
Es gibt auch Stoffe, durch deren Eigenschaften sich in Verbindung mit gekreuzten Polfiltern interessante Farbeffekte ergeben. Und es gibt Stoffe, deren polarisierende Wirkung sich durch Temperatur oder Druck ändert. Dies wird sowohl fotografisch als auch technisch genutzt, z. B. in der Materialforschung.
Diese Anwendung des Polfilters nenne ich hier nur der Vollständigkeit halber. Eigentlich sind Polfilter hierfür nicht erste Wahl.
Möchte man Wasserfällen, Flüssen, Brunnen oder anderen bewegten Wassern eine fliesende, stark verwischte Anmutung geben, braucht man eine möglichst lange Belichtungszeit. Um diese trotz hellem Tageslicht zu erreichen, kann man in niedrigster ISO-Einstellung arbeiten und eine kleine Blendenöffnung wählen, aber die Belichtungszeiten bleiben dennoch
oft zu kurz für einen weichen Fließ-Effekt. Man könnte dann auf die Idee
kommen, den Polfilter, der ja bei unpolarisierten Motiven etwa 1,5 Stufen Licht schluckt, als Graufilter zu missbrauchen. So kann man die Belichtungszeit etwas mehr als verdoppeln und kommt dem geplanten Effekt
etwas näher, aber nicht nah genug. Ein einzelner Polarisationsfilter als Graufilter-Ersatz ist
also nur ein Notbehelf von begrenztem Nutzen.
Durch Benutzung eines zweiten draufgeschraubten Polfilters erhält man allerdings einen "variablen Graufilter", der eine sehr viel stärkere Abdunklung ermöglicht. Man kann solche "Vario-ND-Filter" fertig kaufen (und manche Nutzer wissen vielleicht gar nicht, dass ein Vario-ND aus zwei Polfiltern besteht). Damit kriegt man dann starke Wirkungen wie im hier gezeigten Beispiel hin. (Fahren Sie mit der Maus über das Bild. Auf Touchscreen: drauftippen bzw. danebentippen)
Die variablen Graufilter auf Polfilter-Basis haben aber auch Nachteile, z. B. eine ungleichmäßige Abdunklung in den höheren Einstellungen. Viel billiger und für derartige Zwecke weit besser geeignet sind feste Graufilter (sogenannte ND-Filter) mit Faktor 64x oder 1000x.
Dass LC-Displays aller Art sowie LCD-Monitore und -fernsehgeräte erst durch Polfilter ihre Wirkung entfalten, wurde ja schon erwähnt.
Manche Sonnenbrillen sind zusätzlich zur Abdunklung mit einer polarisierenden Schicht versehen, um an heißen Tagen das Glänzen der Straße im Gegenlicht zu unterbinden. Es gibt auch spezielle Nachtfahr-Brillen, die nur polarisieren und nicht zusätzlich abdunkeln; sie sollen vor allem bei nächtlichen Regenfahrten helfen, die Reflexion der entgegenkommenden Scheinwerfer auf regennasser Straße abzumildern. Nachteil solcher Brillen ist, dass damit das LC-Display am Autoradio oder ein digitaler Tacho schlecht ablesbar wird.
Die Technik, um mittels Polfilter 3D-Filme vorzuführen, findet man nach wie vor in vielen Kinos. Da eine mattweiße Leinwand jede Polarisation aufheben würde, funktioniert der Trick nur mit silbern beschichteten Leinwänden. Der Zuschauer trägt unterschiedlich ausgerichtete Polfilter vor den beiden Augen und am Projektor werden linkes und rechtes Teilbild passend polarisiert. So lässt man die Bilder jeweils nur dem Auge zukommen, für das sie gedacht sind. Übrigens wird hier keine lineare, sondern eine zirkulare Polarisation verwendet – damit der Effekt durch Drehen des Kopfes nicht verloren geht.
Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: August
2026
IMPRESSUM
DATENSCHUTZERKLÄRUNG
Einführung und Funktionsprinzip
Entstehung und Ausbreitung von polarisiertem Licht
Praktische Anwendung von Polfiltern
Anwendungen: Spiegelungen beseitigen oder verstärken
Anwendungen: Farben und Kontraste verbessern
Anwendungen: Glitzern auf Ölbildern beseitigen
Anwendungen: Direkten Blitz entschärfen (Guerilla-Methode)
Anwendungen: sonstige
Kaufberatung: Linear oder zirkular?
Kaufberatung: Billig oder teuer?