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Großer Polfilter-Vergleichstest

Einführung und Fazit

Bewertungen der einzelnen Filter

Test 1: Bildschärfe

Test 2: Auslöschungsgrad

Test 3: Farbneutralität

Test 4: Transmission

Test 5: Vergütung

Test 1: Bildschärfe

Dieser Test ist nach meiner Meinung der Wichtigste. Wenn ein Filter die Bildschärfe sichtbar reduziert, taugt er nicht - und dann helfen auch ein hoher Auslöschungsgrad und hohe Farbneutralität nicht. Tatsächlich ist die Beeinflussung der Bildschärfe auch der Bereich, wo sich gute und schlechte Polfilter am stärksten unterscheiden.

Der Einfluss des Polfilters auf die Bildschärfe wird intensiver, je länger die verwendete Brennweite und je offener die Blende ist. Bei kurzer Brennweite mag der Fehler noch nicht besonders auffallen, aber in Verbindung mit Tele macht er sich umso mehr bemerkbar. Das kennt man ja, wenn man irgendwo durch eine Scheibe aus Fensterglas fotografieren muss: Mit kurzen Brennweiten geht es einigermaßen, aber mit langer Brennweite wird kein Bild mehr richtig scharf.

Testaufbau für Bildschärfe

Für diesen Test verwendete ich eine Nikon D7000 und ein Nikon-Objektiv 2,8/80-200 bei 200 mm Brennweite und Blende 4. Der Abstand von der Kamera zum Testmotiv betrug etwas mehr als 8 Meter.
Die D7000 hat "nur" 16 MP Auflösung, aber ihre Pixeldichte entspricht bereits einem KB-Sensor mit 36 MP (im obigen Übersichtsbild durch das erweiterte Umfeld angedeutet, um besser einschätzen zu können, welchem Teil des Gesamtbildes die gezeigten Crops entsprechen). Der Test ist also genauso aussagekräftig, als wenn ich eine Nikon D810 oder eine Sony A7R verwendet hätte.

Normalerweise wäre Offenblende 2,8 zum Testen ideal, aber das verwendete Objektiv gewinnt durch Abblenden auf 4 an Schärfe, so dass eine Schärfereduktion durch den Filter bei Blende 4 besonders klar sichtbar wird.
Selbstverständlich wurde sorgfältig von Hand mit LiveView-Lupe fokussiert und auf bestmöglichen Verwacklungsschutz geachtet (Stativ, mehrsekündige Spiegelvorauslösung, Windstille, Vibrationsfreiheit des Bodens).

Der Weißabgleich wurde für jede Testaufnahme anhand der Weißabgleichs-Graukarte durchgeführt. Die Belichtung jeder Aufnahme wurde per Spotmessung auf die Belichtungsgraukarte eingestellt und hinterher noch einer Feinjustage im RAW-Konverter unterzogen (die Kamera belichtet ja "nur" auf 1/3 EV genau). So ist gewährleistet, dass alle Testaufnahmen unabhängig von Transmission und Färbung des jeweiligen Filters gleich hell belichtet und farblich möglichst neutral sind.

Die schlechteren Filter reduzieren die Schärfe zunächst stark, aber durch Nachfokussieren lässt sie sich wieder etwas verbessern. Das ist in Verbindung mit Autofokus nebensächlich, weil man da ohnehin unmittelbar vor jeder Aufnahme neu fokussiert. Aber für manuell arbeitende Fotografen, die Bilder mal mit und mal ohne Polfilter aufnehmen, ist diese Erkenntnis durchaus wichtig. Deswegen zeige ich von den betroffenen Filtern zwei Testaufnahmen: eine nach der Neufokussierung und eine, die noch für die filterlose Aufnahme scharfgestellt war.
Die besseren Polfilter reduzieren die Schärfe bereits ohne neues Fokussieren nicht merklich. Da habe ich mir ein zweites Testbild gespart.

Testbilder

Die folgenden Bilder sind pixelgenaue Crops aus den Testaufnahmen. Ein Klick auf die Ausschnitte führt jeweils zum ganzen Bild in Originalgröße:

Alle obigen Testaufnahmen sind, wie erwähnt, bei 200 mm Brennweite und Blende 4 entstanden, da die Schärfeminderung mit langen Brennweiten und großer Blendenöffnung besonders stark in Erscheinung tritt. Allerdings fotografiert man nicht immer mit offener Blende. Deshalb habe ich anschließend anhand des unschärfsten Filters (dHD CPL) probiert, welche Qualität abgeblendet auf 8 oder 16 möglich ist.

Außerdem wollte ich herausfinden, ob ein schlechter Filter wenigstens in Verbindung mit Standardzoom oder Normalbrennweite zu gebrauchen ist - daher noch Vergleiche bei 80 und 35 mm Brennweite (für die ich die Kamera natürlich entsprechend näher ans Testmotiv rücken musste). Da die Schärfeleistung jedes Objektivs und ggfs. bei jeder Brennweite anders ist, stelle ich den Bildern jeweils passende Schärfe-Referenzen gegenüber:


Auswertung

Dem aufmerksamen Betrachter mag aufgefallen sein, dass das filterlos aufgenommene Referenzbild sogar minimal unschärfer oder kontrastärmer ist als einige der besseren Bilder mit Polfilter - obwohl ich bei Aufnahme und Weiterverarbeitung wirklich mit Sorgfalt vorgegangen bin. Für diese Unterschiede gibt es verschiedene mögliche Erklärungen (Einfluss der Polarisation auf die Vorlage, Spiel der Linsenelemente innerhalb des Objektivs, Auswirkung der Belichtungs-Feinkorrektur im RAW-Konverter, Abweichungen des Weißabgleichs etc.). Wollte man die Ursache genau wissen, müsste man weitere Tests durchführen. Aber dort, wo die Schärfe ernsthaft leidet, sieht man es bereits jetzt deutlich - weshalb ich mir eine aufwendige Ursachensuche gespart habe. Es ist nun mal kein supergenauer Labortest.

Für die Auswertung der Testbilder sollte man im Hinterkopf haben: Man darf diese minimalen Abweichungen nicht überbewerten, weil sie andere Ursachen als die optische Qualität des jeweiligen Filters haben können.

Im Wesentlichen kann man die hier getesteten Filter in zwei Gruppen einteilen: solche, die negativen Einfluss auf die Schärfe haben, und solche, die das nicht haben. Folgende sechs Filter zeigten in diesem Test einwandfreie Schärfe: Hoya HD CIR-PL, Praktica C-Pol, B+W XS-Pro Digital KSM HTC-Pol MRC nano, B+W F-Pro Circular-Pol, Hoya PL, Heliopan Pol circ. SH-PMC und Haida Slim Pro II MC C-Pol.
Das Ganze muss man vor dem Hintergrund der begrenzten Genauigkeit sehen; mit feineren Testmethoden könnte man möglichweise in den Filtern, die hier eine einwandfreie Schärfe zeigen, noch geringfügige Unterschiede herausarbeiten. Wie praxisrelevant die dann noch wären, sei dahingestellt.

Auch die Filter, die hier im Test zweifellos eine verminderte Schärfe zeigen, sind nicht alle gleich schlecht. Und selbst der schlechteste getestete Filter (dHD CPL) ermöglicht bei 35 bis 80 mm Brennweite eine zufriedenstellende Schärfe.

Praxisfotos

Um die Ergebnisse des Tests in der Praxis zu verifizieren, habe ich drei alltägliche Motive mit jeweils drei Filtern aufgenommen: einem mit laut Test einwandfreier Schärfe (Haida Slim Pro II MC C-Pol), einem mit etwas eingeschränkter Schärfe (Walimex Pro MC CPL) und einem mit schlechter Schärfe (dHD CPL). Es kam diesmal ein anderes Objektiv zum Einstz als für die obigen Testbilder, um auch Objektiv-übergreifende Erkenntnisse zu bekommen.Nach jedem Filterwechsel habe ich neu mittels LiveView fokussiert, um auch aus den weniger scharfen Filtern das Bestmögliche rauszuholen.

Es wird jeweils zuerst eine Übersicht des Gesamtbildes mit rot markiertem Crop-Bereich gezeigt. Dann folgen die entsprechenden Crops aus den Testaufnahmen. Ein Klick auf die Ausschnitte führt jeweils zum ganzen Bild in Originalgröße.

Das erste Beispiel sollte mit 70 mm Brennweite und Blende 9 keine zu hohen Anforderungen an die Filter stellen:

Tatsächlich ist das Bild mit dem Walimex-Filter einwandfrei scharf, und für die Defizite im Bild mit dem dHD-Filter muss man schon sehr genau hinschauen; ohne Direktvergleich würde man das Bild immer noch einwandfrei scharf finden.

Das nächste Bild erhöht die Hürden etwas, indem die Brennweite auf 100 mm angehoben und die Blende auf 5,6 geöffnet wird:

Bei genauer Betrachtung sieht man jetzt bereits im Bild mit Walimex-Filter leichte Schärfedefizite; schaut man sich das komplette Bild an, tritt zudem am linken Bildrand eine massive Verschlechterung der Schärfe ein (ein kurioses Phänomen, das ich nicht erwartet hätte; offenbar hat der Filter eine "schwächere Seite", die hier aufgrund der Drehung zufällig links liegt). Das Bild mit dem dHD-Filter ist überall gleichmäßig unscharf.

Das dritte und letzte Beispiel steigert einerseits die Anforderungen, indem die Brennweite auf 140 mm erhöht wird. Gleichzeitig wird jedoch die Blende auf 9 geschlossen und somit wieder etwas Reserve geschaffen:

Erwartungsgemäß ähneln die Ergebnisse dem vorigen Beispiel: Das Bild mit dem Walimex-Filter hat leichte Schärfedefizite, wobei im Gesamtbild diesmal ein zusätzlicher Schärfeabfall rechts auftritt (aber nicht so schlimm wie der Fehler links im vorigen Bild). Das Bild mit dem dHD-Filter ist überall unscharf.

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: April 2016

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