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Monitorprofilierung

Kalibrierung/Profilierung von Mehr-Monitor-Systemen

In Doppel- oder Dreifach-Monitor-Systemen wird die Prozedur der Kalibrierung und Profilierung noch etwas komplizierter. Schließlich müssen hier zwei Dinge gewährleistet sein: Die Kalibrierungsdaten müssen für jeden angeschlossenen Monitor einzeln in die LUTs der Grafikkarte geschrieben werden. Und das farbmanagementfähige Programm muss bei der Anwendung unterscheiden, auf welchem Monitor sich das anzuzeigende Bildfenster gerade befindet - um dann das hierzu passende Monitorprofil zu verwenden.

Vonseiten der beiden meistgenutzten Betriebssysteme sind die Voraussetzungen für den Mehr-Monitor-Betrieb erfüllt: Windows beherrscht seit der Version Vista die Verwaltung mehrerer Monitorprofile. MacOS kann  sogar schon länger getrennte Monitore verwalten. Das umfasst sowohl das Laden der Kalibrierungsdaten in die Grafikkarten-LUTs als auch die Bereitstellung der Profile für die Anwendungsprogramme.

Damit das Schreiben der Kalibrierungsdaten in die LUT der Grafikkarte gewährleistet ist, muss die Grafikkarte für jeden ihrer Ausgänge tatsächlich separate LUTs bereitstellen. Nahezu sicher klappt es mit Grafikkarten, die mehrere typgleiche Anschlüsse bieten (z. B. mehrere DVI oder mehrere DisplayPort), weil sie von vornherein für den Betrieb von Mehr-Monitor-Systemen ausgelegt sind. Bei Grafikkarten mit mehreren unterschiedlichen Ausgängen (z. B. DVI und HDMI) ist es häufig ebenfalls der Fall, aber nicht immer. Dasselbe gilt für Notebooks, die neben ihrem eingebauten Monitor noch einen MiniDisplayPort- oder HDMI-Anschluss für einen externen Monitor bieten.
Wer auf Nummer sicher gehen will, kann gleich getrennte Grafikkarten für jeden Monitor einbauen. Vom Prinzip her genauso funktioniert es, wenn man den einen Monitor an der integrierten Mainboard-Grafik betreibt und den anderen an einer zusätzlich eingebauten Grafikkarte.

Ob die vorhandene Grafikkarte getrennte Kalibrierungsdaten für zwei Monitore verarbeitet, kann man ausprobieren. Mit typischen Kalibrierungsdaten, die nur feine Veränderungen an der Farbwiedergabe vornehmen, ist die Beurteilung oft schwierig. Zum Testen sollte man daher "auffällig falsche" Kalibrierungsdaten verwenden. Ich stelle für diesen Zweck zwei Testprofile zur Verfügung, die entsprechend manipulierte Kalibrierungsdaten enthalten:

testprofil_roetlich.icm
testprofil_blaeulich.icm

Ihren Namen gemäß sorgen die Kalibrierungsdaten dieser Profile für eine rotstichige bzw. blaustichige Farbwiedergabe. So ist auf einen Blick klar, ob die Kalibrierung in die jeweilige LUT der Grafikkarte geladen wurde oder nicht.

Ich erkläre hier das Vorgehen für Windows 7/8/10. In anderen Betriebssystemen kann es etwas abweichen:

Zum Testen müssen die Testprofile zunächst im System installiert werden (Rechtsklick > "Profil installieren"). Dann müssen sie den jeweiligen Monitoren zugewiesen und als Standard festgelegt werden (siehe Windows-Farbverwaltung).

Falls das Festlegen eines der Testprofile als Standard keine sofortigen Auswirkungen auf die Monitorfarben hat (das ist z. B. in Systemen der Fall, die noch nie vorher kalibriert/profiliert wurden), müssen Sie manuell dafür sorgen, dass Windows die Kalibrierungen tatsächlich lädt (Vorgehensweise siehe hier).

Sofern Ihre Grafikkarte korrekt getrennte LUTs verwaltet, müssten Sie dem einen Monitor die rötliche und gleichzeitig dem anderen Monitor die bläuliche Kalibrierung zuweisen können. Klappt das nicht (z. B. daran zu sehen, dass entgegen der Festlegung beide Monitore dieselbe Kalibrierung abbekommen) ist das ein Hinweis darauf, dass Ihre Grafikkarte nur eine einzige LUT für alle Ausgänge hat und damit nicht zum Kalibrieren zweier Monitore taugt.
Wenn die Grafikkarte nicht für getrennte Kalibrierung der Monitore ausgelegt ist, helfen auch Software-Tricks nicht weiter. Hier kann man nur versuchen, mit Hilfe der Vor-Kalibrierung an den Monitorreglern dem Soll schon möglichst nahe zu kommen (siehe Kalibrierung Variante 2). Danach muss man sich festlegen, welchen der Monitore man korrekt feinkalibriert; dem anderen wird dann zwangsweise die falsche Kalibrierung zugewiesen. Das ist natürlich etwas unbefriedigend, da gerade bei mehreren Monitoren das Kalibrieren auf einen einheitlichen Weißpunkt und einheitliche Helligkeit wünschenswert wäre.

Das Schreiben der Kalibrierungsdaten in die entsprechenden Grafikkarten-LUTs beim Systemstart übernimmt ein Systemprogramm oder ein separates Hilfsprogramm, das mit der Kalibrierungssoftware geliefert wurde. Letzteres ist für den Anwender problemloser, da dann dieselbe Software sowohl die Kalibrierung/Profilierung durchführt als auch das Hilfsprogramm einrichtet. Ein Verwechseln der Monitore ist damit fast ausgeschlossen.
Ist die Kalibrierungssoftware nicht für die Verwendung mehrerer Monitore ausgelegt, muss der Anwender die Prozedur der Kalibrierung/Profilierung nacheinander auf beiden Monitoren durchführen und hinterher die Profile den Monitoren selber zuordnen. Dies erfordert mehr Sorgfalt, damit man die Monitore nicht verwechselt. Es bewirkt aber letztlich dasselbe.

Die zweite und größere Hürde für die Anwendung von Farbmanagement auf mehreren Monitoren ist allerdings gar nicht die Kalibrierung, sondern die Unterstützung von Mehr-Monitor-Systemen durch die verwendeten Anwendungsprogramme. Sie ist Voraussetzung, damit wirklich immer das Profil des Monitors zur Anwendung kommt, auf dem das Bild gerade angezeigt wird.

Idealerweise bereitet die Software die Bilder so exakt getrennt auf, dass z. B. beim Platzieren eines Bildfensters auf der Monitorgrenze die linke Bildhälfte mit dem Profil des linken Monitors und die rechte Bildhälfte mit dem Profil des rechten Monitors dargestellt wird; das können aber nur wenige Programme. Andere verwenden pro Bild immer nur ein einzelnes Monitorprofil; schiebt man das Bildfenster vom linken auf den rechten Monitor, gibt es einen Moment, in dem die Farben umschalten.
Die meisten farbmanagement-fähigen Programme können leider noch nicht einmal die Umschalt-Variante, sondern verwenden immer das Profil des definierten Hauptmonitors. Die Farben stimmen dann also nur auf einem der Monitore, und das Profil der anderen Monitore wird (abgesehen vom Schreiben der Kalibrierungsdaten bei Systemstart) überhaupt nicht genutzt.
Welches der System-Hauptmonitor ist, muss man durch Probieren ermitteln und ggfs. korrigieren, damit wenigstens der am meisten genutzte Monitor farbrichtig arbeitet; im Bereich der Bildbearbeitung wählt man hierfür meist den linken Monitor, während man den rechten für Werkzeugpaletten, Dateibrowser und andere nicht so farbkritische Sachen reserviert.

Programme, in denen man das Monitorprofil manuell wählen muss, unterstützen prinzipbedingt nur einen der Monitore; wenigstens hat man dann die volle Kontrolle darüber, welches Profil tatsächlich zur Anwendung kommt.

Wer mehrere Monitore einsetzt, muss einmal gründlich durchtesten, mit welchen Programmen er auf welchem Monitor tatsächlich farbrichtig arbeiten kann. Oder man legt sich von Anfang an fest, welcher der beiden Monitore farbrichtig arbeiten soll und ernennt den anderen zum "Palettenmonitor" ohne farbliche Ansprüche; das ist die entspanntere Variante.
Welche Programme Mehr-Monitor-Systeme bereits vollständig unterstützen, können Sie der Tabelle unter fotovideotec.de/cms_tauglichkeit entnehmen. Tendenziell sind dies eher die teuren Profi-Programme und deren Ableger - weniger Programme aus dem Freeware- und Shareware-Bereich.

Auch wenn das Farbmanagement für mehrere Monitore korrekt eingerichtet ist, darf man keine Wunder erwarten, was die mögliche Angleichung angeht. Man kann zwar Helligkeit, Farbtemperatur und Gamma aneinander anpassen, aber der mögliche Kontrastumfang und der Farbraum bleiben von der Kalibrierung unberührt. Stellt man z. B. einen modernen Grafikmonitor mit erweitertem Farbraum neben einen Billigmonitor (der dann wohl hauptsächlich als "Palettenmonitor" genutzt wird), darf man nicht erwarten, dass Fotos im Direktvergleich auf beiden identisch aussehen.

Wenn die Monitore verschiedenartige Panels und Hintergrundbeleuchtungen haben, können zusätzlich sogenannte Metamerie-Probleme auftreten (d. h. subjektiv unterschiedliche Wahrnehmung trotz messtechnischer Angleichung). Perfekte farbliche Angleichung gelingt nur zwischen sehr ähnlich aufgebauten (idealerweise typgleichen) Monitoren.

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: Oktober 2017

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