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Monitorprofilierung

Varianten der Monitorkalibrierung und -profilierung

Es gibt drei verschiedene Möglichkeiten, wie die Kalibrierung technisch umgesetzt wird. Welche verwendet wird, hängt sowohl von den Einstellmöglichkeiten des Monitors als auch von den Fähigkeiten der Kalibrierungssoftware ab. Die eigentliche Profilierung, die der Kalibrierung nachgeschaltet ist, ist dann ein vergleichsweise einfacher Vorgang - und zwar immer derselbe, egal wie die Kalibrierung durchgeführt wurde.

Variante 1: Kalibrierung über die LUT der Grafikkarte

Die Anbieter der billigen Colorimeter gehen von einfachen Monitoren ohne nennenswerte eigene Einstellmöglichkeiten aus. Zwar wird dem Anwender geraten, alle Regler auf Mittelstellung oder zurück auf Werksvorgaben zu setzen, aber die eigentlichen Korrekturen finden nicht direkt im Monitor statt.
Ziel der Korrekturdaten ist die LookUpTable (LUT) der Grafikkarte, eine Art flüchtiger Speicher für Farbkorrekturen. Die Kalibrierungssoftware installiert automatisch ein Hilfsprogramm, das künftig beim Systemstart aktiviert wird und die ermittelten Kalibrierungsdaten in die Grafikkarte schreibt. Wenn die Kalibrierung sichtbar von der ursprünglichen Monitordarstellung abweicht (z. B. wenn der Weißpunkt deutlich geändert wurde), sieht man dieses Umschalten der Farben während jeder Startprozedur. Manche Programme blenden zusätzlich ein Info-Fenster ein, um das erfolgreiche Schreiben der Kalibrierungsdaten zu melden.

Diese Kalibrierung rein über die LUT der Grafikkarte ist heute Standard, aber nicht das Optimum, weil es hierbei zu Tonwertverlusten kommt, die sich in Verbindung mit tonwertarmen Bildern dann als Banding zeigen können. Dieses Banding ist dann zwar nicht wirklich in den betroffenen Bildern drin, aber es sieht am Monitor so aus. Das ist ärgerlich, weil es beim Betrachten stört und das Identifizieren von echtem Banding in bearbeiteten Bildern erschwert.

Variante 2: Kalibrierung über Monitoreinstellung und LUT der Grafikkarte

Etwas bessere Kalibrierungssoftwares bieten zusätzlich eine Hilfe zur manuellen Voreinstellung des Monitors. So lässt sich bereits eine gute Voreinstellung von Gamma/Helligkeit und Farbtemperatur/Weißpunkt erzielen; nur noch die Feinheiten der Kalibrierung werden dann in die LUT der Grafikkarte verlagert.

Aber Vorsicht: Damit eine Vor-Kalibrierung am Monitor überhaupt sinnvoll ist (und nicht etwa noch zusätzliches Banding verursacht), sollte die interne LUT des Monitors mit mindestens 10 Bit Farbtiefe pro Kanal arbeiten. Arbeitet sie nur mit 8 Bit (was bei biligen Monitoren und den meisten Notebook-Displays der Fall ist), bleibt man lieber bei Variante 1 und lässt die Regler des Monitors auf Werksvorgabe.

Variante 3: Hardware-Kalibrierung

Aus technischer Sicht der Königsweg ist die sogenannte Hardware-Kalibrierung, also eine vollständige Kalibrierung innerhalb des Monitors. So muss überhaupt nichts in die LUT der Grafikkarte geschrieben werden, und es muss auch beim Systemstart kein Hilfsprogramm gestartet werden.

Für echte Hardware-Kalibrierung muss der Monitor eine Steuerschnittstelle (meist eine USB-Buchse) besitzen, über die der Computer die Einstellungen automatisiert vornehmen kann. Im Anschluss an die Kalibrierung wird dann, wie bei den anderen Varianten auch, ein Profil ausgemessen.

Die Kalibrierungsprogramme, die den gängigen Colorimetern beiliegen, sind nicht für Hardware-Kalibrierung ausgelegt und geeignet. Stattdessen liefern die Monitorhersteller ihre eigenen Kalibrierungsprogramme, die in der Lage sind, auf die Kalibrierungsschnittstelle des Monitors zuzugreifen. Am besten kauft man solche Monitore gleich im Paket mit einem geeigneten Colorimeter und der vom Hersteller bereitgestellten Software.

Bislang wird die Schnittstelle für Hardware-Kalibrierung bislang nur in wenigen, recht teuren EBV-Monitoren angeboten. Im Bereich der "bezahlbaren" Monitore gibt es so eine Schnittstelle bislang noch nicht. Wer aufs Budget achten muss, wird darauf verzichten.
Der qualitative Vorteil gegenüber anderen guten Monitoren, die sich über eine 10-Bit-LUT gemäß Variante 2 voreinstellen lassen, ist in der Praxis ohnehin nicht so groß. Aus Sicht eines Amateurfotografen ist das Preis-Leistungs-Verhältnis harwarekalibrierbarer Monitore noch schlecht.

Profilierung und Profilvergleich

Sowohl während das Kalibrierung als auch während der Profilierung werden nacheinander verschiedene Farbflächen angezeigt, die das Colorimeter misst. Manche Programme trennen Kalibrierung und Profilierung strikt als separate Menüpunkt, bei anderen geht die Kalibrierung nahtlos in die Profilierung über. Dem Anwender kann das egal sein. Hauptsache ist, es wird beides korrekt durchgeführt.

Am Ende der Gesamtprozedur sollte sich im System das fertige Monitorprofil finden (meist unter dem Namen der Kalibrierungssoftware), und es sollte auch bereits als Standard-Monitorprofil eingetragen sein.

Es ist recht interessant, sich das eigene Monitorprofil auf ICCView einmal anzuschauen (siehe hier). So bekommt man eine Vorstellung über die Größe des Monitorfarbraums - gerade im Vergleich zu den gängigen Arbeits- und Druckerfarbräumen.

Vergleich zweier typischer Monitorfarbräume mit den Standardfarbräumen sRGB und AdobeRGB. Während ein guter Röhrenmonitor (rechts) einen etwas größeren Farbraum als sRGB hat und an einer Stelle sogar über AdobeRGB hinausgeht, ist der Farbraum des Notebook-Displays (links) wesentlich kleiner als sRGB. Das Notebook-Display kann also nicht alle sRGB-Farben darstellen.
Die Farbräume der meisten heutigen TFT-Monitore liegen in der Größenordnung von sRGB. Neuere Monitore der gehobenen Klasse gehen etwas über sRGB hinaus oder decken sogar AdobeRGB komplett ab.

Die Kalibrierungsdaten, die das Hilfsprogramm bei jedem Systemstart in die LUT der Grafikkarte schreibt, sind als Zusatzdaten mit im Monitorprofil untergebracht. Das Hilfsprogramm liest sie dort aus bzw. verweigert seinen Dienst, falls das Profil entfernt wurde. Insofern sind Kalibrierung und Profilierung "zusammengeschweißt", obwohl sie eigentlich getrennte Vorgänge sind.

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: Juni 2011

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