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Monitorprofilierung

Kalibrierung/Profilierung ohne Messgerät

Es gibt fertige Monitorprofile, die der Monitorhersteller als Download bereitstellt. Alternativ kann man sich von anderen Nutzern im Internet das Profil eines typgleichen Monitors besorgen. Man kann auch Profile aus den sogenannten EDID-Daten (Primärfarben-Werte) erzeugen, die automatisch aus der Monitor-Hardware ausgelesen werden können.
Solche Profile enthalten halbwegs brauchbare Profildaten, aber fragwürdige (oder gar keine) Kalibrierungsdaten. Es fand ja keine Vermessung des tatsächlich genutzten Monitor-Exemplars statt. In der Praxis weichen auch typgleiche Monitore durchaus voneinander ab, z. B. durch Serienstreuung bei der Fertigung und natürlich durch Alterung.

Es gibt Programme, die in solchen Fällen erlauben, ganz ohne Messgerät Kalibrierungsdaten zu erzeugen. Am bekanntesten ist "Adobe Gamma", das früher mit Anwendungsprogrammen der Firma Adobe geliefert wurde und teilweise auch heute noch verwendet wird. Es nutzt ein vorhandenes Profil als Basis und erzeugt dazu neue Kalibrierungsdaten durch visuellen Vergleich von Testbildern. Ähnlich wie Adobe Gamma funktioniert das Programm QuickGamma; statt ein vorhandenes Profil als Basis zu verwenden, liest es die EDID-Daten des Monitors aus und erzeugt hieraus die Profildaten.

Beide Programme erzeugen am Ende ein Monitorprofil mitsamt Kalibrierungsdaten. Dieses Profil wird in der üblichen Weise im Betriebssystem installiert und dem Monitor zugeordnet. So steht den Anwendungsprogrammen ein Monitorprofil zur Verfügung und es können Kalibrierungsdaten in die LUT der Grafikkarte geladen werden - genau wie bei einem Profil, das mittels Messgerät erstellt wurde.
Das Verfahren funktioniert nicht perfekt, aber brauchbar. Ist durch visuellen Abgleich das Gamma kalibriert, stimmt die mittlere Helligkeit. Eine Linearisierung des Farbraums, wie ihn die Kalibrierungsgeräte durchführen, ist so allerdings nicht möglich.

Monitorprofile aus Programmen wie Adobe Gamma oder QuickGamma ersetzen keine exakten Monitorprofile, die per Messgerät erstellt wurden. Aber solange kein Messgerät zur Verfügung steht und die Ansprüche an die Farbgenauigkeit nicht allzu hoch sind, sind sie eine vertretbare Alternative.

Ganz und gar nicht zu empfehlen sind hingegen Lösungen, bei denen man die Monitordarstellung mit einem danebengehaltenen Papierbild vergleichen und irgendwie aufeinander abstimmen soll. Schon allein die mangelnde Abstimmung des Weißpunktes zwischen Monitor und Umgebungslicht macht so einen Abgleich sinnlos.
Es ist eine Zumutung, dass ahnungslosen Hobbyfotografen solche Lösungen immer noch angeboten werden - selbst von Laboren mit Farbmanagement-Option, die es besser wissen müssten. Man kann sich nur vage vorstellen, welche absurden Einstellungen anhand solcher Testbilder schon getätigt wurden; wahrscheinlich versuchen die meisten Nutzer, irgendwie die Gesamtfärbung (und somit den Weißpunkt) in Einklang zu bringen - und wundern sich dann, wenn es ein paar Stunden später, nachdem die Farbtemperatur des einfallenden Tageslichts sich geändert hat, schon nicht mehr passt.
Es wird nicht nur eine sinnlose Methode gelehrt, sondern auch eine völlig falsche Idee von Kalibrierung vermittelt: die absolute Übereinstimmung von Monitor und Umgebungslicht.
Eine wirkliche Anpassung farblicher Feinheiten, auf die es bei der Kalibrierung und Profilierung ankommt, ist anhand von Testbildern niemals möglich. Der Laie weiß ja gar nicht, worauf er achten soll. Noch nicht einmal EBV-Spezialisten mit geschultem Auge und jahrelanger Erfahrung trauen sich das zu.
Die Beschreibungen der Farb-Testbilder sind so gehalten, dass nicht zwischen Kalibrierung und Profilierung unterschieden wird. Offenbar soll der Anwender seinen Monitor so einstellen, dass er direkt und ohne zwischengeschaltetes Farbmanagement sRGB-Bilder richtig anzeigt, also sozusagen eine "Kalibrierung auf sRGB". Das ist gewiss nicht durch visuellen Vergleich zu erreichen.

Man kann die hübsch gemachten Testbilder mit ihren vielen Graustufen und Farbfeldern zum Test eines korrekt eingerichteten Softproofs benutzen (siehe hier). Aber zum Einstellen eines Monitors nach Sicht sind sie großer Blödsinn.

Mein dringender Rat: Finger weg von einer Farbeinstellung mittels Papier-Testbild!

Keine der Alternativen kann ernsthaft eine Kalibrierung per Messgerät ersetzen. Ein Colorimeter, wenn auch nur in der einfachsten Ausführung, sollte sich heute also jeder Hobbyfotograf gönnen.

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: Oktober 2017
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