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Monitorprofilierung

Monitor-Kalibrierungsziele

In der Fachsprache taucht öfter der Begriff "Kalibrierungsziel" oder englisch "Calibration Target" auf. Damit sind die Daten gemeint, auf die hin eine Kalibrierung erfolgt: Weißpunkt, Helligkeit und Helligkeitsverteilung (Gamma). Bei besseren Kalibrierungssoftwares kann man sie selber wählen; die billigen Lösungen sind fest auf einen gängigen Standard eingestellt.

Für die Helligkeitsverteilung gilt als eindeutige Empfehlung ein Gamma von 2,2 oder wahlweise die sogenannte sRGB-Kurve (die dem Gamma 2,2 sehr ähnlich ist). Nichts Anderes hat auf Computern heute einen Sinn - selbst wenn man bevorzugt mit einem Gamma-1,8-Farbraum arbeitet.
Beim kalibrierten Gamma geht es in erster Linie um die Helligkeits-Kompatibilität zu Betriebssystemgrafiken und zu Software, die ohne Farbmanagement arbeitet (z. B. Office-Programme). Sobald Farbmanagement im Spiel ist, wird ohnehin das Gamma automatisch angepasst. Eine Kalibrierung auf das Gamma des bevorzugten Arbeitsfarbraums (falls dieser von 2,2 abweicht) kann zwar für die Monitordarstellung minimale Qualitätsvorteile bringen und wird im professionellen Umfeld noch gelegentlich praktiziert, hat aber auf normalen Rechnern, die nicht ausschließlich der Bildbearbeitung dienen, unterm Strich mehr Nachteile.

Die Gesamthelligkeit sollte mit dem vorhandenen Raumlicht harmonieren, d. h. in einem hell beleuchteten Raum sollte der Monitor heller leuchten als in einem düsteren Hinterzimmer, damit das Auge sich beim Blick auf den Bildschirm nicht unnötig stark umgewöhnen muss. Ein Standardwert für durchschnittlich helle Räume liegt bei 100 bis 140 cd/m², während in schwach beleuchteten Räumen 60 bis 80 cd/m² angemessen sein können und in manchen wirklich hellen Räumen selbst 400 cd/m² (da liegt das Maximum der meisten Monitore) noch zu wenig sind.
Man liest leider immer wieder "Empfehlungen" für eine ganz bestimmte Helligkeit. Diese sollte man unbedingt ignorieren. Es gibt keinen technisch nachvollziehbaren Grund, warum der Monitor z. B. für die Bearbeitung von Druckbildern heller oder dunkler eingestellt werden müsste als für die Bearbeitung von Web-Bildern. Das Einzige, worauf man die Monitorhelligkeit abstimmen sollte, ist also das Raumlicht. Manche Kalibrierungsgeräte können vorab die Umgebungshelligkeit messen, was dann einen guten Anhaltspunkt bietet - vorausgesetzt, diese Helligkeit bleibt im Tagesablauf (oder zumindest während der geplanten Bildbearbeitungszeiten) einigermaßen konstant.

Die Farbtemperatur wird man im Idealfall ebenfalls an die Farbe des Raumlichts angleichen. Meist ist das aber nicht möglich, weil das vorhandene Tageslicht seine Farbe ändert und man abends sogar auf Kunstlicht übergeht. Man baut dann besser gleich auf die Anpassungsfähigkeit des Auges - so wie hier ausführlich erklärt. In diesem Fall ist die Farbtemperatur des Monitors nur noch Gewohnheitssache. Gute Kalibrierungssoftwares ermöglichen die Vorgabe einer beliebigen Farbtemperatur oder die Beibehaltung der nativen Farbtemperatur des Monitors (was z. B. bei Billigmonitoren und Notebook-Displays zu empfehlen ist - weil dann weniger Verluste durch Farbumrechnungen auftreten).
Gängigster Standard ist D65 (6500 Kelvin), was grob dem direkt einfallenden Tageslicht entsprechen soll. Alternativ kommt der etwas wärmere Standard D50 (5000 K) in Frage. Recht beliebt ist auch 5800 K als Kompromiss; ist kein Normlicht vorhanden, muss der Weißpunkt ja nicht exakt einem Standard entsprechen. Hat der Monitor eine relativ hohe native Farbtemperatur, kann man sogar auf D75 (7500 Kelvin) kalibrieren; das wirkt dann zunächst etwas kühl, ist aber letztlich auch nur Gewohnheitssache.

D65 (also 6500 K) ist übrigens auch der definierte Weißpunkt von sRGB und AdobeRGB - was aber in der Praxis unwichtig ist, da der Weißpunkt des Arbeitsfarbraums nur eine unsichtbare Konvertierungs-Zwischenstufe darstellt. Es ist also nicht nötig und noch nicht einmal von besonderem Vorteil, wegen Verwendung von sRGB oder AdobeRGB den Monitor auf D65 zu kalibrieren. Trotzdem bieten viele Kalibrierungsprogramme entsprechende Voreinstellungen an und tun so, als bestünde da ein sinnvoller Zusammenhang.

Kalibrierung auf den Arbeitsfarbraum?

Erwähnt werden sollte noch eine Formulierung, die man im Internet gelegentlich liest. Da schreibt jemand z. B., er habe seinen Monitor "auf sRGB kalibriert". Dahinter steckt die Idee, ganz ohne Farbmanagement zu arbeiten und stattdessen den Monitor fest auf einen bestimmten Arbeitsfarbraum abzugleichen. Man spricht dann auch von einer "Farbraum-Emulation".

Es gibt Spezialprogramme, die den messtechnischen Abgleich auf feste Arbeitsfarbräume ermöglichen. In der Praxis wird das Verfahren aber nur auf Beamer und Fernseher angewendet; weiterführende Informationen hierzu findet man am ehesten in Heimkino-Foren. Das Verfahren erfordert viel Zeit und spezielle Fachkenntnisse; außerdem haben nur wenige Computermonitore die dafür nötigen Einstellmöglichkeiten in ihren Menüs (z. B. eine 6-Achs-Korrektur).
Einzige praktikable Ausnahme sind "hardwarekalibrierbare" Computermonitore (siehe nächste Seite); sie erlauben auf Wunsch im Zuge der automatischen Kalibrierung eine Begrenzung des Monitorfarbraumes.

Die Farbraum-Emulation ist nach wie vor ein Verfahren für Spezialfälle (z. B. anspruchsvollen Videoschnitt). Ansonsten ist die Kalibrierung auf einen festgelegten Arbeitsfarbraum normalerweise nicht sinnvoll, und im ICC-Farbmanagement ist sie gar nicht vorgesehen. Man würde dadurch ja den Farbraum des Monitors von vornherein beschneiden und könnte ihn dann nicht ausnutzen, wenn man doch mal einen größeren Arbeits- oder Gerätefarbraum benutzen will.
Die gängigen Kalibrierungs-/Profilierungs-Programme, die eine "Softwarekalibrierung" über die LUT der Grafikkarte durchführen, unterstützen eine Farbraum-Emulation schon prinzipbedingt nicht; es geht also, wenn überhaupt, nur mittels Hardwarekalibrierung (oder umständlich manuell).

 Eine typische Kalibrierung im Sinne des ICC-Farbmanagements beschränkt sich stets auf Weißpunkt, Helligkeit und Helligkeitsverteilung/Gamma als Kalibrierungsziele. Den Farbraum des Monitors lässt sie in seiner Größe unverändert. Eine Anpassung von Monitor- und Arbeitsfarbraum ist stets Sache des Anwendungsprogramms und geschieht immer wieder neu. Aus diesem Grund kann der Monitor auch nach erfolgter Kalibrierung die Farben einer Datei nicht von sich aus "richtig" anzeigen, sondern es bedarf dann immer noch eines ICC-Monitorprofils und eines Anwendungsprogramms mit Farbmanagement-Funktion.

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: Oktober 2017
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