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Monitorprofilierung

Das 2-stufige Verfahren aus Kalibrierung und Profilierung

Da die Monitorkalibrierung und -profilierung im Farbmanagement-Workflow des Hobbyfotografen eine ganz entscheidende Bedeutung hat, möchte ich besonders ausführlich auf sie eingehen.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass man alles, was hier für Monitore beschrieben ist, auch mit Beamern und vielen LCD-Fernsehern machen kann (soweit man deren "Bildverbesserungsfunktionen", die das Ergebnis der Profilierung verfälschen würden, abschalten kann).

Fast jeder Monitorhersteller bietet mittlerweile ICC-Farbprofile seiner Monitore zum Download an. Der Umgang damit ist sehr simpel: Das Profil muss nur im Betriebssystem installiert und als Standard-Monitorprofil gewählt werden. Von da an kann das Farbmanagement jederzeit darauf zugreifen, um beliebige Datei-Farbräume in den Monitorfarbraum umrechnen zu können.
Allerdings müssen selbst die Hersteller zugeben, dass diese Profile nicht sehr genau sind. Sie sollen ja für alle baugleichen Monitore passen, aber in Wirklichkeit ist jeder Monitor ein Unikat und weicht farblich von der Serie ab. Außerdem können die Monitore unterschiedlich eingestellt sein und unterliegen der Alterung, so dass das Profil von Zeit zu Zeit neu bestimmt werden sollte.

Wer ernsthaft Farbmanagement nutzt, muss mit Hilfe eines Farbmessgerätes sein eigenes Profil erstellen. Solche "Colorimeter" samt Software werden schon für unter 150 Euro angeboten.

Nach Kauf des Farbmessgerätes stellt man aber überrascht fest, dass sich durch die "Kalibrierungsprozedur" die gesamten Systemfarben verändern - auch außerhalb von Anwendungen, die Farbmanagement nutzen. Das geht mit der Theorie überhaupt nicht zusammen. Zudem verwirrt der Begriff "Kalibrierung", denn eigentlich wollten wir unseren Monitor doch gar nicht "kalibrieren", sondern "profilieren".

Was in den Beschreibungen der Gerätehersteller viel zu wenig betont wird, ist die Tatsache, dass während der Prozedur zwei ganz verschiedene Dinge passieren: Der Monitor wird zuerst kalibriert und dann profiliert.

Die Kalibrierung dient dazu, den Monitor auf ein einheitliches Gamma (normalerweise 2,2) und einen einheitlichen Weißpunkt (meist D50 oder D65, also 5000 oder 6500 Kelvin) zu bringen. Zudem wird der Farbraum des Monitors linearisiert, d. h., es wird sichergestellt, dass gleiche RGB-Werte tatsächlich neutrale Grautöne ergeben. Die Kalibrierung wirkt auf die gesamten Systemfarben, also unabhängig vom Farbmanagement. Die Kalibrierung ändert jedoch nichts an der Größe des Monitor-Farbraums und ersetzt nicht das Farbmanagement. Sie ist nur eine Vorbereitung dafür.

Zweiter Schritt ist dann tatsächlich eine Profilierung, und zwar auf Basis der bereits kalibrierten Monitordarstellung. Das Ergebnis der Profilierung ist ein sauber gemessenes ICC-Monitorprofil, das im Betriebssystem installiert und als Standard-Monitorprofil eingetragen wird.

Zwingend nötig ist eine Kalibrierung nicht. Man könnte stattdessen die Systemfarben unangetastet lassen, das Profil für den unveränderten Monitorfarbraum ausmessen und die gesamte Korrektur dem Farbmanagement überlassen. Einige Kalibrierungssoftwares bieten auf Wunsch diese "Profilierung ohne Kalibrierung" an.

Es gibt dennoch gute Gründe, warum die Hersteller standardmäßig die zweistufige Prozedur wählen, also der Profilierung eine Kalibrierung voranstellen.
Eine Linearisierung des Monitor-Farbraums erleichtert die anschließende Profilierung und vereinfacht den Aufbau des Profils. Eine Bereinigung des Gammas auf 2,2 verbessert die Kompatibilität mit sRGB und AdobeRGB in Anwendungen ohne Farbmanagement (so stimmt wenigstens die Helligkeit). Die Vereinheitlichung des Monitor-Weißpunktes auf D50 oder D65 ermöglicht die Abstimmung mit einer eventuell genutzten Normlicht-Beleuchtung im Arbeitsraum.

Apropos Weißpunkt: Der kalibrierte Weißpunkt des Monitors ist in einer normalen Haushalts-Umgebung, also in einer Umgebung ohne spezielles Normlicht, nicht viel wert. Es gibt keineswegs einen "richtigen" oder "falschen" Weißpunkt. Richtig ist die Farbdarstellung am Monitor immer nur in Relation zum Neutralgrau, niemals absolut. Es kann gar keinen absoluten Weißpunkt geben, weil unser Auge sich ständig anpasst. Näheres dazu finden Sie hier, wo es um die Farbbeurteilung am Monitor geht.

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: Juni 2011

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