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DisplayCAL und ArgyllCMS

Anspruchsvolle Monitorkalibrierung und -profilierung auch mit billigen Colorimetern

Hinweis: Der Programmname DispCalGUI wurde kürzlich in DisplayCAL geändert.

ArgyllCMS ist eine universelle Farbmanagement-Software mit allerhand Funktionalität. Argyll selbst ist Kommandozeilen-basiert und umständlich zu benutzen, aber zum Zweck der Kalibrierung/Profilierung von Monitoren steht die grafische Benutzeroberfläche DisplayCAL zur Verfügung. Zusammen entsteht ein sehr leistungsfähiges Programm, das mit entsprechender Anleitung auch für Anfänger bedienbar ist und eine hochinteressante Alternative zu den Kalibrierungsprogrammen der Colorimeter-Hersteller bietet. Besonders profitieren die Käufer von Einsteiger-Colorimetern - doch sogar manche Käufer teurerer Colorimeter-Pakete ziehen DisplayCAL der mitgelieferten Software vor.

Colorimeter auf Messfenster

Zugegeben: Die Installation und Konfiguration der benötigten Komponenten für DisplayCAL ist etwas holpriger als bei den Kalibrierungsprogrammen der Colorimeter-Hersteller, aber mit der Schritt-für-Schritt-Anleitung auf dieser Seite sollte es zu schaffen sein.

ArgyllCMS und DisplayCAL sind übrigens Open Source und kostenlos (wobei freiwillige Spenden an die Programmierer gern angenommen werden).

Wenn man ein möglichst preiswertes Colorimeter für die Verwendung mit DisplayCAL kaufen will, sind Spyder 4 Express oder Spyder 5 Express die naheliegende Wahl.

In der folgenden Anleitung gehe ich primär von Spyder 4 Express aus. Mit Spyder 4 Pro/Elite sowie mit Spyder 5 Express/Pro/Elite funktioniert es praktisch genauso.

DisplayCAL lässt sich auch mit fast allen anderen Colorimetern benutzen. Ich kann keine exakte Anleitung für sämtliche Geräte liefern, aber weise darauf hin, wo die Einstellungen für andere Geräte abweichen können.

Diese Anleitung bezieht sich auf die Windows-Version von DisplayCAL. Das Programm gibt es auch für Linux und MacOS; dort mag der eine oder andere Schritt etwas abweichen.

Teil1: Installation aller Komponenten für DisplayCAL

- System von alter Software säubern

- DisplayCAL installieren

- ArgyllCMS herunterladen

- Treiber installieren

- Korrekturdaten installieren

- Grundeinstellungen vornehmen

Teil 2: Kalibrierung und Profilierung eines Monitors

- Kalibrieren und/oder profilieren?

- Einstellungen für Anzeige- und Messgerät

- Kalibrierungseinstellungen

- Profilierungseinstellungen

- Ablauf der Messprozedur

Teil 3: Nach der Kalibrierung/Profilierung

- Monitor-Farbmanagement testen

- Zusatzoptionen in DisplayCAL

- Noch Fragen?

Teil 1: Installation aller Komponenten für DisplayCAL

Wie schon gesagt, ist die Installation von DisplayCAL und der nötigen Zusatzkomponenten kein Selbstläufer. Zwar wird auf der DisplayCAL-Seite eine automatische Installation mittels "Zero Install" angeboten, aber diese funktioniert nicht immer zuverlässig - und nach einem missglückten Versuch steht man erst recht hilflos da. Daher rate ich zur Installation der Einzelkomponenten.

System von alter Software säubern

Wenn Sie die Spyder-Software noch nie installiert hatten (z. B. wenn Sie gleich mit DisplayCAL einsteigen), können Sie diesen Abschnitt überspringen.

Ansonsten empfehle ich dringend, die Spyder-Software jetzt zu deinstallieren, um Wechselwirkungen mit DisplayCAL vorzubeugen. (Die Profile, die Sie mit der Spyder-Software erstellt haben, gehen mit der Deinstallation nicht verloren. Sie können diese Profile auch später noch nutzen oder zu Vergleichszwecken heranziehen.)

Leider wird der Treiber des Spyder-Colorimeters bei der Deinstallation nicht automatisch mit entfernt. Das müssen Sie manuell nachholen: Stecken Sie das Colorimeter zunächst an einen USB-Port, damit es vom Betriebssystem erkannt wird. Öffnen Sie jetzt in der Systemsteuerung den Gerätemanager und suchen Sie dort den Eintrag für den Spyder; Sie finden ihn meist unter "USB-Controller". Klicken Sie nun mit der rechten Maustaste auf den Eintrag "Datacolor Spyder4" und wählen Sie "deinstallieren".

Im jetzt geöffneten Fenster kreuzen Sie das Kästchen an "Die Treibersoftware für dieses Gerät löschen" und klicken auf "Okay".

Ziehen Sie danach den Stecker des Colorimeters aus der USB-Buchse. Jetzt ist Ihr System frei vom originalen Spyder-Treiber.

Mit Spyder 3 und Spyder 5 funktioniert die Deinstallation des Treibers in gleicher Weise wie mit Spyder 4. Auch für einige andere Colorimeter muss der Treiber deinstalliert werden.
Ausnahmen sind ColorMunki Display, i1 Display Pro, Huey, ColorHug, Specbos und K-10: Für diese Messgeräte wird statt des speziellen Argyll-Treibers der normale Treiber des Herstellers verwendet. Wenn Sie eines dieser Geräte benutzen, sollten Sie den Herstellertreiber an dieser Stelle also nicht entfernen.

DisplayCAL installieren

Nun laden Sie bitte DisplayCAL herunter. Nehmen Sie die Standalone-Version für Windows und dort den "Installer".

Die eigentliche Installation erklärt sich fast von selbst.

Zusätzliche Aufgaben

Wenn Sie gefragt werden, wie Sie die Kalibrierung beim Anmelden laden wollen, empfehle ich die sichere Variante "DisplayCAL Profil-Lader" - obwohl die Variante übers Betriebssystem in der Regel auch funktionieren würde.

ArgyllCMS herunterladen

Wenn Sie DisplayCAL erstmals öffnen, versucht das Programm, ArgyllCMS auf der Festplatte zu finden. Wird es nicht gefunden, erhalten Sie diesen Hinweis:

Argyll herunterladen

Klicken Sie nun auf "Herunterladen". ArgyllCMS wird dann vollautomatisch heruntergeladen und installiert.

Falls das automatische Runterladen aus irgendeinem Grund nicht klappt (z. B. wenn Sie an dem betreffenden Computer keinen Internetzugang haben), können Sie Argyll auch vorab von dieser Seite herunterladen. Wählen Sie passend zu Ihrem Windows-System die 32-Bit-Version oder die 64-Bit-Version. Was Sie da herunterladen, ist eine Zip-Datei, die einen Ordner mit dem Namen "Argyll" (ergänzt durch die Versionsnummer) enthält. Kopieren Sie diesen Ordner an einen Ort Ihrer Wahl auf Ihrer Systemfestplatte, z. B. direkt ins Root-Verzeichnis (C:\).
Beim Start von DisplayCAL sollte ArgyllCMS dann automatisch gefunden werden. Ansonsten bekommen Sie die obige Meldung und können dann auf "Durchsuchen" klicken, um das Verzeichnis manuell anzuwählen. Konkret müssen Sie das Unterverzeichnis "bin" innerhalb des Argyll-Ordners angeben, damit die Argyll-Komponenten erkannt werden.
Wenn die Aufforderung nicht von selber kommt, wählen Sie im Menü Datei > Argyll-CMS-Programmverzeichnis festlegen....

Treiber installieren

Jetzt ist es Zeit, den Argyll-kompatiblen Treiber für das Colorimeter zu installieren, nachdem Sie ggfs. den originalen Spyder-Treiber entfernt haben (siehe oben "System von alter Software säubern").

Der Argyll-Spyder-Treiber ist nicht offiziell von Microsoft signiert. Unter Windows 7 müssen Sie lediglich während der Installation bestätigen, dass Sie den nicht signierten Treiber verwenden wollen. Unter Windows 8/10 ist die Prozedur etwas komplizierter: Sie müssen Windows zuerst neu starten und dabei in einen speziellen Modus versetzen, der die Installation unsignierter Treiber erlaubt.

Gehen Sie in DisplayCAL in das Menü Werkzeuge > Argyll CMS Messgeräte-Treiber installieren.... Kreuzen Sie "Geräte-Manager starten" an und klicken Sie auf "Okay".

Unter Windows 7 beginnt nun direkt die Treiberinstallation. Unter Windows 8 und 10 erhalten Sie zunächst eine Meldung, die den weiteren Installationsprozess erklärt:

Treiberinstallation Erklär-Fenster

Schreiben Sie sich am besten die wichtigsten Punkte aus dieser Anweisung auf oder laden Sie sie als PDF-Datei zum Ausdrucken herunter, da das Erklär-Fenster während der folgenden Prozedur nicht mehr zu sehen sein wird. Klicken Sie erst dann auf "OK".

Nach dem so erzwungenen Neustart des Betriebssystems öffnen Sie wieder DisplayCAL und gehen erneut in das Menü Werkzeuge > Argyll CMS Messgeräte-Treiber installieren...Kreuzen Sie "Geräte-Manager starten" an und und klicken Sie auf "OK". Damit starten Sie nun tatsächlich die Treiberinstallation.
Wahrscheinlich erhalten Sie noch eine weitere Warnung und Nachfrage, ob Sie den unsignierten Treiber installieren wollen. Natürlich wollen Sie das.

Im Geräte-Manager, der sich nach der Treiberinstallation öffnet, sehen Sie erst mal nichts.

Schließen Sie jetzt Ihren Spyder 4 am USB-Port an. Es läuft eine automatische Erkennung ab, die etwas dauern kann.

Danach entsteht ein neuer Eintrag im Gerätemanager für den zu Argyll gehörenden Spyer-4-Treiber. Damit haben Sie die Bestätigung, dass die Treiberinstallation erfolgreich war.

Treiber im Gerätemanager

Wenn Sie nun DisplayCAL schließen und erneut öffnen, sollte auch "Spyder 4" unter "Messgerät" angezeigt werden.

Mit Spyder 3 und Spyder 5 funktioniert es genauso wie mit Spyder 4. Dasselbe gilt für andere Colorimeter, für die spezielle Argyll-Treiber zur Verfügung stehen.

Wenn Sie ColorMunki Display, i1 Display Pro, Huey, ColorHug, Specbos oder K-10 verwenden, ist für Ihr Gerät keine Installation eines speziellen Argyll-Treibers nötig. Allerdings müssen Sie in diesem Fall den jeweiligen Originaltreiber des Herstellers installieren - sofern das nicht bereits früher mit Installation der Originalsoftware erledigt wurde.

Korrekturdaten installieren

Colorimeter brauchen prinzipbedingt zwei Sorten Korrekturdaten, um optimal zu messen: eine Korrektur für die Eigenschaften des Colorimeters sowie eine Korrektur für den verwendeten Monitor bzw. dessen Hintergrundbeleuchtung.
Die Korrekturdaten fürs Messgerät bringt der Spyder 4 bereits selber mit.
Korrekturdaten für die gängigsten Monitor-Typen werden mit der Spyder-Software geliefert und sollten daraus extrahiert werden, damit wir sie auch mit ArgyllCMS/DisplayCAL verwenden können.

Am schnellsten kommen Sie an diese Daten, indem Sie die mit dem Spyder 4 Express gelieferte Installations-CD einlegen. (Sollte sich automatisch das Installationsprogramm öffnen, müssen Sie es gleich wieder schließen oder abbrechen.)
Alternativ, z. B. wenn Sie die CD verlegt haben, oder wenn der verwendete Computer kein optisches Laufwerk hat, können Sie auch das Installationsprogramm von den Datacolor Support-Seiten herunterladen.

Gehen Sie jetzt in DisplayCAL ins Menü Werkzeuge > Colorimeter-Korrekturen von anderer Anzeigegeräteprofilierungs-Software importieren.... Kreuzen Sie hier nur den dritten Eintrag "Spyder 4/5" an und klicken Sie auf "Datei auswählen".

Korrekturdaten extrahieren

Wenn Sie von der CD importieren, gehen Sie in das Verzeichnis "Data". Wenn Sie die Installationsdatei einzeln heruntergeladen haben, gehen Sie in das entsprechende Download-Verzeichnis auf Ihrer Festplatte. In beiden Fällen öffnen Sie bitte die Datei "Setup.exe".

Keine Sorge: Es wird jetzt nicht etwa das Setup der Spyder-Software ausgeführt, sondern DisplayCAL extrahiert aus dieser Installationsdatei lediglich die benötigten Korrekturdaten. Wenn alles geklappt hat, gibt es zum Abschluss eine Bestätigung.

In DisplayCAL unter "Modus" (rechts neben "Messgerät") sollten jetzt neben den generischen Korrekturen auch insgesamt fünf neu importierte Einträge vorhanden sein.

Auch für einige andere Colorimeter stehen Korrekturdaten des Herstellers zur Verfügung und können in ähnlicher Weise importiert werden. Je nach Hersteller und Art der Korrekturen stehen diese dann entweder unter "Modus" oder unter "Korrektur" zur Auswahl.

Wenn für Ihr Gerät keine herstellerseitigen Korrekturdaten angeboten werden (das ist bei älteren Geräten wie z. B. Spyder 3 der Fall), können Sie nur mit der generischen Korrektur arbeiten, die etwas weniger genau ist.

Man kann auch mit Hilfe eines Spektralphotometers eigene Korrekturdaten für den individuellen Monitor ermitteln. Aber das dürfte für die meisten Nutzer nicht in Frage kommen.

Grundeinstellungen vornehmen

DisplayCAL unterstützt so ziemlich alle Funktionen, die in ArgyllCMS rund um die Monitorkalibrierung zur Verfügung stehen - und das sind einen ganze Menge. Dementsprechend umfangreich sind die Einstellmöglichkeiten und Zusatzfunktionen. Es gibt einen zunächst eingestellten Standardmodus sowie einen erweiterten Modus unter Optionen > Erweiterte Optionen zeigen. Bitte aktivieren Sie diese "Erweiterten Optionen" jetzt gleich - auch wenn das Programm dadurch erst mal noch unübersichtlicher wird.

Wenn es Ihnen so geht wie mir und Sie der Ton beim Start des Programms nervt, können Sie ihn unter Optionen > Start-Klang aktivieren abschalten.

Damit ist ArgyllCMS/DisplayCAL vollständig installiert und voreingestellt.

 

Teil 2: Kalibrierung und Profilierung eines Monitors

Das Hauptfenster von DisplayCAL ist in mehrere Tabs unterteilt:
Unter " Anzeige- und Messgerät" wird der zu vermessende Monitor ausgewählt (falls es mehrere gibt), und es werden Einstellungen für das Colorimeter vorgenommen.
Unter "Kalibrierung" finden sich die Einstellungen für die Kalibrierung; dazu gehören die messgerätegestützte Voreinstellung des Monitors sowie die Erzeugung von Korrekturdaten für die LUT der Grafikkarte.
Unter "Profilierung" folgen alle Einstellungen, die die Erzeugung der eigentlichen Profildaten betreffen sowie die Festlegung des Profilnamens.
Unter "Überprüfung" kann man Vorgaben für eine abschließende Messung des Zustandes nach erfolgreicher Kalibrierung und Profilierung machen.
"3D LUT" ist eine Spezialoption und interesiert uns im Rahmen dieser Anleitung nicht.

Einstellungen Anzeige- und Messgeräte

Ich gebe für jeden wichtigen Punkt Empfehlungen sowie kurze Erklärungen, wann und warum man ggfs. von der Empfehlung abweichen sollte.
Die Einstellungen, die ich in dieser Anleitung nicht ausdrücklich erwähne, können Sie getrost auf der Vorgabe stehen lassen. Wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihre Einstellungen noch den Vorgaben entsprechen (z. B. wenn Sie bereits früher mit den Einstellungen herumgespielt haben), gehen Sie einfach ins Menü auf Optionen > Standardeinstellungen wiederherstellen.

Ich beschränke mich hier bewusst auf die für normale Monitorkalibrierungen/-profilierungen entscheidenden Punkte - damit die Anleitung nicht noch umfangreicher wird, als sie aufgrund manch detaillierter Erklärung ohnehin schon ist. Wer sich für die weitergehende Funktionalität interessiert, möge sich mit der offiziellen DisplayCAL-Anleitung (nur auf Englisch) auseinandersetzen.

Im oberen Bereich des DisplayCAL-Hauptfensters finden Sie unter "Einstellungen" eine Reihe von Vorgaben für gängige Anwendungsszenarien. Wir werden im Rahmen dieser Anleitung keine davon nutzen, sondern die Einstellungen einzeln vornehmen.
Allerdings können Sie jederzeit Ihre eigenen Einstellungen unter eigenem Namen abspeichern. Außerdem legt DisplayCAL automatisch nach jeder abgeschlossenen Kalibrierung/Profilierung einen Eintrag unter dem Namen des erstellen Profils ab. So lassen sich einmal benutzte Einstellungen leicht wiederherstellen, z. B. wenn Sie nach einiger Zeit die Kalibrierung/Profilierung wiederholen möchten.

Kalibrieren und/oder profilieren?

Bevor man die Prozedur startet, sind ein paar Gedanken darüber nötig, was eigentlich gemacht werden soll: Man kann "kalibrieren & profilieren" oder "nur profilieren".

Im Regelfall wird man kalibrieren & profilieren: Der Bildschirm wird in einem ersten Schritt systemweit auf einen bestimmten Weißpunkt, eine bestimmte Helligkeitsverteilung und auf eine saubere Grauabstufung kalibriert. (Die Kalibrierungsdaten werden später bei jedem Systemstart in die LUT der Grafikkarte geladen.) Im zweiten Schritt wird der kalibrierte Bildschirm profiliert, d. h. sein Ist-Zustand nach der Kalibrierung vermessen. (Die so entstandenen Profildaten nutzen dann die farbmanagement-fähigen Programme, um Farben korrekt darzustellen.)
Beide Datensätze, also Kalibrierungsdaten und Profildaten, werden am Ende der Prozedur gemeinsam in eine Profildatei geschrieben.

Wenn Sie mit der Thematik noch nicht vertraut sind, empfehle ich als Einstieg den Artikel über Monitorkalibrierung.

Nur zu profilieren kann in zwei Fällen angezeigt sein: wenn der Monitor bereits "hardwarekalibriert" oder "werkskalibriert" ist und nur noch ein Profil ohne wirksame Kalibrierungsdaten benötigt wird, oder wenn die Kalibrierung aus anderen Gründen vermieden werden soll (z. B. bei Notebooks, deren Grafikkarte im Ruhezustand die Kalibrierungsdaten verliert).

Nur zu kalibrieren ergibt wenig Sinn, denn mit einer Kalibrierung allein bekommt man noch keine korrekten Farben. Deshalb ist diese Option in neueren Versionen von DisplayCAL gar nicht mehr vorhanden.

Auf jeden Fall ist das Profilieren der wichtigere Schritt. Das Kalibrieren ist - unter bestimmten Umständen und ggfs. unter Inkaufnahme von Ungenauigkleiten - entbehrlich.

Falls Sie nicht kalibrieren wollen, müssen Sie unter "Kalibrierungseinstellungen" die Tonwertkurve auf "wie gemessen" stellen und die "Interaktive Anzeigegeräte-Einstellung" deaktivieren. Der Start-Button am unteren Rand des DisplayCAL-Hauptfensters ändert dann seine Beschriftung in "Nur profilieren".

Einstellungen für Anzeige- und Messgerät

DisplayCAL kann mehrere angeschlossene Monitore unabhängig voneinander kalibrieren und profilieren. Deswegen können Sie unter Anzeigegerät wählen, welchen Monitor Sie gerade vermessen wollen. (Neben den tatsächlichen Monitoren finden Sie in der Liste noch eine Reihe von Spezialoptionen für exotischere Anwendungen. Die interessieren uns an dieser Stelle nicht.)

Manchmal sind die Monitore an ihren Bezeichnungen nur schwer zu unterscheiden - besonders, wenn Sie zwei typgleiche Modelle im Einsatz haben. Verwechslungen sind trotzdem nahezu ausgeschlossen, weil das Messfenster automatisch auf dem ausgewählten Monitor eingeblendet wird. Spätestens nach Start der Messprozedur würden Sie also merken, wenn Sie den falschen Monitor ausgewählt haben.

Welche Anforderungen an Grafikkarte und Software gestellt werden, um korrektes Farbmanagement auf mehreren Monitoren zu gewährleisten, können Sie hier nachlesen.

Das bereits erwähnte Menü Modus erlaubt die Auswahl eines der Korrekturdatensätze, die wir nach der Installation aus der Spyder-Software importiert hatten. (Wenn Sie Korrekturdaten von einer anderen Software als Spyder 4/5 importiert haben, finden Sie die Korrekturdatensätze möglicherweise nicht unter Modus, sondern unter Korrektur.)

Modus Korrekturdaten

Nun gilt es, die am besten zum Monitor passende Korrektur herauszufinden. Ein Blick in die technischen Daten des Monitors kann dabei hilfreich sein. Für Spyder 4 können die folgenden Anhaltspunkte helfen:

Die Mehrzahl der aktuellen Monitore hat Hintergrundbeleuchtungen auf Basis weißer LEDs. Daher dürfte "LCD (Weiße LED)" für neu gekaufte Monitore in sehr vielen Fällen richtig sein.

Wenn Sie einen etwas älteren Monitortyp mit CCFL-Hintergrundbeleuchtung haben, müssen Sie je nach Farbraum des Panels unterscheiden: Für Monitore mit normalen Farbraum gilt "LCD (CCFL)" und für Monitore mit erweitertem Farbraum gilt "Wide Gamut LCD (CCFL)". Falls Sie mit diesen Korrekturen noch Farbstiche oder andere Ungereimtheiten bemerken, können Sie es stattdessen mit "LCD (CCFL Typ 2)" probieren. (Leider gibt es kaum Informationen, was genau mit "Typ 2" gemeint ist. Eventuell ist es eine Optimierung für energiesparende Hintergrundbeleuchtungen älterer Notebook-Displays.)

Einige sehr hochwertige EBV-Monitore verwenden eine Hintergrundbeleuchtung aus RGB-LEDs. Für solche ist die Korrektur "Wide Gamut LCD (RGB LED)" zuständig.

Wenn Sie gar nicht wissen, was Sie nehmen sollen, können Sie stattdessen "LCD (generisch)" verwenden, was so eine Art Durchschnittskorrektur für allerlei Flachbildschirme ist. Dies entspricht dann in etwa der Messung mit Colorimetern, für die es noch keine feineren Korrekturdaten gibt (z. B. Spyder 3).
Und sollten Sie tatsächlich noch einen Röhrenmonitor verwenden, ist "Refresh (generisch)" die passende Einstellung.

Kalibrierungseinstellungen

Kalibrierungs-Einstellungen

Ist das Kästchen "Interaktive Anzeigegeräte-Einstellung" angekreuzt, geht der automatischen Kalibrierung eine Messgerät-gestützte, manuelle Angleichung von Farben und Helligkeit mit Hilfe der Regler am Monitor voraus. Man sollte die Funktion hier nur deaktivieren, wenn man garantiert keinerlei manuelle Einstellungen machen wird und lieber etwas Zeit sparen will. Ansonsten schadet es nicht, die Funktion eingeschaltet zu lassen.

Es gibt zwei Ansätze zur Kalibrierung: allein auf die automatische Kalibrierung zu vertrauen oder zusätzlich vorab den Monitor mit seinen eigenen Einstellreglern möglichst nah an bestimmte Sollwerte zu bringen. Was besser ist, hängt von der Qualität des verwendeten Monitors ab.

Wenn die Monitor-LUT 10 oder mehr Bit Farbtiefe pro Kanal hat (diese Angabe findet man in den technischen Daten), ist es immer sinnvoll, vor der automatischen Kalibrierung noch mit Hilfe der Monitorregler eine Vor-Kalibrierung vorzunehmen. Je näher die Monitorwiedergabe damit schon ans Soll gebracht wird, desto weniger muss dann noch über die Grafikkarten-LUT (die in der Regel nur in 8 Bit arbeitet) korrigiert werden.

Bei einfachen Monitoren, die intern nur mit 8 Bit oder noch weniger auflösen, ist es hingegen besser, den Monitor auf Werkseinstellung zu setzen und die kompletten Farbkorrekturen über die Grafikkarten-LUT machen zu lassen - selbst wenn sie anfangs weit vom Soll entfernt sind. Denn jeder zusätzliche Konvertierungsschritt bei geringer Farbtiefe erhöht die Gefahr von Tonwertabrissen (Banding).
Das gilt allerdings nicht für die Einstellung der Gesamthelligkeit (Luminanz). Sie wird über die Hintergrundbeleuchtung geregelt und sollte auch bei Billigmonitoren immer direkt am Monitor eingestellt werden.

Der Weißpunkt (in DisplayCAL ist damit nur die Farbe gemeint, nicht die Helligkeit) müsste im Idealfall an die Farbe der Umgebungsbeleuchtung angepasst werden. Allerdings verfügen die wenigsten Anwender über ein konstantes Normlicht in ihrem Arbeitszimmer, so dass die Farbe über den Tag hinweg schwankt und man ohnehin nur innerhalb des Monitorbildes korrekte Farbdarstellung zu erwarten hat (also nicht im Direktvergleich mit der Umgebung - siehe auch Farbbeurteilung am Monitor). Insofern hat es auch wenig Sinn, an dieser Stelle einen ganz bestimmten Weißpunkt als Kalibrierungsziel anzugeben.
Falls man einen Billigmonitor mit extrem kalter nativer Farbtemperatur (8000 K oder mehr) hat, kann man hier zum Ausgleich einen etwas gemäßigteren Tageslicht-Wert (z. B. 6500 K) einstellen, damit sich die Augen beim Blick auf den Monitor nicht so extrem umstellen müssen. Wenn die native Farbtemperatur des Monitors schon unter 7000 K liegt, ist es meist am sinnvollsten, den nativen Weißpunkt des Monitors beizubehalten ("wie gemessen"). Für einfache Monitore und Notebook-Displays ist diese Einstellung sogar bei höherer nativer Farbtemperatur zu empfehlen, weil sie Banding-Probleme reduziert.
Falls man jedoch im Arbeitszimmer über Normlicht verfügt oder eine Normlicht-Box für Papiervorlagen verwendet, sollte man hier die passende Farbe auch für den Monitor vorgeben - z. B. 6500 K für Normlicht D65 oder 5000 K für D50.
Falls man mehrere parallel betriebene Monitore kalibriert, wird man für alle dieselbe Farbtemperatur vorgeben (die aber möglichst nicht zu weit von der nativen Farbtemperatur der Monitore entfernt ist; ggfs. sucht man einen Kompromiss).

Mit der Weißluminanz ist die Helligkeit des Weißpunktes gemeint, also die maximale Helligkeit, die der Monitor mit einer weißen Fläche (RGB-Wert 255/255/255) wiedergibt. Hier sollte man in den allermeisten Fällen "wie gemessen" einstellen, damit keine softwaremäßige Reduzierung der Maximalhelligkeit nötig ist (sie würde den Kontrastumfang des Monitors mindern).
Das heißt aber nicht, dass man den Monitor in maximaler Helligkeit betreiben muss. Natürlich sollte die Monitorhelligkeit visuell an die Raumbeleuchtung angepasst werden - aber bitte mit dem Helligkeitsregler direkt am Monitor.
Die tatsächliche Einstellung der Weißluminanz erledigt man also am besten nicht hier in den Kalibrierungseinstellungen, sondern entweder schon vorab oder, wenn man einen bestimmten gemessenen Zielwert anstrebt, später im Zuge der "Interaktiven Anzeigegeräte-Einstellung". Im Abschnitt "Ablauf der Messprozedur" finden Sie daher noch ausführlichere Erklärungen zu dem Thema.
Lediglich in Ausnahmefällen, z. B. wenn man zwei Monitore auf dem herkömmlichen Weg nicht gut genug in Einklang bringen kann, kann man probieren, schon hier in den Kalibrierungseinstellungen einen festen Wert einzustellen. Dann würde man im Rahmen der Vor-Kalibrierung einen leicht höheren Wert einstellen (um Spielraum zu schaffen) und die letzten Feinheiten der automatischen Kalibrierungsroutine überlassen.

Die Schwarzluminanz ist das Gegenstück zur Weißluminanz, also die dunkelste schwarze Farbe, die der Monitor darstellen kann. Die Schwarzluminanz hängt bei LCD-Bildschirmen von der eingstellten Weißluminanz ab: Da LCDs nicht perfekt lichtundurchlässig sind, werden durch Verstärken der Hintergrundbeleuchtung immer auch die schwarzen Bereiche aufgehellt.
In der Regel will man das Schwarz am Monitor so dunkel wie möglich haben. Daher ist "wie gemesen" (d. h. Übernahme des gemessenen Schwarzwertes) meist die richtige Einstellung. (Aus gemessener Weißluminanz und gemessener Schwarzluminanz lässt sich später übrigens der Kontrastumfang des Monitors berechnen.)
Eine mögliche Ausnahme wäre die Angleichung zweier unterschiedlicher Monitore: Hier könnte man die Schwarzluminanz des besseren Monitors an die des schlechteren Monitors anpassen.

Die Tonwertkurve ist ein Maß für die Helligkeitsverteilung im Bild. Sie ist es, die hauptsächlich über die Helligkeitswahrnehmung der Fotos auf dem Monitor entscheidet. (Die Gesamthelligkeit/Weißluminanz ist dafür gar nicht so wichtig, weil unser Auge sich innerhalb gewisser Grenzen anpasst.)
Allerdings wird die Helligkeitsverteilung auch später noch im Rahmen des Farbmanagements angepasst, weshalb die kalibrierte Tonwertkurve nicht das letzte Wort ist. Sie ist eigentlich nur wichtig für die Helligkeit von Bildern in Programmen, die noch kein Farbmanagement können (z. B. Offce-Programme). Ferner kann es in kritischen Fällen leichte Qualitätsvorteile bringen, wenn man auf die Helligkeitsverteilung des überwiegend verwendeten Arbeitsfarbraumes kalibriert.
Eine gute Universalvorgabe für die Tonwertkurve ist die sogenannte sRGB-Kurve, wie sie im (meistbenutzten) Arbeitsfarbraum sRGB zur Anwendung kommt; damit hat man schon mal die richtige Helligkeit für alle sRGB-Bilder - auch jenseits von Farbmanagement. Wer überwiegend mit AdobeRGB arbeitet, kann über "Benutzerdefiniert" stattdessen ein Gamma von 2,2 einstellen (das sich nur in dunklen Bildbereichen geringfügig von der sRGB-Kurve unterscheidet).
Wer einen Arbeitsfarbraum mit einer anderen Kurve als Gamma 2,2 oder der sRGB-Kurve bevorzugt (z. B. ProPhotoRGB mit Gamma 1,8 oder ECI-RGB v2 mit der L*-Kurve), sollte sich allerdings genau überlegen, ob er das ganze System auf einen so ungewöhnlichen Wert kalibrieren will. Zwar bietet dies theoretisch einen kleinen Vorteil für die Arbeit in diesem Arbeitsfarbraum, aber dafür verschlechtert es die Helligkeitsdarstellung in Office-Programmen und anderer Software, die kein Farbmanagement beherrscht. Meist ist es besser, die Kalibrierung zugunsten der Kompatibilität auf sRGB-Kurve oder Gamma 2,2 zu belassen. Die Bilder in besagtem Arbeitsfarbraum werden ja dort, wo Farbmanagement herrscht, trotzdem noch in korrekter Helligkeitsverteilung dargestellt.

Die Umgebungshelligkeits-Anpassung stellt den Versuch dar, die visuelle Helligkeit der Grauabstufungen unter nicht optimalen Umgebungslichtbedingungen zu optimieren. Zum Beispiel wenn es im Raum im Vergleich zum Monitor relativ hell oder relativ dunkel ist (und sich das nicht ändern lässt bzw. der Helligkeitsregler des Monitors nicht genug Spielraum lässt), wird die Helligkeitsverteilung so angepasst, dass man die Gesamthelligkeit des Bildes trotzem einigermaßen richtig wahrnimmt. Hierzu muss die Umgebungshelligkeit (in der Einheit Lux) vorgegeben werden.

Hat man ein Colorimeter mit Umgebungslicht-Sensor, kann man den Lux-Wert durch Klick auf das Pipetten-Symbol messtechnisch bestimmen. Alternativ kann man zur Messung auch nach dieser PDF-Anleitung einen gewöhnlichen Belichtungsmesser verwenden.

Die ganze Umgebungslicht-Anpassung ist jedoch nur eine Behelfsmethode (die zu Zeiten der Röhrenmonitore wichtiger war als mit den heutigen LCD-Bildschirmen). Wo es möglich ist, sollte man lieber die Weißluminanz des Monitors visuell an die Umgebungshelligkeit angleichen - siehe Abschnitt "Ablauf der Messprozedur" weiter unten. Die Umgebungshelligkeits-Anpassung ändert dann an der Kalibrierung kaum noch etwas - oder kann gleich deaktiviert bleiben.

Der Regler Kalibrierungsgeschwindigkeit gibt grob vor, wieviele Farb- und Graustufenfelder für die Kalibrierung vermessen werden. Das wirkt sich auf die Gesamtdauer der Prozedur aus. "Hoch" ist ein guter Standardwert. "Sehr hoch" bringt eine kleine Verschlechterung der Genauigkeit, aber verkürzt dafür die Kalibrierungsdauer. Die Einstellungen "Mittel" und "Niedrig" lohnen nicht; sie verlängern die Kalibrierung erheblich und bringen kaum mehr Qualität.

Profilierungseinstellungen

Profilierungs-Einstellungen

Der Profiltyp bestimmt den internen Aufbau des Profils. Es gibt die zwei Grundtypen "Matrix" und "LUT", von denen DisplayCAL dann noch Untertypen unterscheidet. LUT-Profile sind genauer als Matrix-Profile, aber auch deutlich größer und nicht mit allen Anwendungsprogrammen kompatibel.
Standardmäßig verwendet DisplayCAL mit "XYZ LUT + Matrix" ein Kombi-Format, das beide Profiltypen vereint: Wenn die Software mit LUT-Profilen zurechtkommt, wird das LUT-Profil genutzt; für andere gibt es ein Matrix-Profil als Fallback. Leider kann das dazu führen, dass Bilder nicht mehr in allen farbmanagementfähigen Programmen ganz gleich dargestellt werden - was bei Anwendern zu Verwirrung führen kann.
Daher empfehle ich für universelle Nutzung als Monitorprofil eher die Einstellung "Kurven + Matrix". Sie ergibt ein reines Matrix-Profil, das mit allen farbmanagementfähigen Programmen in gleicher Weise zusammenarbeitet.

Die Tiefenkompensierung verhindert ein Absaufen sehr dunkler Bildbereiche, kann aber die Farbgenauigkeit in diesen dunklen Bereichen mindern. Im Allgemeinen ist diese Option für Matrixprofile (siehe "Profiltyp") nützlich und sollte aktiviert werden. Man kann sie abschalten, wenn man tatsächlich Farbprobleme in dunklen Bereichen beobachtet.

Die Profilqualität bestimmt, wie detailliert und ausgefeilt die Korrekturkurven des Profils werden. Im Fall von Matrixprofilen (siehe "Profiltyp") hat diese Einstellung relativ wenig Einfluss auf die Gesamtdauer der Prozedur; von daher kann man sie ruhig auf "Hoch" stehen lassen.

Einen Profilnamen kann man auf zweierlei Art vergeben: fix oder mit Hilfe von Variablen.
Standardmäßig gibt DisplayCAL eine Abfolge von Variablen vor, die dann automatisch einen eindeutigen (aber langen und unübersichtlichen) Namen ergeben. Durch Klick auf das Glühbirne-Symbol werden die möglichen Variablen aufgezählt, so dass man die Vorlage passend verändern kann.
Ich finde es allerdings viel einfacher, für jede Kalibrierung/Profilierung manuell einen Namen ganz ohne Variablen einzugeben, z. B. den Herstellernamen und ggfs. die Nummer des Monitors, gefolgt von Jahr und Monat der Messung.

Ablauf der Messprozedur

Bevor Sie die Messprozedur starten, stellen Sie bitte sicher, dass Ihr Monitor vorbereitet ist: Besonders wichtig ist, alle "dynamischen" Funktionen, die der Monitor eventuell bietet (dynamischer Kontrast, Farbverbesserung und dergleichen) komplett abzuschalten. Wenn es mehrere Farbmodi gibt, ist meist der "benutzerdefinierte" der Richtige. Die Farbeinstellungen sollten auf neutrale Werte gebracht oder auf Werkseinstellung zurückgesetzt werden. Nur die Gesamthelligkeit/Luminanz (d. h. die Helligkeit der LCD-Hintergrundbeleuchtung) können Sie schon mal auf einen passenden Wert bringen - so dass Sie bei der typischen Umgebungsbeleuchtung in Ihrem Arbeitsraum angenehm arbeiten können, also das Monitorbild gut erkennen, aber noch nicht als grell empfinden.

Nach Klick auf die Schaltfläche "Kalibrieren und profilieren" bzw. "Nur profilieren" verschwindet das eigentliche DisplayCAL-Fenster und startet die Messprozedur.

Messfenster

Das Messfenster, auf das das Colorimeter aufgesetzt wird, lässt sich in der Größe verändern und frei am Bildschirm platzieren. Im Normalfall ist die Mitte des Bildschirms ein guter Platz, weil die Eigenschaften zu den Monitorrändern hin etwas abweichen können.
Hat man das Kästchen "Interaktive Anzeigegeräte-Einstellung" angekreuzt und möchte man vor der Vor-Kalibrierung Gebrauch machen (ausführliche Erklärung siehe oben), benötigt man während der Messung Zugriff auf die Menüeinstellungen des Monitors. An den meisten Monitoren kann man das Menü seitlich/unten platzieren, so dass es nicht den Messbereich für das Colorimeter überdeckt. Falls das nicht geht, muss man behelfsweise den Messbereich des Colorimeters etwas außermittig verschieben.
Am besten neigt man den Bildschirm während der Kalibrierung/Profilierung etwas nach hinten, damit das Colorimeter gut aufliegt. Der Raum muss nicht ganz abgedunkelt werden, aber das Raumlicht sollte zumindest gedämpft sein, um Fremdlicht-Einflüsse zu minimieren.

Das Kästchen "Schwarzer Hintergrund", das den Rest des Monitors abdunkelt, würde ich dennoch nicht aktivieren; das Schwarz verdeckt sonst sogar die benötigten Einstellfenster (und ist insofern eine Fehlkonstruktion). Wenn Sie den Einfluss der anderen Monitorfarben aufs Ergebnis minimieren möchten, vergrößern Sie lieber das Messfenster, so dass es einen weiteren Teil der Bildschirmfläche einnimmt.

Nach Klick auf "Messung starten" die Kalibrierung mit der Interaktiven Anzeigegeräte-Einstellung (wenn diese nicht schon vorab deaktiviert wurde). Dazu öffnet sich ein weiteres Fenster mit Balkenanzeigen für RGB-Werte und Weißluminanz. Auch dieses Fenster kann man am Monitor verschieben.

Interaktive Anzeigegeräte-Einstellung
Man muss hier nochmal auf "Messung starten" klicken; dann beginnt eine kurze Abfolge vorbereitender Messungen, nach deren vorläufigem Abschluss die Ist-Werte präsentiert werden. Die Messung wird von da an alle paar Sekunden erneuert, was jedesmal mit einem (abschaltbaren) Piep quittiert wird.

Interessant ist zunächst der aktuelle Wert für die Weißluminanz (repräsentiert vom untersten, farblosen Balken). Das Einstellungsfenster zeigt Ihnen den aktuellen Wert in der Einheit cd/m² (Candela pro Quadratmeter). Haben Sie die Monitorhelligkeit schon vorab nach Gefühl anhand der Raumhelligkeit gut eingestellt, dient die Angabe im Einstellungsfenster lediglich Ihrer Information.
Es gibt aber Situationen, wo Sie auf einen bestimmten Zielwert hinauswollen: wenn ein Normlicht-Kasten mit bekannter Helligkeit verwendet wird, wenn die Raumhelligkeit konstant ist und vorab gemessen wurde oder wenn zwei parallel betriebene Monitore auf die gleiche Helligkeit gebracht werden müssen. Dann ist jetzt die Zeit gekommen, so lange an der Helligkeitseinstellung des Monitors zu drehen, bis der gewünschte Wert einigermaßen erreicht wird. Mit "Helligkeitseinstellung" meine ich den Regler, der die interne Hintergrundbeleuchtung des Flachbildschirmes dimmt. Meist ist dies eine Menü-Einstellung namens "Helligkeit" oder "Brightness". Es gibt aber Monitorhersteller, deren Menü-Bezeichnungen sich an die Konvention alter Röhrenmonitore anlehnen, wo "Helligkeit" noch für die Helligkeit des Schwarzpunktes stand. In dem Fall wird der tatsächlich gesuchte Regler vielleicht "Hintergrundbeleuchtung", "Hintergrundlicht" oder "Backlight" heißen. Probieren Sie es einfach aus. Es ist nicht schwer zu unterscheiden, ob ein Regler nur den Kontrast am unteren Ende verringert (d. h. bei Erhöhung das Schwarz ins Graue verschiebt) oder wirklich die technische Gesamthelligkeit verändert.
Für die Helligkeitswahrnehmung des Bildes ist die Gesamthelligkeit übrigens nicht entscheidend (siehe auch Hinweise zu "Tonwertkurve" weiter oben). Die Helligkeit des Monitors sollte allerdings ungefähr zur Umgebungshelligkeit passen, damit die Augen sich nicht dauernd umstellen müssen. In einem Raum mit stark gedämpftem Licht können 60 bis 80 cd/m² gerade richtig sein, während in einem Zimmer mit hohem Tageslicht-Anteil selbst 300 cd/m² noch zu wenig sein können. (Sehr helle Räume sind für Bildbearbeitung generell ungeeignet.)

Wenn Sie die Monitorhelligkeit gut ans Umgebungslicht anpassen wollen, aber Ihren Augen nicht ganz trauen und lieber mit Messwerten arbeiten, ermitteln Sie zunächst die Umgebungs-Lichtstärke in Lux (siehe Abschnitt Umgebungslicht-Anpassung weiter oben) und teilen diesen Wert als grobe Faustregel durch Vier. Zum Beispiel bei 400 Lux gemessener Umgebungslicht-Helligkeit würden Sie versuchen, die Monitor-Weißluminanz ungefähr auf 100 cd/m² zu bringen.

Es gibt eine Empfehlung aus der Druckbranche, Arbeitsräume fensterlos zu gestalten und auf das Ziel 120 cd/m² hin auszuleuchten. Richtet man die Beleuchtung eigens für Bildbearbeitung ein, kann man sich an dieser Empfehlung orientieren - und in der Folge auch die Monitorhelligkeit auf diesen Wert bringen. So einfach und universell messen, wie uns die Hersteller von Colorimetern mit "Umgebungslichtsensor" das weismachen wollen, kann man die Raumhelligkeit allerdings nicht. Man muss sich ja nur mal überlegen, dass allein der Winkel, in dem man eine reflektive Vorlage unters Licht hält, seine Helligkeit beeinflusst. Die Einrichtung einer wirklich normgerechten Arbeitsbeleuchtung erfordert also etwas mehr Know How als den bloßen Einbau einer Normlicht-Lampe und die Bestimmung von deren Helligkeit. Das nur nebenbei.
Solange das Licht im Raum nicht konstant ist (was wohl auf die Mehrzahl der Arbeitsräume zutrifft, besonders im Hobby-Bereich), muss man einen Kompromiss finden - oder die Helligkeitseinstellungen je nach Tageszeit anpassen. Zum Glück ändert sich die Farb- und Kontrastdarstellung eines modernen White-LED-Monitors durch Variieren der Gesamthelligkeit kaum noch; man verliert also in der Praxis nicht wesentlich an Genauigkeit, wenn man die Helligkeit gelegentlich etwas abweichend von dem Wert einstellt, unter dem die Kalibrierung ursprünglich stattgefunden hatte.

Wenn Sie den Weißpunkt (Farbtemperatur) nativ belassen ("wie gemessen") und/oder an einem einfachen Monitor die Kalibrierung ganz der Automatik überlassen wollen, sind Sie an dieser Stelle schon fertig mit den manuellen Voreinstellungen. Die Anzeigen der drei RGB-Balken können und sollen Sie dann ignorieren. (Die Balken sind im Fall von "nativem" Weißpunkt sogar irreführend, weil sie eine Abweichung zu einem Zielwert darstellen, den es gar nicht gibt.)
Wenn Sie jedoch auf eine bestimmte Farbtemperatur vor-kalibrieren wollen (siehe Hinweise unter "Kalibrierungseinstellungen"), müssen Sie jetzt versuchen, die drei RGB-Balken in die Mitte zu bekommen.
Als ersten Schritt können Sie schauen, ob Ihr Monitor-Menü eine Voreinstellung für verschiedene Farbtemperaturen hat. Nehmen Sie diejenige, die Ihrem Zielwert am nächsten kommt oder mit der die drei RGB-Balken der Mitte schon am nächsten sind.
Zuständig für den Weißpunkt-Abgleich sind im Monitormenü Regler namens "RGB", "Gain", "Verstärkung" oder "Zuwachs". Jeder Hersteller nennt sie etwas anders, aber es ist immer ein Set aus genau drei Reglern für Rot, Grün und Blau (keine Einzelregler und auch keine 6-Achs-Korrekturen - die braucht man für ganz andere Zwecke).
Die Anzeige in DisplayCAL ist sehr empfindlich und reagiert schon auf kleinste Änderungen der Einstellung; eine huntertprozentige Mittelstellung werden Sie daher nicht hinkriegen, aber eine gute Annäherung. Es macht übrigens nichts, wenn Ihre RGB-Regler am Monitor anfangs alle auf 100 % stehen und ein einzelner Kanal in der Anzeige links von der Mitte: Durch Reduzieren der beiden anderen Kanäle gleicht sich das wieder aus.

Wenn Sie mit Ihrer Einstellung soweit zufrieden sind, können Sie auf "Messung stoppen" klicken und anschließend auf "Weiter zur Kalibrierung".

Jetzt beginnt der langwierigste Teil der Messung - der aber am wenigsten Erklärung benötigt, weil er völlig selbstständig abläuft.

DisplayCAL bzw. ArgyllCMS betreibt eine sehr sorgfältige Messung und verifiziert die Ergebnisse zwischendurch. So kommt man am Ende recht nah an die Sollwerte der Kalibrierung heran, aber es braucht halt seine Zeit. Unter Nutzung der obigen Einstellungs-Empfehlungen kann die Prozedur insgesamt fast eine Stunde dauern. Die genaue Dauer hängt auch vom verwendeten Messgerät ab; hochwertige Colorimeter messen schneller als billige/alte Modelle.

Ist die Messprozedur komplett beendet, erhalten Sie eine Erfolgsmeldung mit einigen zusätzlichen Informationen zum Ergebnis.

Prozedur abgeschlossen

Durch Klick auf das Kästchen "Profilinformationen zeigen" bekommen Sie sogar eine ausführliche Auflistung der Profileigenschaften inklusive grafischer Darstellung.

Sie können nun entscheiden, ob das soeben erstellte Profil gleich in Windows als Monitorprofil installiert werden soll oder nicht.

Teil 3: Nach der Kalibrierung/Profilierung

Eigentlich sollte nach der Kalibrierung/Profilierung alles erledigt sein. Aber manchmal sind doch noch ein paar Fragen offen.

Monitor-Farbmanagement testen

Nach Abschluss der Prozedur sollte man zunächst überprüfen, ob das neue Monitorprofil wirklich korrekt in den Windows-Farbeinstellungen installiert und dem Monitor zugeordnet wurde.

Man kann außerdem testen, ob die Kalibrierungsdaten beim Systemstart korrekt geladen werden - und ob sie danach auch nicht mehr verloren gehen, z. B. nach einem Standby oder Ruhezustand (falls man diese Möglichkeiten im Alltag nutzt).
Der mitinstallierte Loader ("DisplayCAL Profile Loader" in der Autostart-Gruppe) ist zwar ständig im Hintergrund aktiv und verspricht, die Kalibrierungsdaten bei Verlust immer wieder neu in die LUT der Grafikkarte zu schreiben, aber ein kritischer Test kann dennoch nicht schaden.

Man kann auch testen, welche Programme tatsächlich Farbmanagement verwenden und vom Monitorprofil Gebrauch machen - denn nur in solchen Programmen bekommt man die korrekte Farbwiedergabe.

Eine ausführliche Beschreibung verschiedener Tests finden Sie im Artikel uber die Windows-Farbverwaltung.

Zusatzoptionen in DisplayCAL

Wie schon erwähnt, hat DisplayCAL einen sehr großen Funktionsumfang. Ganz viele Möglichkeiten, die über eine alltägliche Kalibrierung/Profilierung des Monitors hinausgehen, wurden in obiger Anleitung nicht berücksichtigt. Für weitergehende Ansprüche verweise ich auf die DisplayCAL-Anleitung sowie die ArgyllCMS-Anleitung (beide in Englisch).

Noch Fragen?

Auch das wurde schon mehrfach gesagt: Eine gewinnbringende Nutzung der Monitorkalibrierung/-profilierung setzt Grundkenntnisse in Sachen Farbmanagement voraus. Besonders wichtig ist, dass man das Basisprinzip von ICC-Farbmanagement (ständige Farb-Umrechnung) sowie den Unterschied zwischen Kalibrierung und Profilierung begriffen hat; ohne diese Kenntnise lauern in der Praxis jede Menge Anwendungsfehler.

Als ersten Einstieg empfehle ich den Artikel über Monitorkalibrierung. Für eine tiefergehende Beschäftigung mit dem Thema gibt es Farbmanagement für Hobbyfotografen.

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: Februar 2016

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