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Mögliche Probleme im Umgang mit Websites

Seit Jahren raten Farbmanagement-Experten den Webdesignern, ihre Bilder und übrigen Seitenelemente in sRGB anzulegen. Dies folgt der Empfehlung, die das World Wide Web Consortium bereits 1996 herausgegeben hat:
"We propose that all page elements defined in the style sheets be assumed to be in the sRGB color space unless embedded ICC profiles indicate otherwise."
("Wir schlagen vor, dass für alle in den StyleSheets definierten Seitenelemente der sRGB-Farbraum angenommen wird, solange nicht eingebettete Profile etwas Anderes festlegen.") [Ganzer Artikel]

Wird nun Farbmanagement eingeführt, sollte laut obiger Regel nicht nur Profile ausgewertet werden, sondern unprofilierten Bildern und Elementen standardmäßig sRGB zugewiesen werden. Dieser Grundsatz sollte für alle Grafikformate gelten, die in Webseiten vorkommen, also JPEG, GIF und PNG. Bei GIF kommt erschwerend hinzu, dass es selbst gar keine Profile enthalten kann und somit auf eine Zuweisung angewiesen ist. Dasselbe gilt für die übrigen Web-Inhalte, die nicht in Form von Bilddateien vorliegen (Schriftfarben und Hintergründe von Seiten, Tabellenzellen etc.).

Werden unprofilierte Website-Elemente im Monitorfarbraum dargestellt, sieht man auf Monitoren mit erweitertem Farbraum viel zu grelle Farben - also einen Effekt, den das Farbmanagement eigentlich beseitigen sollte. Das allein schon sollte für die Browser-Hersteller Grund genug sein, die Empfehlungen korrekt umzusetzen.

Richtig unschön wird es in dem Moment, wo Internetseiten so gestaltet sind, dass eine farbliche Übereinstimmung von Bildern und anderen Elementen beabsichtigt wird: Angenommen, eine Seite hat einen hellblauen Hintergrund, und darauf hat der Webdesigner runde Buttons plaziert, die einen Hintergrund in derselben Farbe haben (damit die Grenzen der eigentlichen Grafik unsichtbar bleiben; Grafiken sind ja technisch bedingt immer rechteckig). Würde das Farbmanagement nur auf die Bilder wirken, aber nicht auf die anderen Website-Farben, könnte hier plötzlich ein Farbunterschied auftreten, der das Webdesign stört.

Dasselbe Problem könnte auftreten, wenn das Farbmanagement nicht alle Grafikformate unterstützt. Es gibt ja Seiten, die aus mehreren Grafiken zusammengesetzt sind, und dabei können unterschiedliche Formate zur Anwendung kommen (z. B. weil sich manche Teile besser als JPEG komprimieren lassen, andere besser als PNG; oder weil Teile der Seite animiert werden sollen und daher das GIF-Format erfordern, während man den Rest der Seite besser in JPEG komprimiert).

Wer nach Einführung farbmanagement-fähiger Browser neue Websites erstellt, hat den grundsätzlichen Vorteil, sich an die Fähigkeiten der schon erhältlichen Browser anpassen und seine Seiten damit testen zu können. Allerdings setzt das voraus, dass die Webdesigner sich der Problematik bewusst werden und explizit darauf achten, wann sie Bilder mit Profilen versehen sollen und wann nicht.

Eine rundum befriedigende Wiedergabe alter und neuer Seiten erzielen nur Browser, die sowohl die Profile von Bildern beachten als auch die übrigen Bilder und andere Website-Farben als sRGB interpretieren - also so, wie es das WWW-Consortium schon seit 1996 empfiehlt. Leider machen das bis heute viele Browser falsch.

Es gab oder gibt fünf Varianten der Umsetzung:
1) Browser, die keinerlei Farbmanagement unterstützen
2) Browser mit "Pseudo-Farbmanagement" (sie wandeln Bilder anderer Farbräume in sRGB um, beachten aber kein Monitorprofil)
3) Browser, die alle Elemente unabhängig vom eingebetteten Profil als sRGB interpretieren
4) Browser, die zwar eingebettete Profile von Bildern korrekt beachten, aber alle unprofilierten Elemente ohne Farbmanagement ausgeben
5) Browser, die eingebettete Profile beachten und unprofilierte Elemente als sRGB interpretieren

Nur Variante 5 stellt eine vollständige Umsetzung dar. Die anderen sind mehr oder weniger unvollständig - und für Einsteiger auch oft verwirrend.
Wenn der Browser zwar die Profile von Bildern beachtet, aber die restlichen Web-Farben im Monitorfarbraum anzeigt (Variante 4 - wie sie heute leider noch häufig vorkommt), kommt es zu den genannten Hässlichkeiten, sobald irgendwo eine Übereinstimmung von Grafikfarbe und Hintergrundfarbe Teil des Webdesigns ist. Dieses Problem ist für den Webdesigner aber zumindest umgehbar: Dann dürfen solche Grafiken eben gar kein Profil enthalten, damit die Übereinstimmung zur Hintergrundfarbe gewahrt bleibt.
Beachtet der Browser zwar das Monitorprofil, interpretiert aber alle Elemente als sRGB (Variante 3), werden Fotos in abweichenden Farbräumen falsch dargestellt - obwohl sie ein Profil enthalten. Diese seltsame Variante gab es zeitweise, aber in den letzten Jahren sind die Browser-Hersteller davon weggekommen.

Heute werden nur noch die wenigsten Internetseiten "von Hand" in HTLM programmiert. Die meisten basieren auf Content-Management-Systemen im weitesten Sinne. Dazu gehören auch Foren, Foto-Präsentationsseiten und andere soziale Netzwerke. Als Benutzer solcher Systeme hat man wenig Einfluss darauf, wie hochgeladene Fotos verarbeitet werden. Leider gibt es immer noch viele Systeme, die hochgeladene Bilder automatisch runterskalieren, neu komprimieren und von Metadaten befreien. Es nützt in Sachen Farbmanagement natürlich nichts, wenn man ein Bild ordentlich mit eingebettetem Profil hochlädt, aber das CMS dann hinterher das Profil entfernt.

Weiterhin gibt es noch eine Hürde durch die zunehmende Verbreitung Funk-basierter Internetzugänge mittels UMTS oder LTE: Manche Anbieter sparen Übertragungsvolumen, indem sie JPEG-Fotos etwas nachkomprimieren und sämtliche Metadaten entfernen. Dabei gehen auch eingebettete Profile verloren. In der Regel kann man dieses Verhalten des Internetzugangs irgendwo abschalten; nur noch wenige Anbieter praktizieren es obligatorisch. Man kann das dann nur teilweise umgehen, indem man einen Browser verwendet, der unprofilierte Elemente als sRGB interpretiert.
Kabelgebundene Internetzugänge (DSL, VDSL, Kabel-Internet, Glasfaser) sind von solchen Einschränkungen von vornherein nicht betroffen; sie geben die Daten aus dem Web immer unverändert weiter. Nur zur Klarstellung: Das Wort "kabelgebunden" bezieht sich auf die Zuführung des Internetsignals zum Haus; ob zur Verbreitung innerhalb des Hauses WLAN zum Einsatz kommt, spielt dabei keine Rolle.

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: September 2017

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