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Farbmanagement und Software

Weitere Bildbearbeitungsprogramme

Gimp

Gimp beherrscht bereits seit Version 2.4 beherrscht Farbmanagement, und spätestens in Version 3 soll die Fähigkeit zur 16-Bit-Bearbeitung hinzukommen; dann kann man in der Tat sinnvolles Farbmanagement mit beliebigen Farbräumen betreiben.

Unter Bearbeiten > Einstellungen > Farbverwaltung sind die Voreinstellungen fürs Farbmanagement zu finden. Sie sind sehr viel knapper gehalten als in Photoshop, aber doch umfangreicher als in Photoshop Elements oder Lightroom. Alles Wichtige ist vorhanden. Unter Arbeitsmodus kann man das Farbmanagement ausschalten oder zwischen Farbkorrigierte Darstellung (= normales Farbmanagement) und Drucksimulation (= Softproof) wählen. Eine Kontrastanpassung ist immer Teil der Drucksimulation und kann nicht eigens angewählt werden. Farben außerhalb des Gamut markieren aktiviert eine Farbumfang-Warnung.

Im Gegensatz zu Photoshop fällt auf, dass man in Gimp auch ein Monitorprofil wählen kann. Wirklich gebraucht wird diese Funktion aber nur unter Linux, weil es dort noch kein zentrales Monitorprofil gibt; unter Windows und MacOS benutzt Gimp automatisch das System-Monitorprofil.

Wichtig zu wissen: Das hier eingestellte "RGB-Profil" verhält sich wie der Standard-Arbeitsfarbraum in Photoshop, wenn dort "Eingebettete Profile behalten" eingestellt ist. Also der Gimp-Arbeitsfarbraum kommt nur für profillose und neu erstellte Dateien zum Einsatz, während Dateien mit Profil stets in ihrem ursprünglichen Farbraum belassen werden (solange man sie nicht absichtlich konvertiert).
Ersatzweise bei profillosen Dateien die EXIF-Eintragung auswerten kann Gimp leider nicht; hier wird, wie bei anderen profillosen Dateien, immer der unter "RGB-Profil" vorgegebene Farbraum verwendet.

Im Menü Bild > Modus > Farbprofil zuweisen und Bild > Modus > Zu Farbprofil umwandeln stehen die bereits aus Photoshop bekannten Verfahren zum Umgang mit Profilen bereit.

Bemerkenswert ist, dass das kostenlose Gimp in Sachen Farbmanagement-Funktionalität zwar nicht an die Konfigurierbarkeit des großen Photoshop heranreicht, aber die meisten preiswerten Einsteiger-Bildbearbeitungsprogramme in den Schatten stellt. Das Farbmanagement in Gimp ist funktionell, und es fehlt nichts, was man als Hobbyfotograf zum Umgang mit Farbprofilen braucht.
Lediglich das Ein- und Ausschalten des Softproofs übers Menü ist noch etwas umständlich, und man vermisst aufgrund des Einzelfenster-Konzeptes schmerzlich einen neutralgrauen Hintergrund als Graureferenz für die Farbbeurteilung am Monitor (siehe auch hier).

PhotoLine

Neben Gimp erfreut sich PhotoLine als Alternative zu Photoshop steigender Beliebtheit.

Unter Bearbeiten > Einstellungen > Farbverwaltung > Geräte lassen sich Profile für Scanner, Kamera, Bildschirm und Drucker sowie ein weiteres Profil für einen Softproof vorgeben.

Ein Profil für die Kamera wird man nur sehr selten benutzen (wie schon erläutert). Ein Profil für den Scanner kann eher mal nützlich werden; hier im Bildbearbeitungsprogramm wird man es aber nur nutzen, wenn der Scannertreiber keine Einbindung zulässt.

Das Monitorprofil ("Bildschirm") holt sich PhotoLine automatisch aus dem Betriebssystem, solange hierfür "System" eingestellt ist. Alternativ kann man hier manuell ein Monitorprofil wählen.

Obwohl hier im Einstellungs-Dialog nur ein einziger Drucker angezeigt wird, kann PhotoLine Profile für verschiedene Fotodrucker verwalten. Man muss lediglich jeweils vor Aufruf der Farbeinstellungen in der Druckerkonfiguration das entsprechende Modell wählen.

Schade ist, dass sich der Rendering Intent ("Wiedergabeart") nur zentral für alle Geräte indentisch einstellen lässt. In der Regel wird man hier den Rendering Intent wählen, den man zum Drucken und zum Softproof benutzen möchte. Die meisten Monitorprofile sind Matrix-Profile, in die automatisch "relativ farbmetrisch" konvertiert wird; der eingestellte Rendering Intent darauf dann keinen Einfluss.

Unter Bearbeiten > Einstellungen > Farbverwaltung > Standard kann man Standardfarbräume für die vier Farbsysteme angeben, mit denen PhotoLine arbeiten kann (RGB, CMYK, Graustufen, Lab). Diese Standard-Arbeitsfarbräume kommen immer nur dann zum Einsatz, wenn ein profilloses Bild geöffnet oder ein neues Dokument erstellt wird. Werden Bilder mit eingebetteten Profilen geöffnet, haben diese Vorrang; hier verhält sich PhotoLine exakt wie Gimp oder wie Photoshop mit der Richtlinie "Eingebettete Profile behalten".
Die Ersatz-Kennzeichnung von Farbräumen in den EXIF-Daten kann PhotoLine leider nicht auswerten. Unbearbeitete Kamera-JPEGs werden als profillos angezeigt. Man muss dann jedem Bild manuell das Profil zuweisen. Besser wäre, man nutzt schon zum Übertragen der Bilder von der Speicherkarte auf den Computer eine Übertragungssoftware, die die passenden Profile (sRGB oder AdobeRGB) einbettet.

Werkzeug > Farbe > Farbprofil zuweisen.. und Werkzeug > Farbe > Mit Farbprofil konvertieren.. bieten die zwei bekannten Standardmethoden zum Umgang mit Profilen.

Über Ansicht > Proofmodus (oder über eine wählbare Tastenkombination) lässt sich jederzeit der Softproof auf das eingestellte Profil an- und abschalten. Die Kontrastanpassung ist beim Softproof in PhotoLine immer aktiv. Eine Farbumfang-Warnung gibt es leider nicht.

Und hier noch ein kleiner Tipp zur farbrichtigen Arbeit in PhotoLine: Wenn Sie Bilder im Vollbildmodus bearbeiten, zeigt PhotoLine um das Bild herum nicht den neutralgrauen Standardhintergrund, sondern die im Betriebssystem voreingestellte Fensterfarbe - und die ist meist nicht farbneutral. Das können Sie jederzeit ändern, indem Sie unter Bearbeiten > Einstellungen... > Anzeige > Dokument eine eigene Farbe des Bildrandes festlegen.

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: April 2012

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