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Farbmanagement-Grundlagen

Kontrastumfang

Farbmanagement kümmert sich in erster Linie um Farben. Der Kontrastumfang spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Diese Herangehensweise gründet in der Erfahrung, dass eine Übernahme des tatsächlichen Kontrastumfangs in den meisten Situationen weder nötig noch sinnvoll ist. Unser Auge benötigt keine exakte Übereinstimmung der Kontraste, um eine Abbildung als wirklichkeitsgetreu zu empfinden. Schon zu Zeiten der Analogfotografie war es selbstverständlich, dass projizierte Dias die Kontraste härter wiedergaben als in der Natur, während auf Papierbildern der Kontrastumfang gegenüber der Wirklichkeit stark komprimiert war. Das war weder damals noch heute ein Problem für unser Sehempfinden.

Der Eindruck auf verschieden kontrastreichen Medien ist allerdings nie identisch; wir nehmen im direkten Vergleich den Unterschied wahr - und für die meisten Motive ziehen wir die kontrastreichere Version vor. Aber wir empfinden die kontrastärmere Variante deswegen nicht als "falsch".

Kontraste werden im Farbmanagement daher (bis auf Spezialfälle) nicht naturgetreu weitergegeben, sondern stets an die Fähigkeiten des jeweils nächsten Mediums bzw. Profils in der Kette angepasst.
Wenn wir beispielsweise ein Foto auf einem Monitor anschauen, der einen Kontrastumfang von 1000:1 beherrscht, und das Foto anschließend auf Fotopapier ausdrucken, das einen Kontrastumfang von bestenfalls 100:1 schafft, wirkt es im direkten Vergleich kontrastärmer. Relativ zueinander bleiben die Helligkeitswerte aber weitgehend bestehen.

Der Kontrastumfang eines Mediums ist immer der Unterschied zwischen dem hellsten Weiß und dem dunkelsten Schwarz, das dieses Medium darstellen kann. Es versteht sich fast von selbst, dass ein selbstleuchtender Monitor einen höheren Kontrastumfang erreicht als ein Stück Papier, das nur Licht remittiert.
Nun könnte man per Farbmanagement den Kontrastumfang des Monitors künstlich einschränken, um jenen des Papiers zu simulieren. Im Rahmen des sogenannten Softproof mit Papierweiß-Simulation wird das auch ausnahmsweise gemacht (siehe hier). Für die normale, alltägliche Monitordarstellung ist es aber unnötig, den Kontrastumfang zu beschränken. Die meisten Bilder sehen nun mal auf einem kontrastreichen Medium schöner aus.

Der Kontrastumfang einer Bilddatei spielt in der Praxis keine große Rolle (so ähnlich wie ihr Weißpunkt), denn es zählt immer der Kontrastumfang des gerade genutzten Ausgabeverfahrens. Das ICC-Farbmanagement sieht im einfachsten Fall zwar nur eine Anpassung des Weißpunktes (also der hellsten Stelle) vor, aber in der Praxis hat sich auch nach unten hin am Schwarzpunkt eine vollständige Kontrastanpassung ans Zielmedium durchgesetzt, so dass die komplette Grauachse passend komprimiert oder gedehnt wird. Die meisten heutigen Programme gehen beim Konvertieren automatisch so vor. Nur in wenigen (schlechten) Programmen fehlt diese Funktion - wodurch dann in dunklen Bereichen ggfs. Bildinformation unsichtbar werden kann oder die Schwarzwerte von einem hässlichen Dunkelgrau ersetzt werden.
Manche Programme haben ein eigenes Kästchen namens "Tiefenkompensierung" oder "Schwarzpunktkompensation". Man sollte die Funktion dann immer aktiviert lassen.
Ebenfalls Einfluss auf den Umgang mit Kontrasten hat die Wahl des Rendering Intent - mehr dazu im nächsten Artikel.

Es gibt keinen zwingenden Zusammenhang zwischen dem Kontrastumfang, den ein Motiv in der Realität hatte, und dem Kontrastumfang, den es später auf Papier oder am Monitor zeigt.

Wieviel Kontrastumfang aus der Realität aufgenommen wird, hängt zunächst von der Dynamik der verwendeten Kamera ab. In der Frühzeit der Digitalfotografie war die Sensordynamik noch sehr begrenzt, aber die Sensoren neuerer Kameras können teils einen beträchtlichen Kontrastumfang aufnehmen. Gängige Kameras und RAW-Konverter übernehmen die Kontraste dann aber nicht linear in die Bildatei, sondern entsprechend einer "S-Kurve", durch die man im Bereich der Lichter und Schatten mehr Zeichnung erhält, ohne dass gleichzeitig die Mitten zu flau würden. Das ist kein technisch präziser Vorgang, sondern eine eher künstlerische Einflussnahme: Man versucht, aus dem hohen Kontrastumfang des Kamerasensors und dem begrenzten Kontrastumfang des Zielmediums das Beste zu machen. Was dabei für das eine Motiv optimal ist, kann für das andere Motiv eher schädlich sein; deshalb bieten besonders die RAW-Konverter vielerlei Mittel, um die Kontrastkurve zu beeinflussen (z. B. Anwenden von Gammakorrekturen, freies Verbiegen der Gradationskurve, Aufhellen von Schattenbereichen und Wiederherstellen der Zeichnung in hellen Bildteilen). All das sind subjektive Entscheidungen, die der Bildoptimierung dienen.

Farbmanagement kommt erst hinterher zum Zuge und sorgt dafür, dass der gewählte Bildeindruck von Medium zu Medium möglichst gut übertragen wird - soweit es eben technisch möglich ist. Der RGB-Wert 0/0/0 wird immer als die dunkelste mögliche Farbe des Mediums ausgegeben und der Farbwert 255/255/255 als die hellste mögliche Farbe des Mediums - ganz egal, ob der Helligkeitsunterschied 1:50 oder 1:2000 beträgt.

Die Farbsättigungen, von denen im Farbmanagement ständig die Rede ist, werden vom Kontrastumfang unabhängig bewertet. Ein Bild kann stark gesättigte Farben haben, obwohl sein Kontrastumfang gering ist; etwa ein Bild mit lauter satten Farbflächen mittlerer Helligkeit muss keine ganz hellen und ganz dunklen Bereiche besitzen. Umgekehrt kann ein Bild eine geringe Farbsättigung haben, obwohl sein Kontrastumfang enorm groß ist; man denke nur an kontrastreiche Schwarzweißfotos.
Im RGB-Farbmodell sind Farbsättigung und Kontrastumfang nicht sehr anschaulich zu trennen. Zum besseren Verständnis ist es daher sinnvoll, sich auch mit dem Lab-Farbmodell zu befassen.

Für die Schwarzweißfotografie bringt Farbmanagement mangels Farben übrigens nicht so viel. Profile für Schwarzweißfotos gibt es zwar, aber sie legen praktisch nur die Helligkeitsverteilung fest (z. B. in Form eines Gammawertes).

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: Oktober 2017

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