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Farbmanagement-Grundlagen

Funktionsprinzip des ICC-Farbmanagements

Um Farbmanagement anzuwenden, braucht es neben den ICC-Profilen der beteiligten Komponenten auch noch eine zentrale Steuerung - das sogenannte "Color Management Module" CMM, auf deutsch "Farbmanagement-System". Das CMM kann Teil des Betriebssystems sein oder Teil eines Anwendungsprogramms. Es spielt keine besondere Rolle, da sich die Ergebnisse verschiedener CMMs (soweit sie den ICC-Standards entsprechen) in der Praxis kaum unterscheiden. Letztlich ist das CMM nur ein Rechner.

Hauptaufgabe des CMM ist die Umrechnung von einem Farbraum in einen anderen - und so eine Umrechnung ist für die Nutzung von Farbmanagement permanent nötig. Was in den folgenden Zeilen an einem kleinen Beispiel erklärt wird, ist daher der Kern des ganzen Farbmanagements.

Angenommen, wir wollen ein Foto auf dem Monitor korrekt darstellen. Unser Foto liegt z. B. im Arbeitsfarbraum ProPhotoRGB vor; im eingebetteten ProPhotoRGB-Profil sind also die Farben der Bilddatei definiert. Die farblichen Eigenschaften des Monitors stehen in seinem Monitorprofil, das wir im Betriebssystem eingebunden haben. Nun ist es der Job des CMM, die Farbwerte des Arbeitsfarbraums in die Farbwerte des Monitors umzurechnen.
Es findet für jeden einzelnen Pixel folgender Ablauf statt: Das CMM nimmt die RGB-Werte des Pixels und liest z. B. 12/25/243. Nun schaut das CMM im Arbeitsfarbraum-Profil der Bilddatei nach, was für eine CIE-Lab-Farbe hinter diesen Werten steht. Dann schaut es im Profil des Monitors nach, welchen Werten diese CIE-Lab-Farbe beim Monitor entspricht; nehmen wir an, es ist 4/20/250. Also schickt das CMM an den Monitor den Befehl, einen Pixel mit den RGB-Werten 4/20/250 darzustellen - denn das ist genau dieselbe Farbe, die im Arbeitsfarbraum der Bilddatei den Wert 12/25/243 hat.

Durch diese permanente Umrechnung wird es möglich, Bilder unterschiedlichster Herkunft auf unterschiedlichsten Wiedergabegeräten so darzustellen, dass die Farben immer stimmen (zumindest im Rahmen des physikalisch Möglichen). Das ist es, was das Farbmanagement im Wesentlichen tut.

Was mit Arbeitsfarbraumprofil und Monitorprofil funktioniert, funktioniert natürlich genauso mit Arbeitsfarbraumprofil und Druckerprofil. Oder mit zwei verschiedenen Arbeitsfarbraumprofilen. Oder mit Scannerprofil und Arbeitsfarbraumprofil. Oder mit Kameraprofil und Druckerprofil (falls man keinen Arbeitsfarbraum als Zwischenprofil verwendet - denn das ist fürs Funktionieren des Farbmanagements nicht zwingend nötig).

Ich wiederhole hier den Grundsatz, weil er so wichtig ist:

Ein funktionierendes Farbmanagement erfordert zu jeder Zeit mindestens zwei Farbprofile: Man braucht immer mindestens ein Eingangsprofil und ein Zielprofil, zwischen denen das CMM umrechnet.

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: Juni 2011

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