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Rollei Vibe Studio 200 Bi-Color

LED Foto- und Videoleuchte im Test

Das Angebot an Foto-und Videoleuchten mit LED-Technik ist mittlerweile sehr groß und deckt alle Preisklassen ab. Den Kauf einer LED-Leuchte habe ich jetzt zum Anlass genommen, einen ausführlichen Testbericht zu verfassen. Allerdings habe ich nicht nur stur das vorliegende Produkt bewertet, sondern versucht, dazwischen auch viel allgemeine Information über LED-Leuchten und deren Qualitätsmerkmale einzuflechten. So hoffe ich, dass mein Testbericht gleichzeitig eine Art Kaufberatung und somit auch nützlich für Leute ist, die sich nicht für exakt dieses Leuchtenmodell interessieren.

Um Nachfragen vorzubeugen: Die Testleuchte habe ich mir während eines Aktionszeitraums selbst gekauft. Sie wurde mir nicht kostenlos zur Verfügung gestellt und ich unterhalte keine Beziehung zum Hersteller.

Allgemeines
Display, Regler und App
Kühlung und Lautstärke
Helligkeit
Lichtqualität (CRI und TLCI)
Farbgenauigkeit
Flimmern oder Flackern
Stromversorgung und Stromverbrauch
Was ich nicht testen kann
Fazit

Allgemeines

Die Rollei Vibe Studio 200 Bi-Color ist eine netzbetriebene Foto- und Videoleuchte mit Bowens-S-Bajonett für gängige Lichtformer. Die 200 im Namen steht dabei für die Watt-Zahl. Gemeint ist nicht etwa ein Glühlampen-Äquivalent, sondern es sind wirklich 200 Watt elektrische Leistung. Die maximale Helligkeit dieser Leuchte entspricht einer Halogenlampe von etwa 1400 Watt oder rund 18 Stück von den alten 100-Watt-Glühbirnen.

Der von Rollei angegebene UVP liegt bei 299 Euro. Zum Testzeitpunkt kostet sie 148,95 Euro und bietet somit in Anbetracht der Leistungsdaten ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. (Manchmal ist sie im Aktionszeitraum sogar noch günstiger zu haben.) Zum Lieferumfang gehören eine transparente Abdeckung, ein Standardreflektor, ein 4,35 Meter langes Anschlusskabel sowie eine gedruckte Bedienungsanleitung in Deutsch und Englisch.

  

Die Leuchte ist relativ klein und leicht: Die Gesamtlänge beträgt 22 bzw. 31,5 cm (ohne/mit Standardreflektor). Das Gewicht beträgt 1,47 bzw. 1,63 kg. Trotz des Kunststoffs macht die Leuchte einen soliden und gut verarbeiteten Eindruck. Die schwenkbare Stativhalterung aus Metall läuft weich und hat ausreichend Haltekraft für große Softboxen.
Das Bowens-S-Bajonett für die Lichtformer funktioniert einwandfrei und hat wenig Spiel.


Es gibt zusätzlich eine einfache Schirmhalterung, die etwas schräg nach unten gerichtet ist (damit man Reflektoren ohne Langloch benutzen kann). Das ist nicht ideal, aber für den gelegentlichen Gebrauch okay. Wer höhere Ansprüche an weiches Licht stellt, wird sowieso Softboxen dazukaufen.

Der mitgelieferte Standardreflektor hat eine auffällige, regelmäßige Prägung und sieht dadurch modern aus, macht aber im Vergleich zur matten Silberstruktur oder mattweißen Lackierung konventioneller Reflektoren ein eher komisches Licht mit starkem Hotspot in der Mitte und unruhigen Schatten im Nahbereich. Zur direkten Beleuchtung eignet er sich deshalb nicht so gut (es sei denn, man will bewusst diesen speziellen Lichteffekt haben). Für indirekte Anwendung über weiße Zimmerwände oder Schirme ist er aber zu gebrauchen.

Display, Regler und App

Das beleuchtete Display zeigt die eingestellte Farbtemperatur (CCT) in Kelvin sowie die Helligkeit in Prozent. Für beides gibt es jeweils einen Drehregler. Die Bedienung ist also denkbar einfach gehalten.

Ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber nicht schlimm: Direkt nach dem Einschalten gibt die Leuchte immer zunächst Warmlicht (2700 K) ab und blendet erst innerhalb von etwa zehn Sekunden auf 6500 K um, wenn das zuletzt so eingestellt war.

Wahlweise lässt sich die Leuchte auch via App und Bluetooth steuern. Die „Vibe LED“ App ist nicht ganz selbsterklärend und ich habe ein paar Versuche gebraucht, die Leuchte zu koppeln, aber danach funktionierte alles wie gedacht. Hat man mehrere Leuchten, kann man ihnen Nummern zuweisen, um sie in der App zu unterscheiden. Verwirrend ist nur, dass die App auch Einstellmöglichkeiten zeigt, die an diesem Leuchtenmodell wirkungslos sind (z. B. den Grün-Magenta-Regler – der funktioniert an einfachen Bi-Color-Leuchten wie dieser prinzipbedingt nicht).
Ferner lassen sich über die App einige Sonderfunktionen aktivieren (z. B. Gewittersimulation), über deren Nutzen man streiten kann.

Kühlung und Lautstärke

Die Kühlung der LED erfolgt durch einen großen Kühlkörper mit Rippen, durch die ein Ventilator von unten nach oben Luft bläst (gleiches Prinzip wie bei CPU-Kühlern in Computern). Der Kühlkörper nimmt dabei den Großteil des Gehäusevolumens ein. (Man kann das alles von außen erkennen, wenn man in das Gehäuse reinleuchtet.)

Vorteil dieser Konstruktionsweise ist, dass die Kühlung komplett hinter der LED stattfindet und die Verwendung von Lichtformern nicht einschränkt – im Gegensatz zu manch anderen (teils noch billigeren) Leuchten, deren Kühlkörper rund um die LED platziert sind und die die Luft nach vorn blasen, wodurch sich ggfs. eine Softbox aufbläht und generell die Verwendung geschlossener Lichtformer nicht empfohlen wird.

Ein heikler Punk für Videofilmer ist immer der Geräuschpegel. Rollei verspricht in der Beschreibung: „Die speziell entwickelte Kühlung sorgt für einen nahezu geräuschlosen Betrieb. Perfekt für Videodrehs, Interviews oder Podcasts […]“ Dieses Versprechen wird meiner Meinung nach leider nicht eingelöst. Das Problem ist weniger die Lautstärke an sich als die Tatsache, dass der Lüfter sich automatisch regelt. (Mit einem Dauergeräusch kann man im Schnitt und in der Tonmischung viel besser umgehen als mit einem veränderlichen Geräusch.) Schaltet man die Leuchte ein, steht der Lüfter zunächst still und die Leuchte ist lautlos (bis auf ein ganz leises Brummen, das man aber wirklich nur hört, wenn man das Ohr aufs Leuchtengehäuse drückt). Schon nach wenigen Minuten (je nach Helligkeitseinstellung früher oder später) fängt dann der Lüfter zu laufen an. In unterster Stufe ist er noch kaum hörbar, aber er dreht dann auch immer wieder vorübergehend bis zur Maximalstufe hoch. In höchster Stufe ist der Lüfter noch längst kein „Staubsauger“, aber doch eindeutig hörbar – in stiller Umgebung auch noch aus mehreren Metern Entfernung.
Das wäre ja nicht so schlimm, wenn sich nicht, wie gesagt, sein Geräusch fast im Minutentakt ändern würde. In der Anleitung fand sich leider keine Option, dieses Verhalten zu verändern. Es ist übrigens kein Defekt einer einzelnen Leuchte: Ich habe ein zweites Exemplar ausprobiert, und dessen Lüfter verhält sich identisch.

Heißt das nun, die Leuchte ist nur für Fotozwecke zu empfehlen und für Videodrehs mit O-Ton gänzlich unbrauchbar? So weit möchte ich nicht gehen. Ich kann mir vorstellen, dass bei Drehs unter realen Bedingungen die Veränderung des Lüftergeräuschs häufig in den Umgebungsgeräuschen aufgeht. Denkbar auch, dass in sehr kalter Umgebung der Lüfter gar nicht anläuft oder in heißer Umgebung dauerhaft in hoher Stufe läuft. Bei mittlerer Raumtemperatur und/oder in ganz stiller Umgebung wird das veränderliche Lüftergeräusch aber ein Thema bleiben, das es zu beachten gilt.
Eventuell lässt der Lüfter sich von einem Bastler so modifizieren, dass er dauerhaft auf voller Stufe bläst. Das ist zwar dann in leiser Umgebung auch hörbar im Ton, aber man bekommt wenigstens im Schnitt keine Tonsprünge mehr.

Helligkeit

Die Helligkeit bei 100 % Leistung ist durchaus beeindruckend für so eine kompakte Leuchte. Selbst mit einer großen Softbox und Zwischendiffusor fühlen sich empfindliche Augen aus kurzer Distanz erst mal geblendet.
Ganz pauschal gesagt: Mit zwei bis drei dieser Leuchten (nebst entsprechenden Lichtformern) dürften Videodrehs in normalen Wohnräumen gut auszuleuchten sein. Auch das Fotografieren mit eher offenen Blenden ist kein Problem.

Ja, es gibt noch erheblich stärkere LED-Leuchten und die haben auch ihre Berechtigung (z. B. für Videodrehs in großen Hallen). Aber wer fürs Fotografieren von Personen schon auf kurze Distanz mehr Licht braucht (z. B. um auch mal stärker abzublenden, besonders kurz zu belichten und/oder aus Qualitätsgründen auf ISO 100 bleiben zu können) sollte vielleicht eher über Studioblitze nachdenken als über noch stärkere LED-Leuchten. Stärkeres Dauerlicht würden nur die Fotografierten unnötig blenden und zugekniffene Augen provozieren. Und mit Blitzgeräten hat man auch nach wie vor erheblich größere Lichtreserven.

Um es nicht nur bei subjektiven Beschreibungen zu belassen, habe ich zusätzlich in mehreren Einstellungen den Lichtstrom in der Einheit Lumen gemessen (Werte sind auf volle Hunderter gerundet):

100 % bei 6500 K:  28.000 lm
100 % bei 2700 K:  21.200 lm
100 % bei 4000 K:  22.700 lm

Wie eingangs erwähnt, handelt es sich um eine Bi-Color-Leuchte. Man sieht schon im ausgeschalteten Zustand an der LED ein Streifenmuster (hellgelb für Kaltlicht 6500 K, orange für Warmlicht 2700 K). Anders als man das z. B. von manchen Bi-Color Flächenleuchten kennt, wird die größte Helligkeit nicht bei einem Zwischenwert (wenn alle LEDs gleichzeitig voll leuchten) erreicht, sondern schon bei 6500 K. Die Helligkeit wird mit sinkender Farbtemperatur etwas geringer, aber der Unterschied ist nicht dramatisch und liegt gegenüber 6500 K nur in der Größenordnung von ⅓ Blendenstufe.

Gerne hätte ich meine Messwerte mit den Herstellerangaben verglichen. Aber leider gibt Rollei gar keine Lumen-Werte an, sondern nur einen Wust an Lux-Werten (Messwerte für die Leuchte mit und ohne Reflektor, jeweils für mehrere Farbtemperaturen und jeweils für mehrere Mess-Abstände).
Ein Lux-Wert (Beleuchtungsstärke) hängt immer von der Abstrahlcharakteristik der Leuchte und des Lichtformers ab und gilt stets nur für einen bestimmten Abstand und einen bestimmten Punkt in der beleuchteten Zone, da das Licht je nach Lichtformer oft nicht homogen ist. Dagegen ein Lumen-Wert (Lichtstrom) beschreibt einfach die Gesamt-Lichtmenge, die die Leuchte abgibt, und gilt damit gänzlich unabhängig von Lichtformer und Abstand. Zum herstellerübergreifenden Vergleich von Leuchten ist also ein Lumen-Wert deutlich sinnvoller – noch dazu, wenn die Leuchten ein Bowens-Bajonett haben und für die Verwendung mit vielerlei Lichtformern gedacht sind.

Der Grund, warum Hersteller oft nur Lux-Werte angeben, liegt in der einfacheren Messung: Lux kann man ganz schnell per Belichtungsmesser bestimmen. Dagegen für die Lumen-Messung braucht man einen komplexeren Aufbau und außerdem eine Referenzlichtquelle.
Idealerweise würde man zur Messung des Lichtstroms eine sogenannte Ulbricht-Kugel benutzen. Ich habe für meine Messungen ersatzweise eine Softbox mit Zwischendiffusor genommen, die das Licht ebenfalls gut homogenisiert. Gemessen habe ich mit einem Sekonik Belichtungsmesser. Meine Referenzlichtquelle war eine echte 100-Watt-Glühlampe, die laut gängigen Tabellen 1521 lm abgibt.

Lichtqualität (CRI und TLCI)

Viel Licht ist schön und gut, aber bekanntlich ist bei LED-Leuchten auch die spektrale Qualität des Lichtes ein Thema. Rollei verspricht in der Beschreibung: „Hohe Farbtreue: CRI von 96 und TLCI von 97 für authentische Farben“ Und diesmal ist es kein leeres Versprechen.

Hier sind einige meiner eigenen Messwerte (Gemessen mit Colormunki Photo Spektralfotometer und ArgyllCMS):

6500 K:  CRI 97,5 – TLCI 97.8
5000 K:  CRI 95,1 – TLCI 98,4
4000 K:  CRI 94,5 – TLCI 98,6
3200 K:  CRI 95,3 – TLCI 98,6
2700 K:  CRI 97,4 – TLCI 97.1

Wenn man den TLCI kennt, ist der ungenauere CRI eigentlich gar nicht mehr wichtig. Ich nenne die CRI-Werte trotzdem, weil sie als Vergleichsmaß nach wie vor verbreiteter sind als TLCIs.

Die Spektren sind typisch für LED-Leuchten: Bei 6500 K sticht insbesondere der markante Blau-Peak hervor, den man von allen weißen LEDs kennt. Bei 4000 K ist der Blau-Peak reduziert und es gibt eine Verlagerung in den Rot-Bereich. Bei 2700 K dominiert schließlich Rot und der Blau-Peak ist kaum noch sichtbar.

Man sollte noch erwähnen, dass TLCI-Werte von 97 oder 98 manchmal auch für echtes Tageslicht oder Halogenlicht gemessen werden, also schon im Bereich der Messtoleranz liegen. Die Leuchte ist in diesem Sinne also ziemlich perfekt und eignet sich uneingeschränkt auch für sehr farbkritische Zwecke wie die Produkt- und Reprofotografie. Voraussetzung für perfekte Farbreproduktion ist immer, dass man nur Leuchten und Lichtformer gleichen Typs verwendet, alle Leuchten ggfs. auf dieselbe Farbtemperatur einstellt und darauf dann einen sauberen Weißabgleich macht.

Farbgenauigkeit

Worüber CRI und TLCI (entgegen einem häufigen Missverständnis) gar nichts aussagen, ist die Treffgenauigkeit der Lichtfarbe im Farbraum. Dass man z. B. 2700 oder 6500 Kelvin eingestellt hat, bedeutet mitnichten, dass man dann Licht mit genau dieser Farbe bekommt.

Ein CRI oder TLCI bewertet Farben immer nur relativ zum Weißpunkt (auf den man sich ja individuell per Weißabgleich einstellt) und nicht etwa absolut. Das Licht kann also trotz hohem TLCI im Vergleich zu konventionellen Lichtquellen eine von der Herstellerangabe abweichende Farbtemperatur und dazu einen deutlichen Farbstich auf der Grün-Magenta-Achse haben – und lässt sich dann natürlich nicht so unauffällig mit anderen Lichtquellen mischen.

Die „absolute Genauigkeit“ der Farben erkennt man an gemessenen Farbtemperaturen in Verbindung mit ΔE-Werten für die Abweichung in Richtung Grün oder Magenta.
Hier meine eigenen Messwerte zu mehreren Einstellungen der Leuchte (Gemessen mit Colormunki Photo Spektralfotometer und ArgyllCMS):

6500 K:  CCT 6334 K, Tageslicht-Farbtemperatur 6492 K und ΔE -4,0
5000 K:  CCT 4997 K, Tageslicht-Farbtemperatur 5304 K und ΔE -10,7
4000 K:  CCT 3976 K, Tageslicht-Farbtemperatur 4225 K und ΔE -12,2
3200 K:  CCT 3151 K, Planck-Farbtemperatur 3286 K und ΔE -7,6
2700 K:  CCT 2615 K, Planck-Farbtemperatur 2568 K und ΔE +3,3

Was ich auf Basis dieser Messungen über die getestete Leuchte sagen kann:
Bei Einstellung 6500 K passt die Farbtemperatur gut. Es gibt eine geringe Abweichung in Richtung Magenta.
Bei Einstellung 2700 K ist die gemessene Farbtemperatur um ca. 130 K zu niedrig, also das Licht ist noch etwas wärmer als angegeben. Der ganz leichte Grünstich geht aber in Ordnung, weil man ihn ganz ähnlich auch bei Glühlampen findet.
Die Zwischen-Farbtemperaturen sind problematischer. Hier gibt es leider mehr oder weniger starke Abweichungen von der Soll-Farbtemperatur und zudem deutliche Magenta-Stiche. Wer das Licht mit echten Glühlampen/Halogenlampen oder echtem Tageslicht mischen will und hohe Ansprüche hat, wird also mit dem Farbtemperaturregler allein nicht auskommen und braucht für perfekte Übereinstimmung noch Korrekturfolien vom Typ „Plus Green“ in ⅛ oder ¼ Stärke (Lee/Rosco 278 bzw. 246).

Wer öfter Lichtquellen farblich abgleichen muss und sich das Hantieren mit Korrekturfolien sparen will, sollte statt einfacher Bi-Color-Leuchten lieber gleich welche kaufen, die neben der Farbtemperatureinstellung auch eine Korrekturmöglichkeit auf der Grün-Magenta-Achse bieten. Das gilt auf jeden Fall für die sogenannten RGB-LED-Leuchten – und es gibt auch hochwertige Bi-Color-Modelle, die es können. (Die Hersteller gehen mit den Bezeichnungen nicht ganz einheitlich um. Im Zweifelsfall hilft ein Blick in die Technischen Daten.)

Ich möchte aber betonen: Gewisse Abweichungen in Richtung Grün oder Magenta sind keine Schwäche speziell dieser getesteten Leuchte, sondern finden sich in allen einfachen Tageslicht- und Bi-Color-LED-Leuchten (und noch stärker in Haushalts-LED-Leuchtmitteln sowie in den alten Leuchtstoffröhren und sogenannten Energiesparlampen).
Jeden Tag werden unzählige Fotos und Videos mit „nicht ganz passenden“ Lichtkombinationen aufgenommen – und nur selten fällt irgendwem etwas auf. Ob mäßige Abweichungen überhaupt wahrgenommen werden können, hängt auch stark vom Motiv ab.

Hier noch nähere Erläuterungen der obigen Messwerte – falls es jemanden im Detail interessiert:
Die „CCT“ ist die Farbtemperaturmessung nach alter/ungenauer (aber leider bei den Herstellern noch sehr verbreiteter) Norm von .
Die „Planck-Farbtemperatur“ wird nach neuerer/genauerer Norm gemessen.
Eine „Tageslicht-Farbtemperatur“ wird ebenfalls nach neuerer/genauerer Norm gemessen, aber orientiert sich an der sogenannten Tageslicht-Kurve.
(Natürliches Tageslicht hat aufgrund atmosphärischer Einflüsse nicht exakte Farbtemperaturen, sondern ist minimal grünlicher. Daher gibt es für Tageslicht eine separate Kurve, die geringfügig von der planckschen Schwarzkörperdefinition abweicht. Meist benutzt man für Farbtemperaturen ab 4000 K die Tageslichtkurve, für alle niedrigeren die Planckkurve.)
Die Einheit ΔE (Delta E) steht allgemein für eine wahrnehmbare Farbabweichung. Speziell im Rahmen dieser Messung bedeutet ein negatives ΔE eine Abweichung in Richtung Magenta, ein positives ΔE bedeutet eine Abweichung in Richtung Grün. Laut offizieller Definition ist ein Farbunterschied von 1 ΔE gerade noch vom menschlichen Auge wahrnehmbar, ein ΔE von 3 noch tolerierbar. Wobei die Messung allerdings auch gewisse Toleranzen aufweist – denn auch bei der Messung natürlicher Lichtquellen sieht man meist leichte ΔE-Abweichungen.

Flimmern oder Flackern

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Lichtqualität ist die Frage nach Flimmern oder Flackern. Das kann nämlich Helligkeitsschwankungen im Video hervorrufen und/oder Querstreifen im Bild verursachen, wenn man mit elektronischem Verschluss fotografiert. Manche der heutigen Haushalts-LED-Leuchtmittel flackern einfach in der doppelten Netzfrequenz (hierzulande 100 Hz) und sorgen damit häufig für solche Probleme. Und spätestens das Filmen mit höheren Frameraten (Zeitlupen) macht auch ein höherfrequentes Lichtflackern sichtbar.

Auch wenn flackernde und pulsierende Lichtquellen heute im Alltag häufiger vorkommen, erwartet man das nicht von modernen Film- und Videoleuchten. Im vorliegenden Fall gibt Rollei jedoch in den technischen Daten an, die Leuchte sei „flimmerfrei bis 120 fps“. Dieses Limit macht stutzig, denn es legt ja nahe, dass die Leuchte doch nicht ganz kontinuierlich leuchtet.
Von manchen älteren LED-Filmleuchten kennt man noch eine Helligkeitsregelung per Taktung im kHz-Bereich, die unter Verwendung „normaler“ Frameraten unsichtbar bleibt, aber bei sehr hohen Frameraten doch Einfluss auf das Bild haben könnte. Mit einem Lichtsensor am Oszilloskop lässt sich das nachweisen. Ich habe auch diese Rollei-Leuchte per Oszilloskop vermessen, konnte aber keine Unregelmäßigkeit feststellen.
Auch für die Praxis kann ich Entwarnung geben: Ich habe jeweils bei 100 % und bei 20 % Helligkeit Testaufnahmen gemacht, und zwar mit satten 1000 fps. Das ist die extremste Zeitlupe, die meine Sony-Kamera beherrscht. Selbst damit konnte ich keinerlei Helligkeitsschwankung feststellen. Warum Rollei in der Beschreibung die unnötige Beschränkung auf 120 fps nennt, bleibt also deren Geheimnis.

Stromversorgung und Stromverbrauch

Dass diese Leuchte für ein 200-Watt-LED-Modell vergleichsweise günstig angeboten wird, verdankt sie auch der Tatsache, dass sie ausschließlich auf Netzstrom hin konzipiert ist. Immerhin ist sie für internationalen Einsatz ausgelegt und lässt sich laut Hersteller an allen Stromversorgungen von 100 bis 240 Volt bei 50 oder 60 Hz betreiben. Jedoch ein Akku ist weder im Lieferumfang dabei noch gibt es dafür eine Vorrüstung.

Ob man mit der Netzstrom-Abhängigkeit leben kann, hängt immer vom Einsatzort und der bevorzugten Arbeitsweise ab. Abseits versorgter Gebiete wird die Verwendung solcher Leuchten schwierig (man müsste dann einen Generator oder eine Powerstation mitschleppen). Eine netzbetriebene Leuchte lässt sich wegen der nötigen Verkabelung auch nie so schnell betriebsfertig machen wie eine Leuchte mit integriertem Akku. Aber sie hat dafür andere Vorteile: Wenn sie mal steht und angeschlossen ist, muss man sich auch während langer Aufnahmen keine Sorgen mehr über Akkustand und nachlassende Helligkeit machen.

Der gemessene Stromverbrauch der ganzen Leuchte (ermittelt mit „ELV Energy Master Basic“ Energiemessgerät) sieht in etwa so aus:

Bei 100 % und 2700 K: 222 W
Bei 100 % und 6500 K: 225 W
Bei 50 % und 6500 K: 115 W
Bei 25 % und 6500 K: 50 W
Bei 10 % und 6500 K: 24 W

Wie viel davon auf die eigentliche LED entfällt und wie viel für Spannungswandlung und Steuerung draufgeht, kann ich natürlich von außen nicht messen. Aber die Gesamtwerte sind plausibel und passen gut zu den vom Hersteller angegebenen 200 Watt LED-Leistung. Dass der Verbrauch bei Einstellung auf 2700 K etwas geringer ist, steht auch in Einklang mit meiner Helligkeitsmessung sowie den Lux-Werten von Rollei.
Das Zu- und Abschalten des Lüfters hat übrigens keinen signifikanten Einfluss auf den Stromverbrauch und geht in der Rundung unter. (Die Anzeige schwankt die ganze Zeit etwas. Man kann also gar keine supergenauen Werte bestimmen.)

Hier noch ein Hinweis für Anwender, die großen Lichtbedarf haben und vielleicht eine Vielzahl dieser Leuchten zeitgleich verwenden wollen: LED-Leuchten können aufgrund ihrer Netzteile durchaus auch hohe Blindleistungen aufweisen. Der genannte Maximalwert von 225 W ist die reine Wirkleistung, also der Stromverbrauch. Für die Scheinleistung habe ich allerdings einen Wert von knapp 410 VA ermittelt. Deswegen kann man z. B. innerhalb eines mit 16 A abgesicherten Stromkreises nicht sechzehn dieser Leuchten gleichzeitig mit voller Leistung betreiben, sondern maximal acht. Das sollte aber in den meisten Fällen immer noch gut ausreichen; früher mit den heißen Halogenleuchten kam man ja schon viel früher an die Leistungsgrenzen der Stromkreise.

Was ich nicht testen kann

Ich habe mir die Leuchte gründlich angeschaut, praktisch ausprobiert und viele Messungen vorgenommen. In ein paar Fällen habe ich auch noch ein zweites Exemplar der Leuchte vermessen, um das Ergebnis zu verifizieren. Trotzdem kann ich keine verlässliche Aussage über eine eventuelle Serienstreuung machen. Also ob sich Exemplare dieser Leuchte aus anderen Produktionschargen irgendwie anders veralten, weiß ich nicht. Auch zur Dauerbelastbarkeit und zur Haltbarkeit kann ich keine Daten liefern. Ich habe die Leuchte nur maximal zwei Stunden am Stück betrieben und dabei gab es keine Auffälligkeiten. Aber wie sie sich über längere Zeit hinweg und bei Dauernutzung schlägt, konnte ich nicht untersuchen.

Fazit

Die Rollei Vibe Studio 200 Bi-Color bietet viel Licht für wenig Geld. Sie ist gut verarbeitet und lässt sich mit allen denkbaren Lichtformern mit Bowens-Bajonett kombinieren. Die Lichtqualität ist sehr hoch und eignet sich, solange nur Leuchten desselben Typs kombiniert werden, auch für alle farbkritischen Anwendungen. Der geregelte Lüfter kann aber die Nutzung für Video mit Ton etwas einschränken. Und für das perfekte Abstimmen auf andere Lichtquellen fehlt ihr, wie allen Tageslicht- und Bi-Color-Leuchten, eine Einstellmöglichkeit auf der Grün-Magenta-Achse.

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: August 2026
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