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Ausgabe auf Papier

Druckdienste und Belichtungsdienste (Fotolabore)

Wer keine Zeit und Lust hat, sich mit einem Tintenstrahldrucker herumzuärgern (hohe Grundkosten, verstopfte Düsen etc.), kann seine Bilder bei Dienstleistern drucken oder belichten lassen. Druckdienste arbeiten mit ganz normalen Tintenstrahldruckern, während Belichtungsdienste auf chemisches Fotopapier ausbelichten. Die Qualität guter Tintenstrahldrucke ist wegen des etwas größeren Farbraums besser ist als die Qualität ausbelichteter Fotos, aber dafür sind ausbelichtete Fotos (insbesondere in kleinen Formaten) etwas preiswerter. Typischerweise wählt man für kleine Formate und Alltagsfotos einen Belichtungsdienst, während man für besondere Ansprüche und Großdrucke (Poster) eher auf hochwertigen Tintenstrahldruck zurückgreift.

Wer in sein örtliches Fotogeschäft marschiert und mit Blick auf das dort benutzte digitale Minilab oder das beauftragte Großlabor nach Farbmanagement fragt, wird meist nur fragende Blicke ernten. Bestenfalls bekommt man die Auskunft, dass mit sRGB-Vorlagen die besten Ergebnisse zu erwarten sind. Auch im Bereich der Poster-Druckdienste gibt es viele Anbieter, die nur grob auf sRGB ausgerichtet sind und/oder die Bilddaten noch obligatorisch "optimieren" - wodurch sie für exakte Anwendung im Sinne des ICC-Farbmanagements nicht taugen. Eine Optimierung der Bilddaten erstickt jegliche Bemühung um Farbverbindlichkeit im Keim.

Ein Teil der Minilabs und Großlabore erlaubt, die Optimierung auf Wunsch zu deaktivieren. Das ist schon besser, ersetzt aber für sich genommen noch kein Farbmanagement. (Selbst bei einigen Anbietern, die tatsächlich Farbmanagement können, muss die standardmäßige Optimierung/Korrektur beim Bestellvorgang noch eigens deaktiviert werden.)

Die weitaus meisten Fotogeschäfte sind mit ihren Bilderdiensten nur auf die Masse der technisch nicht so versierten Knipser eingestellt, die kein Interesse an Farbmanagement haben und mit einer laborseitigen Optimierung ihrer Bilder kein Problem haben (oder sie sogar wünschen). Man sollte nicht darüber lästern, sondern die Inhaber von Fotogeschäften verstehen: Vermutlich nicht mal ein Prozent der Kunden hat überhaupt Ahnung von Farbmanagement und würde es von seinem Fotogeschäft erwarten. Der Aufwand für die Einrichtung eines funktionierenden Farbmanagements, mit dem nur so wenige Kunden etwas anzufangen wissen, lohnt sich an den meisten Orten einfach nicht.

Belichtungsdienste mit Farbmanagement gibt es deutschlandweit tatsächlich nicht mehr als eine Handvoll; von daher wäre es großer Zufall, wenn so eine Firma gerade bei Ihnen um die Ecke ihren Sitz hätte. Bei Druckdiensten ist Farbmanagement schon etwas weiter verbreitet, aber selbstverständlich ist es auch dort nicht. Die wenigen Druck- und Belichtungsdienste, die echtes Farbmanagement beherrschen, findet man am besten übers Internet.
Für Hobbyfotografen, die bereits ihren Monitor profiliert haben und nun eine farbrichtige Ausgabe auf Fotopapier wünschen, führt an Firmen, die Farbmanagement unterstützen, kein Weg mehr vorbei. Durch Spezialisierung auf die Gruppe der anspruchsvollen Hobbyfotografen aus ganz Deutschland scheint sich das Bildergeschäft für diese wenigen Firmen immer noch zu lohnen; ihre Preise sind zumindest nicht höher als die anderer Qualitätsanbieter.

Mit vollständigem ICC-Farbmanagement arbeiten z. B. DigitalOriginal, Posterlia und White Wall (Druckdienste) sowie Saal-Digital, Fuji Fotoservice Pro und FotoExakt (Belichtungsdienste).

Viele andere Bilderdienste und Fotogeschäfte (egal ob im Internet oder vor Ort) mögen subjektiv ebenfalls gute Qualität liefern, aber sie ermöglichen keine verlässlichen und reproduzierbaren Farben im Sinne des ICC-Farbmanagements. 

Das Profil für die Belichtungsmaschine erstellt der Druck- oder Belichtungsdienst selber. Der Kunde liefert seine Bilddateien üblicherweise in einem beliebigen oder vom Anbieter vorgegebenen Arbeitsfarbraum an.
Solange die Bilddateien über eingebettete Profile verfügen, werden die Farben meist korrekt interpretiert. Es gibt auch Anbieter, bei denen nur bestimmte Arbeitsfarbräume unterstützt werden und/oder bei denen die Profile einen bestimmten Namen haben müssen, um vom System erkannt zu werden. Man sollte also immer vorher einen Blick in die Hilfe-Seiten des jeweiligen Anbieters werfen.
Dateien ohne Profil werden bei praktisch allen Anbietern, die Farbmanagement können, als sRGB interpretiert. Daher kann man sRGB-Dateien auch problemlos ohne Profil verschicken. Es ist dann immer noch echtes Farbmanagement und nicht nur eine ungefähre Annäherung an sRGB (wie sie bei einfacheren Laboren üblich ist).

In der Regel bieten die Firmen zusätzlich die Möglichkeit, ihr Maschinenprofil herunterzuladen. Das sollte aber nur für Proof-Zwecke eingesetzt werden, also um eine gute Druck-Vorschau am Monitor zu ermöglichen (siehe hier). Das zum Download zur Verfügung gestellte Profil ist meist nur ein Durchschnittsprofil der verwendeten Maschinen und Papiersorten (also wirklich nur für den Proof gedacht) und nicht das aktuelle Arbeitsprofil, in das tatsächlich konvertiert wird.

Doch keine Regel ohne Ausnahme. Einige wenige Fachlabore gehen in Sachen Farbmanagement den genau anderen Weg: Sie stellen ihren Kunden das tatsächliche (aktuelle) Drucker- oder Belichterprofil zur Verfügung und erwarten vom Kunden, die Konvertierung in den Maschinenfarbraum selber durchzuführen. Das ist ein professioneller Ansatz und hat für den Kunden Vorteile - z. B. eine Qualitätssteigerung durch Wegfall der zusätzlichen Konvertierung sowie die Wahl zwischen relativ farbmetrischer oder perzeptiver Konvertierungsmethode. Es fordert aber auch entsprechend mehr Sachkenntnis und Vorarbeit.
Wer unbedingt selber konvertieren möchte, kann auch bei anderen Laboren nach dem aktuellen Profil fragen; manchmal ist die Firma entgegenkommend.

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: Oktober 2017
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