Zurück zur Hauptseite fotovideotec.de

Ausgabe auf Papier

Einbindung von Druckerprofilen

Während Kamera- und Scannerprofile oft entbehrlich sind, ist das Druckerprofil in einem Farbmanagement-Workflow, der auf Papier-Ausgabe hinausläuft, absolute Pflicht. Hier erwartet man bestmögliche Genauigkeit, und hier zeigt das Farbmanagement auch seine größten Vorzüge.

Noch nicht einheitlich gelöst ist die Frage, wann und durch wen ein Druckerprofil eingesetzt wird. Je nach verwendetem Betriebssystem oder verwendeter Drucksoftware kann das Druckerprofil bereits im Anwendungsprogramm, automatisch im Druckertreiber oder zentral in den Druckereinstellungen des Betriebssystems eingebunden werden.
Dieses Durcheinander hat historische Gründe. Als die Betriebssysteme noch wenig Unterstützung für Farbmanagement boten, waren die Softwarehersteller gezwungen, entsprechende Funktionen selber zu integrieren. Erst nach und nach erkannten auch die Druckerhersteller die Notwendigkeit von Profilen und sahen in den Treibern dafür Möglichkeiten vor.

Die Einbindung im Druckertreiber ist theoretisch ideal, weil der Druckertreiber auch die Papiersorten und weitere Einstellungen verwaltet, die dann teilweise die Benutzung unterschiedlicher Profile erfordern. So kann man die Sache weitgehend automatisieren. Allerdings ist das Farbmanagement innerhalb der Druckertreiber nicht immer ganz durchschaubar, und jeder Hersteller hat dazu seine eigene Philosophie. In manchen Fällen funktioniert es nur in Verbindung mit den vom Hersteller mitgelieferten Profilen, aber nicht mit alternativen (insbesondere selbst gemessenen) Profilen. Und es gibt leider noch einen weiteren Fallstrick: Damit die Konvertierung im Druckertreiber klappt, muss das Anwendungsprogramm das Arbeitsfarbraum-Profil der Datei an den Druckertreiber weitersenden. Das tun aber leider nicht alle - noch nicht einmal jene, die in anderer Hinsicht (z. B. für die Monitordarstellung) Farbmanagement unterstützen. Dann kann es sein, dass der Druckertreiber alle Dateien als sRGB interpretiert (auch wenn sie in einem anderen Farbraum vorliegen), oder dass er in diesem Fall sogar ganz auf Drucker-Farbmanagement verzichtet und die Daten unkonvertiert zum Drucker schickt.

Die sicherste Variante ist die Deaktivierung des Farbmanagements im Druckertreiber und die Anwendung der Profile direkt im Anwendungsprogramm - sofern dort Funktionen für Druckerprofile vorhanden sind. Zwar muss man dann je nach Papiersorte immer selbst das richtige Profil auswählen, aber dafür hat man die absolute Kontrolle über die Konvertierung.

Die Einbindung im Betriebssystem (als Teil der Drucker-Eigenschaften) ist gar keine eigenständige Variante, sondern lediglich vergleichbar mit der Einbindung des Standard-Monitorprofils: Das Betriebssystem stellt Anwendungsprogrammen das Profil zur Verfügung, führt aber von sich aus keine Konvertierung durch.
Aus historischen Gründen machen die allermeisten Anwendungsprogramme (besonders unter Windows) von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch. Unter Windows ist also das Druckerprofil, das im Betriebssystem eingestellt ist, in 95 % aller Fälle wirkungslos. Unter MacOS ist die Integration schon etwas weiter vorangeschritten, aber auch hier geht man im Zweifelsfall mit der Wahl des Druckerprofils im Anwendungsprogramm auf Nummer sicher.

Programme, die nicht farbmanagementtauglich sind (z. B. sämtliche Office-Programme) können auch keine Arbeitsfarbraumprofile an den Druckertreiber weitergeben. Wenn der Druckertreiber keine Möglichkeit bietet, in solchen Fällen den Druckdaten selbst ein Profil zuzuweisen (z. B. sRGB), findet einfach gar keine Konvertierung statt und das eingebundene Druckerprofil bleibt ungenutzt.
Sie können das testen, indem Sie als Druckerprofil vorübergehend ein falsches Profil einsetzen, dessen Verwendung sofort sichtbar wird. Für solche Tests eignet sich das extra-falsche Profil CM-Test_sRGB.icc, das Sie hier herunterladen können.

Erwähnt werden sollte in dem Zusammenhang noch, dass bei Verwendung von Profilen stets alle Automatiken deaktiviert und exakt die Treibereinstellungen benutzt werden müssen, die auch zur Profilerstellung eingestellt wurden. Leider gibt es im Bereich billiger Drucker noch "vollautomatische" Treiber, die vor dem Druck unausweichlich an den Bilddaten herummurksen; mit ihnen ist der Einsatz von Profilen zwecklos.

Die Gefahr, die sich aus dem Durcheinander an Profil-Einbindungsmöglichkeiten ergibt, ist offensichtlich: Wer nicht aufpasst, lässt den Farbraum gleich zweifach konvertieren und erleidet dadurch Qualitätsverluste. Wer das Profil im druckenden Anwendungsprogramm einbindet, muss den Druckertreiber "auf Durchzug" schalten, also eine unveränderte Weitergabe der Farbdaten. Entsprechend gilt dasselbe für den umgekehrten Fall.

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: Juni 2011

Nächster Teil

Zurück zur Übersicht

(Ihr Kauf bei Amazon über einen dieser Links unterstützt diese Internetseite.)