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Ausgabe auf Papier

Erstellung von Druckerprofilen

Mit fast jedem Fotodrucker werden heute auch Druckprofile mitgeliefert, oder es stehen welche auf den Seiten des Herstellers zum Download bereit. Die Profile sind im Prinzip auf die vom Druckerhersteller angebotenen Tinten und Papiersorten abgestimmt.
Manche Hersteller von Fremdpapieren und -tinten bieten sogar eigene Profile an, die dann für ihr Material ausgemessen sind.
Die entscheidende Frage ist, wie gut diese fertigen Profile passen - denn leider lassen die verschiedenen Hersteller da unterschiedliche Sorgfalt walten. Im Zweifel hilft es, die Profile auszuprobieren und kritisch im Vergleich mit Referenz-Drucken zu prüfen.

Wenn sich die Profile des Herstellers als brauchbar erweisen und man nur Originalmaterial bzw. das Material des Profilanbieters verwendet, kann man sich eine individuelle Profilierung sparen.

Wenn der Hersteller des Druckers keine oder nur qualitativ unzureichende Profile liefert, sieht das anders aus. Wer fremde Tinten und/oder Papiere verwendet, für die nicht schon passende Profile angeboten werden, benötigt auf jeden Fall selbsterstellte Profile.

Das Selberdrucken mit Tintenstrahldruckern ist, wenn es mit hohem Anspruch betrieben wird, keine billige Sache. Fremdtinten oder Papiere sollte man dann verwenden, wenn sie besondere Ansprüche erfüllen - nicht aus Kostengründen. Billigtinten sind vielleicht interessant für Leute, die viele Briefe und Präsentationen ausdrucken müssen, aber keinesfalls für präzisionsverwöhnte Fotografen. Hochwertige Fremdtinten und -papiere können sogar teurer sein als das Originalmaterial des Druckerherstellers.

Wer nur aus Kostengründen fremde Tinten verwendet, kann damit auf die Nase fallen: Billigtinten sind hauptsächlich deshalb billig, weil sie nicht so präzise gemischt werden. Niemand kann garantieren, dass die nach drei Monaten nachgekaufte Tinte noch genauso aussieht wie die heute gekaufte, und damit könnte das erstellte Druckerprofil schon wieder hinfällig werden. Hinzu kommen mögliche praktische Nachteile wie ein schnelleres Ausbleichen der Farben oder ein häufigeres Verstopfen der Tintendüsen.

Die Erstellung eines Druckerprofils ist der eines Monitorprofils ähnlich, nur dass in diesem Fall keine selbstleuchtende Vorlage, sondern eine Aufsichtsvorlage gemessen wird. Das dafür verwendete Messgerät braucht also eine eigene Lichtquelle - ähnlich wie ein Scanner. Es wird eine Testvorlage ("Target") mit vielen kleinen Farbfeldern ausgedruckt, die dann vom Messgerät ausgemessen werden. Einfachere Druckerprofilierungsgeräte müssen einzeln oder zeilenweise von Farbfläche zu Farbfläche geführt werden, während motorisierte Luxusgeräte die Vorlage automatisch abarbeiten.

Am häufigsten werden sicherlich Tintenstrahldrucker profiliert. Mit Thermosublimationsdruckern und Farblaserdruckern geht es allerdings genauso. Der Prozess der Profilerstellung ist dort derselbe; lediglich die kleinen A6-Drucker können gewisse Schwierigkeiten bereiten, weil sie nicht genug Druckfläche für die ganzen Farb-Testfelder bieten. Da muss man dann ein vereinfachtes Testmuster mit weniger Feldern benutzen, oder man muss die Vorlagen auf mehrere Drucke verteilen.

Dienstleister, die die Erstellung des Druckerprofils als Service anbieten, arbeiten mit etwas hochwertigeren Geräten als die Selbermacher. Das Prinzip ist ansonsten dasselbe. In der Regel bekommt man vom Anbieter eine Testdatei, die man auf dem eigenen Drucker mit der gewünschten Tinte und dem gewünschten Papier ausdruckt (natürlich unter Deaktivierung aller automatischen Farbanpassungen). Dann schickt man den Ausdruck zum Dienstleister und bekommt von ihm nach einigen Tagen das fertige Profil per E-Mail. Will man verschiedene Papiersorten (z. B. matte und glänzende) verwenden, sollte man für jede ein separates Profil bestellen.
Einzelne Druckerprofile vom Dienstleister gibt es ab ca. 25 Euro. Beispiele für solche Dienstleister sind Digitale Farbe und Fotodesign Winkler.
Die einfachsten Druckerprofilierungsgeräte, die man selber kaufen kann, belasten das Budget mit rund 300 Euro; noch etwas teurer sind Kombigeräte, mit denen man sowohl Monitore als auch Drucker profilieren kann. Die meisten Hobbyfotografen, die nicht ständig neue Papiere oder Tinten einmessen müssen, werden also mit dem Dienstleister günstiger wegkommen.

Kleiner Tipp am Rande: Bei manchen Anbietern erhält man standardmäßig v4-Profile, die leider noch nicht mit jeder Software kompatibel sind (siehe auch hier). Wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihr System v4-Profile schon korrekt verarbeitet, weisen Sie bei der Bestellung darauf hin, dass Sie lieber ein v2-Profil haben möchten. Das kostet keinen Aufpreis.

Idealerweise nutzt man für die Erstellung des Profils sowie für den späteren Druck mit Profil den möglichst nativen, noch nicht anderweitig optimierten Druckerfarbraum. Dies erreicht man durch Abschalten sämtlicher Optimierungen im Druckertreiber. Aber leider weiß man vorher gar nicht, wie "krumm" der rohe Druckerfarbraum tatsächlich ist. Manche Drucker konzentrieren z. B. die wichtigen Farben auf einen geringen Wertebereich und produzieren in anderen Wertebereichen nur eine Ansammlung von ununterscheidbaren grauen Feldern. Abhängig von der Farbverteilung müsste man die Abstufung der zu messenden Farbflächen sehr unterschiedlich vornehmen.
Die Software mancher Druckermessgeräte arbeitet daher mit zwei Durchgängen: Zuerst wird anhand einer kleinen Anzahl von Messfeldern ganz grob der Druckerfarbraum ermittelt; erst auf Basis des Ergebnisses stellt die Software dann die Farbfelder für den zweiten Durchgang zusammen. So kommt man, obwohl man insgesamt nur wenige Felder ausmessen muss, auf eine hohe Genauigkeit.
Andere Programme versuchen, alles in einem Durchgang zu machen. (Die Dienstleister arbeiten grundsätzlich so, weil sie das zeitaufwendige Verschicken eines zweiten Testausdrucks vermeiden möchten.) Das geht nur, wenn im Gegenzug eine sehr große Anzahl von Farbfeldern ausgemessen wird; so hofft man, dass die "entscheidenden" Bereiche mit dabei sind.
Beim Dienstleister hat man die Wahl, ob man ein Target mit wenigen (z. B. 300) oder vielen (z. B. 2000) Farbfeldern benutzen will. Das ist auch eine Kostenfrage.
Je roher der Druckerfarbraum ist, der vermesen wird, desto mehr Felder sollten verwendet werden. Wenn man z. B. zuerst ein Target mit wenigen Feldern ausdruckt und feststellt, dass es dort viele kaum unterscheidbare Farbflächen gibt, während andere Farbtöne fast gar nicht vorkommen, sollte man sicherheitshalber auf eine Variante mit mehr Feldern ausweichen.

Das Einlesen der Farbflächen ist übrigens nur der erste Teil der Profilierung. Spannend wird es danach. Die Erstellung der Druckerprofile erfolgt zwar auf den ersten Blick ähnlich wie die Erstellung eines Monitorprofils, aber in Wirklichkeit ist der softwaretechnische Aufwand viel höher.
Druckerprofile sind komplexe LUT-Profile mit Umrechnungstabellen. Anders als das Monitorprofil, in das stets relativ farbmetrisch konvertiert wird, ist beim Drucker oft auch die perzeptive Konvertierung gefragt. Wie diese genau aussieht, steht in der LUT des Zielprofils.
Benutzt man die mitgelieferte Software eines Drucker-Farbmessgerätes, wird dort die LUT nach Standardvorgaben zusammengebaut. Das wird in der perzeptiven Konvertierung brauchbare Ergebnisse bringen, ist aber nie perfekt an den jeweiligen Druckerfarbraum angepasst. (Eigentlich müsste man den Umgang mit den nicht druckbaren Farben sogar motivabhängig sowie in Abhängigkeit vom jeweiligen Quell-Farbraum einrichten.)
Die Konvertierung von Farben in ein Druckerprofil ist ja immer eine Mangelverwaltung, weil die Farbräume der Drucker kleiner sind als die gängigen Arbeitsfarbräume, und weil das Fotopapier im Vergleich zum Monitor einen geringeren Kontrastumfang hat. Da kommt der Frage, wie genau mit den nicht druckbaren Farben verfahren wird und wie man den Kontrastumfang zwischen Papierweiß und Tintenschwarz hineinquetscht, eine entscheidende Bedeutung zu. Das lässt sich nicht durch eine rechnerisch korrekte Umwandlung entscheiden, sondern bedarf eines geschulten Blicks und eines gewissen Fingerspitzengefühls. Profis beauftragen daher Spezialisten mit der Erstellung ihrer Drucker- oder Belichterprofile und vertrauen nicht nur den Vorgaben einer Profilierungssoftware. Insofern darf man auch nicht davon ausgehen, dass selbstgemessene oder von einem günstigen Profilierungsservice erstellte Profile immer die optimalen Ergebnisse bringen, wenn es um die Behandlung nicht druckbarer Farben geht.
Natürlich sind 90 % der Farben in Alltagsfotos druckbar und von daher eindeutig zuzuordnen. Hier geht es also um farbliche Feinheiten, die nur bestimmte "kritische" Motive betreffen - und die ein Laie wahrscheinlich nicht bemerkt, wenn er nicht ausdrücklich darauf hingewiesen wird.

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: Oktober 2017
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