Wie gut ist ein billiger Belichtungsservice im Vergleich zu einem teuren?
- Aldi-Fotoservice gegen 24h-Bildexpress -

Ein paar Erklärungen vorab: Digitale Fotografie hat viele praktische Vorzüge. Für mich persönlich der wichtigste ist, daß man als Fotograf auch ohne eigene Dunkelkammer die Kontrolle übers Bildergebnis behält und nicht (wie beim Fotgrafieren auf Negativfilm) der Farb- und Belichtungswillkür eines Großlabors ausgeliefert ist. Man muß lediglich seinen Monitor kalbrieren und einen Belichtungsservice benutzen, der die Daten unkorrigiert belichtet.
Die meisten größeren Labors belichten normgerecht oder bieten zumindest in der Bestellsoftware die Option, auf die "Optimierung" zu verzichten. Leider ist das bei den billigeren Anbietern bislang nicht der Fall; z. B. die Drogeriemärkte Schlecker und Müller belichten die Daten grundsätzlich erst nach einer automatischen "Verbesserung", was in meinen Versuchen z. T. zu deutlichen Farbabweichungen führte.
Damit will ich diese Anbieter keineswegs schlecht machen, denn eine automatische Bildoptimierung kann für Fotoanfänger und allgemein für Leute, die ihre Bilder unbearbeitet belichten lassen, durchaus vorteilhaft sein. Wenn man sich jedoch schon die Mühe macht, jedes Bild am kalibrierten Monitor zu prüfen und evtl. von Hand zu korrigieren, wäre eine weitere nachträgliche Veränderung kontraproduktiv.

Nun zum eigentlichen Vergleich:

Da der neue Fotoservice von Aldi/Medion die Option bietet, ohne "Optimierung" zu belichten, könnte er trotz seiner günstigen Preise auch für höhere Ansprüche taugen.
Bisher hatte ich meist bei "24h-Bildexpress", "Film & Mail" oder "Fujicolor-Order" belichten lassen (sowie mit HP-Tintenstrahler ausgedruckt), so daß ich in Sachen Qualität einen guten Vergleich habe.

Einige der Motive, die ich zum Aldi-Service geschickt habe, hatte ich kurz vorher identisch zu 24h-Bildexpress geschickt. Somit ist sogar ein unmittelbarer Qualitätsvergleich dieser beiden Anbieter möglich.

Der Download der Aldi-Bestellsoftware (>20 MB) ist nicht modemtauglich und insofern ärgerlich, als der größere Teil davon (Bildsortierung und -bearbeitung) nicht unbedingt nötig wäre.
Die Bedienung der Upload-Software ist okay. Der Ablauf des Hochladens der Bilder ist problemlos. Dasselbe gilt für die Software von 24h-Bildexpress.

Meine Aldi-Bestellung erfolgte in der Nacht von Freitag auf Samstag. Lieferung der Bilder per Post war am darauffolgenden Mittwoch. (Ich nehme an, daß die Bearbeitung am Montag begann.)
24h-Bildexpress verspricht die Lieferung am nächsten Werktag, wenn die Bestellung von Montag bis Freitag bis 16 Uhr übertragen ist. Bisher hat das immer zuverlässig geklappt.

Bei Aldi/Medion bezahlte ich für 23 Bilder im 13er-Format und 2 Bilder im 10er-Format insgesamt 6,37 € (incl. Versandkosten). Hätte ich genau dieselbe Bestellung bei 24h-Bildexpress aufgegeben, hätte ich dafür 14,65 € bezahlt.

Ich hatte matte Abzüge im 10er- und 13er-Format bestellt. (Die Bildbreite ist variabel je nach Seitenverhältnis der Vorlage.) Geliefert wurde auf mattem Standardpapier von Kodak, das im Gegensatz zum Agfa-Papier von 24h-Bildexpress noch etwas matter ist.

Die Farben bei Aldi sind neutral und entsprechen recht gut meinem Monitor sowie dem HP-Tintendruck; die Farben von 24h-Bildexpress sind etwas wärmer. (Alle liegen im Toleranzbereich.)

Sofort ins Auge sticht die extreme (unnatürliche) Scharfzeichnung bei Aldi/Medion. Ferner habe ich den Eindruck, daß die Gradationskurve der Aldi-Abzüge im mittleren Bereich aufgesteilt ist, was zusätzlich den Schärfeeindruck erhöht. Offenbar gehören diese Details nach Aldi-Definition nicht zur Optimierung und sind daher nicht abschaltbar. (Vielleicht ist es auch eine Eigenart der verwendeten Belichtungsmaschinen oder des verwendeten Fotopapiers.)

Stutzig gemacht hat mich, als ich auf den Aldi-Abzügen sehr deutliche JPEG-Artefakte entdeckte. Das ist umso erstaunlicher, als die von 24h-Bildexpress gelieferten Bilder (von derselben Datei!) diese Fehler nicht aufweisen. Im Aldi-Übertragungsprogramm war die JPEG-Qualität auf 100 % gesetzt, so daß man eine unerwünschte nachträgliche Komprimierung ausschließen kann.
Des Rätsels Lösung: Bei genauer Betrachtung sind all diese Artefakte schon in der Ausgangsdatei vorhanden, treten aber weder am Monitor noch auf dem Abzug von 24h-Bildexpress sichtbar hervor. Erst die übertriebene Scharfzeichnung und Kontraststeigerung von Aldi macht sie sichtbar.

Zur Erläuterung der Bilder:
Das Bild links ist ein unveränderter Ausschnitt aus der Belichtungsdatei. Die beiden anderen Bilder sind Scans der Abzüge von 24h-Bildexpress und Aldi-Fotoservice; in puncto Helligkeit und Farben darf man diese Scans nicht direkt mit der Ausgangsdatei vergleichen (das würde nur Sinn machen, wenn der Scanner kalibriert wäre).
Die Originaldatei war insgesamt 1333 x 1000 Pixel groß und in IrfanView mit JPEG-Qualitätseinstellung 70 % gespeichert; daher weist sie einige JPEG-Artefakte auf, die jedoch in Anbetracht der bestellten Bildgröße (10 x 13 cm) nicht relevant sein sollten. (Zu den Auswirkungen verschiedener JPEG-Stufen siehe auch HIER.)
Der Abzug von Aldi (mittleres Bild) ist zu kontrastreich und zu sehr scharfgezeichnet, was den Hauttönen nicht bekommt und einfach nicht dem Monitor-Original entspricht. Die JPEG-Artefakte der Originaldatei werden auf ein störendes Maß verstärkt.
Beim Abzug von 24h-Bildexpress (rechtes Bild) entsprechen die Kontraste in etwa der Originaldatei. Die Hauttöne bleiben natürlich, und die JPEG-Artefakte werden sogar weitgehend unsichtbar. Die Farbabstimmung ist im Vergleich zu meinem Monitor geringfügig zu warm.

FAZIT: Aldi manipuliert dank abgeschalteter Optimierung zwar nicht die Farbabstimmung, dreht aber dennoch an Kontrast- und Schärfeschraube. Das mag Landschaftsaufnahmen besser aussehen lassen, verschlechtert aber Portraits und hebt Bildfehler wie JPEG-Artefakte oder Rauschen überdeutlich hervor. Vor allem entspricht es nicht meiner Idee von unmanipulierter, neutraler Ausbelichtung. Somit werde ich künftig wieder etwas mehr Geld anlegen und bei der gewohnten Qualität von 24h-Bildexpress bleiben.

Noch drei Hinweise über diesen Vergleich hinaus:
1) Wegen der flotten Lieferung habe ich mich diesmal für 24h-Bildexpress entschieden, aber die Bildqualität bei "Film & Mail" sowie bei "Fujicolor-Order" ist nach meiner Erfahrung mit der von "24h-Bildexpress" vergleichbar (und die Preise sind dort etwas günstiger). Dagegen teilen die billigen Labors von Müller und Schlecker die zu starken Kontraste des Aldi-Fotoservice und verändern zudem Helligkeit und Farbabstimmung.
2) Wer aus Kostengründen einen der "Billigen" nutzen will, sollte auf möglichst geringe Störungen im Bild achten, da sowohl Artefakte als auch Bildrauschen (höhere ISO-Zahlen) auf den Abzügen dann wesentlich deutlicher zu sehen sind als am Bildschirm.
3) Es sollte darauf geachtet werden, Bilder stets im sRGB-Farbraum abzugeben, da alle Belichtungsdienste (mit Ausnahme teurer Fachlabore) ausschließlich sRGB-Dateien annehmen bzw. ungeachtet eines angehängten Farbprofils als sRGB behandeln. Wer z. B. in Adobe-RGB fotografiert hat, muß die Bilder zur Belichtung nach sRGB wandeln; andernfalls stimmen hinterher die Farben nicht mit der Bildschirmdarstellung überein.

A. Beitinger
Juli 2005

Nachtrag: Mittlerweile hat "Film und Mail" seine Geschäftstätigkeit eingestellt. Das ist einerseits schade, weil er der Billigste unter den mir bekannten Qualitätsbelichtern war. Andererseits könnte man daraus Folgerungen über Qualität und Preis ganz allgemein ziehen, die sich mir mittlerweile erschließen: Ein bestimmtes Qualitätsniveau ist nur zu entsprechenden Preisen zu halten, wobei aber der Massenmarkt preisorientiert bestellt und in Sachen Qualität nicht so kleinlich ist. Deshalb sollten sich Anbieter klar entscheiden, wen sie bedienen wollen.
Wenn ich einen professionellen Belichtungsdienstleister suche, gehört für mich dazu eine hohe Prozeßkonstanz: Wenn ich 3 Monate später nochmal Abzüge derselben Datei bestelle, erwarte ich, daß diese ganz genauso wie die letzten aussehen. Hierfür müssen z. B. die Fotochemikalien frühzeitig gewechselt und stets in ihrer Beschaffenheit überwacht werden. Eine solche Überwachung kostet Geld, das der Knipser-Kunde nicht zu zahlen bereit ist.

Nachtrag 2: Ich habe inzwischen noch "Fotopost24" getestet, der mit seinen Preisen unter "24h-Bildexpress" liegt und die normgerechte Belichtung zum Prinzip gemacht hat (wie auf der Homepage deutlich erklärt wird; wer eine Optimierung wünscht, muß sogar Aufpreis zahlen). Die Lieferung ist genauso schnell.
Tatsächlich findet hier keine Scharfzeichnung statt, wodurch die Bilder noch unterhalb des Schärfeeindrucks liegen, den ich am Monitor habe. Auf den ersten Blick sehen die Bilder schlechter aus als die vom Aldi-Fotoservice; was Aldi in puncto Kontrast und Scharfzeichnung zu viel tut, tut Fotopost 24 zu wenig. Wenn man allerdings davon ausgeht, daß Fotopost24 auf konstante Ergebnisse achtet, könnte man gezielt etwas scharfzeichnen und das Defizit selbst ausgleichen. Insofern ist Fotopost24 für den professionellen Anwender erheblich besser geeignet als Aldi. Allerdings liegen die Ergebnisse von 24h-Bildexpress schon von vornherein näher am Monitorbild, und insofern bleibt dieser Dienst meine Empfehlung.

Anleitung: Digitalfotos für die Belichtung vorbereiten

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